Die jemenitische Hauptstadt Sana'a (Sanaa) liegt im
Zentrum des Landes auf einer Hochebene von etwa 2400 m. Dank ihrer einzigartigen
Architektur, hat sie unter zahlreichen Liebhabern den Ruf, die schönste
Stadt Arabiens zu sein. Seit 1988 gehört Sana'a zum Weltkulturerbe.
Die zum Weltkulturerbe zählende Altstadt von Sana'a blieb glücklicherweise
von der explosionsartig wachsenden Bevölkerungszahl der Landeshauptstadt
nahezu verschont. Wärend zu Beginn der 70er Jahre Sana'a gerade
mal 50 000 Einwohner zählte, waren es Mitte der 80er Jahre bereits
500 000. Mittlerweile geht die Einwohnerzahl auf die 1,5 Millionen zu.
Berühmt wurde Sana'a vor allem für seine Architektur, die
auf eine 2500jährige Tradition zurückzuführen ist. Die
drei bis acht Stockwerke hohen Bauten beeindrucken vor allem mit ihren
reizvollen Stuckverzierungen, die sich harmonisch über ihre gelben
oder rötlichen Fassaden ziehen.
In Sana'a lebten bis 1950 auch etwa 1500 Juden. Ihr Viertel grenzte
an eine Art Schwesterstadt, in der reiche Jeminiten ihre prunkvollen
Paläste bauten. Die beiden Stadtteile wurden um 1900 von einer
acht Meter hohen Mauer umschlossen, die nur im Norden über ein
Tor miteinander eine Verbindung zuließ. Nach der Beendigung des
jemenitischen Bürgerkriegs übernahmen die Verbündeten
Nordjemens, Ägypten und die Sowjetunion, die Städteentwicklung.
Die große Mauer wurde an den einander zugewandten Seiten eingerissen.
An ihrer Stelle entstand die Abdul Mughni Street, an der moderne Bauten
entstanden, über deren kulturellen Wert man geteilter Meinung sein
kann. Glücklicherweise wurde auf weitere Baumaßnamen verzichtet,
so dass der homogene Charakter der Altstadt weitgehend erhalten blieb.
Mit Ausnahme des Bab al-Jemen Tors, das in den letzten Jahren aufwändig
restauriert wurde, ist von den einst acht Stadttoren nicht viel übrig
geblieben.
Im Zentrum der Altstadt befindet sich am Maidan al-Tahrir Platz neben
dem im alten Stil erbauten Regierungsgebäude das Museum. Unter
den verschiedenen vorislamischen Schätzen, verdient die Bronzestatue
eines schreitenden Mannes aus der sabatäischen Zeit besondere Aufmerksamkeit,
da sie nicht nur hervorragend erhalten ist, sondern auch Aufschlüsse
über die früharabischen Gusstechniken liefert.
Von den über 50 Moscheen, die im Zentrum von Sana'a zu bewundern
sind, ist neben der 600 Jahre alten Al-Abhar Moschee die Große
Moschee in der Nähe des Haupttors Bab-al-Jemen wohl die bedeutendste.
Die älteste Moschee der Stadt wurde noch zu Lebzeiten des Propheten
Mohammeds auf den Ruinen einer großen Kathedrale gebaut, die wiederum
auf den Resten eines sabäischen Tempels erbaut worden war.
Man vermutet, dass bereits im dritten Jahrhundert vor Christus das
Gebiet um Sana'a besiedelt wurde. Der Legende nach soll Sana'a von Sem,
einem Sohn Noachs, gegründet worden sein. Die einstige Hauptstadt
der Himjariten war Mitte des sechsten Jahrhunderts von den Persern und
den Abessinern (Äthiopern) hart umkämpft. Im Jahre 628 nahm
Sana'a den Islam an, und es wird behauptet, der Prophet selbst habe
den Befehl zur Erbauung der Großen Moschee gegeben. Erst im 12.
Jahrhundert konnten die Ayyubiden das Gebiet erobern. Von 1517 an lebten
die Bewohner der Stadt als autonomes Sultanat in Frieden, bis 1872 die
Osmanen die Herrschaft übernahmen. Von 1904 an wurde Sana'a vom
Imam Yahya bin Muhammad regiert, nach dessen Ermordung im Jahre 1948
übernahm dessen Sohn Ahmad ibn Yahya das Zepter und verlegte die
jemenitische Hauptstadt nach Ta'izz.
Nach dem Tod Ahmad ibn Yahyas kam es 1962 zu einem blutigen Bürgerkrieg,
der mit der Teilung des Landes in Nord- und Südjemen endete. Erst
im Jahre 1990 wurde das Land wieder vereinigt.
Im Jahre 2004 war Sana'a arabische Kulturhauptstadt. Vom 10. bis zum
17. Januar nahm der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter
Grass am arabisch-deutschen Romanschriftstellertreffen in Sana'a
teil.