Mali - Das historische Stadtbild von Timbuktu
"Salz kommt aus dem Norden, Gold aus dem Süden und
Silber aus dem Land des weißen Mannes, aber das Wort Gottes
und die Schätze der Weisheit sind nur in Timbuktu zu finden."
Der ehemalige Handelsstützpunk Timbuktu (Tombouctou)
liegt im Zentrum Malis, etwa 420 km westlich von Gao am südlichen
Rand der Sahara. Der einstige Glanz der 20 000 Einwohnerstadt ist heute
nur noch zu erahnen. Das Stadtbild von Timbuktu wird seit 1988 zum Weltkulturerbe
gezählt.
Im deutschen Sprachgebrauch wird Timbuktu häufig als Synonym für
das Ende der Welt bzw. einen exotischen, fernab von jeglicher Zivilisation
entlegenen Ort benutzt, obwohl anzunehmen ist, dass der Ort im 16. Jahrhundert
wohl weit "zivilisierter" war als die meisten Gegenden Europas.
Der Legende nach stand eine junge Frau namens Buktu, die den örtlichen
Brunnen (tin) bewachte, Patin für den Namen.
Urkundlich
wird die am Ufer des Nigers gelegene Stadt erstmalig um 1000 erwähnt.
Zunächst gewann Timbuktu im Laufe der ersten Jahrhunderte im zweiten
Jahrtausend immer mehr an Bedeutung als wichtigste Handelsstadt der
Region. Auf den Märkten wurden neben Gold, Silber und Elfenbein
auch Sklaven gehandelt. Noch heute ist die Ankunft einer Wüstenkarawane
ein gesellschaftliches Ereignis in der am Ende der Trans-Sahara-Route
gelegenen Stadt.
Seinen kulturellen Höhepunkt erlangte die Stadt im 15. Jahrhundert.
An ihrer Universität lehrten namhafte Professoren und Geistliche
aus der gesamten arabischen Welt, über 20 000 Studenten sollen
in den Glanzjahren der Stadt hier studiert haben. Gelehrt wurde u.a.
Arabisch, Rhetorik, Recht und Medizin. Neben einer Bibliothek, in der
alle wichtigen Schriften der damaligen Zeit zu finden waren, entstanden
in Timbuktu über 100 Koranschulen.
Am kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkt angelangt, setzte
die Invasion der Marokkaner im 16. Jahrhundert dem Glanz der Stadt ein
jähes Ende. Timbuktu wurde geplündert, zum Teil zerstört,
die Gelehrten verschleppt. Die Hauptroute des Trans-Sahara-Handels wurde
die östlich gelegene Fezzan-Route.
Nach zahlreichen Berichten arabischer Reisender wurde die sagenumwobene
Stadt Timbuktu auch in Europa schon bald zum Mythos. Als erster Europäer
erreichte der Schotte Alexander Gordon Laing 1826 Timbuktu, er wurde
jedoch kurz darauf von einem Unbekannten ermordet. Als Araber verkleidet
gelang 1828 dem Franzosen René Caillié die weite Reise,
noch bevor 1853 der Deutsche Forscher Heinrich Barth eine zeitlang in
der einstigen Wüstenmetropole lebte.
Sehenswert sind die Moscheen Djinger-Ber am südwestlichen Stadtrand,
die Moschee Sankoré und die Moschee Sidi Yahia. Letztere ist
die kleinste Moschee Timbuktus und befindet sich unweit des Hauses,
in dem Heinrich Barth lebte. Eine Inschrift am Hauseingang erinnert
noch heute an den Besuch des Deutschen. Im nordöstlich der Stadt
gelegenen Viertel Sankoré leben die vornehmen und reichen Bürger
der Stadt. Hier kann man auch die Reste der mittelalterlichen Universität
von Timbuktu bewundern.
Die Tuarek leben nicht in Timbuktu, sondern haben ihre Behausungen
in der Umgebung der Stadt in Zeltlagern aufgeschlagen. Sie kommen regelmäßig
in die Stadt um Ihre Lederwaren feilzubieten.