Die etwa 7000 Einwohner zählende Stadt Shibam,
die einstige Hauptstadt der Oase Hadramaut, liegt knapp 40 km nordwestlich
von der Hauptstadt Sana'a. Der vorislamische Ort, bekannt für seine
"Wolkenkratzer", wird seit 1982 zum Weltkulturerbe gezählt.
Shibam war einst eine der bedeutendsten Handelsstädte der Weihrauchstraße.
Die Blütezeit der Stadt begann im 16. Jahrhundert mit der Herrschaft
der Kathiri-Dynastie. Schon bald wurde aus der kleinen Ortschaft eine
wohlhabende Stadt, deren Reichtümer es zu schützen galt. Zu
dieser Zeit wurden die ersten Lehmbauten errichtet, zunächst nur
kleinere, später erreichten die Hochhäuser über 10 Stockwerke.
Die etwa 500 aus Lehm errichteten Hochhäuser wurden auf engstem
Raum errichtet, die höchsten von ihnen zählen 10 bis 13 Stockwerke.
Der Reiseschriftsteller und Fotograf Hans Helfritz (1902-1995) bezeichnete
Shibam als "Chicago der Wüste". Die äußeren
"Wolkenkratzer" bilden eine mächtige Schutzmauer, durch
die nur ein einziger Eingang ins Innere der Stadt führt. Hinter
dieser Fassade verbirgt sich ein zentraler Platz, umgeben von einer
großen Moschee, verschiedenen Behörden und der Polizeistation.
Die über 2000 Jahre alte Stadt am Ausgangspunkt der Weihrauchstraße
war wegen ihres einstigen Reichtums Ziel feindlicher Angriffe. Ihre
außergewöhnliche Stadtmauer konnte jedoch Shibam stets vor
einer Eroberung oder größeren Raubüberfällen bewahren.
In den letzten Jahren jedoch, verließen viele Bürger ihre
Stadt, da die Gefahr einer Attacke nicht mehr gegeben ist. Viele der
einzigartigen Bauten stehen verlassen, die Witterung nagt gnadenlos
an ihren Fassaden. Einige Häuser drohten sogar einzustürzen.
Erst umfangreiche Sanierungsmaßnahmen der UNESCO, die zeitweise
Shibam auf ihrer "Roten Liste" führte, konnten einen
weiteren Verfall der historischen Stadt (vorerst) aufhalten.