Die präkolumbianische Stadt Teotihuacán liegt knapp
50 km nordöstlich von Mexiko-Stadt (Autobahnausfahrt km 48), nahe
der gleichnamigen Ortschaft. Die Stadt, die zu ihren Glanzzeiten 200
000 Einwohner gehabt haben könnte, die allerdings außerhalb
der historischen Anlage lebten, wird seit 1987 zum Weltkulturerbe gezählt.
Über die ursprünglichen Bewohner der Stadt, die einst zu
den bedeutensten Gesamtamerikas zählte, ist nur wenig bekannt.
Den Namen Teotihuacán bekam sie erst von den Azteken, die nicht, wie
oft behauptet, die Stadt errichteten, sondern sie im 14. Jahrhundert
bereits verlassen vorfanden. Sinngemäß heißt Teotihuacán
'der Ort, wo man zum Gotte wird'. Erst die Azteken gaben dem Ort diesen
eindrucksvollen Namen, da sie glaubten, dass ihre Herrscher nach dem
Tode zu Göttern wurden. Ihrem Glauben nach, wurden in Teotihuacán
Mond und Sonne erschaffen.
Erstmalig erforscht wurde die Anlage zwischen 1905 und 1910 unter der
Leitung des Wissenschaftlers Leopoído Batres. Leider wurde beim
Freilegen der Sonnenpyramide und einiger kleineren Tempel nicht unbedingt
zimperlich vorgegangen. Sprengungen und unsachgemäßes Vorgehen
fügten der Anlage unwiederbringbaren Schaden zu. Erst die Arbeiten
des Archäologen Manuel Gamios, der zwischen 1917 und 1922 das Gebiet
systematisch erforschte, lassen den Glanz der ehemaligen Hochburg erahnen.
In den 60er Jahren wurde die Anlage aufwändig restauriert und zum
Teil rekonstruiert.
Archäologische Funde lassen darauf schließen, dass die Kultur
dieser großartigen Stätte in vier Phasen zu gliedern ist.
In ihrer ersten Phase (Teotihuacán I) wurden um 200 v. Chr. die mächtigen
Pyramiden erbaut. Anders als andere präkolumbianische Pyramiden
wurden sie nicht durch wiederholte Ummantelungen des Kerns im Laufe
von Jahrhunderten größer, vielmehr geht man davon aus, dass
sie, wie auch der Rest der Stadt, "in einem Zug" errichtet
wurden. Im Unterschied zu den ägyptischen Pyramiden, waren sie
keine Grabmäler, sondern nur Plattformen für Tempel.
Wie archäologische Funde belegen, war Teotihuacán nicht nur die
bedeutendste Pilgerstätte Mesoamerikas1, sondern auch
eines seiner wichtigsten Handelszentren. Archäologen stießen
bei Ausgrabungen auf Kunstgegenstände, die friedliche "Geschäftsbeziehungen"
mit anderen Kulturkreisen belegen. Wichtige Handelspartner fand man
nicht nur im Oaxaca Tal, sondern auch in weit entlegenen Gebieten, von
der Westküste bis zum Golf von Mexiko. Neben den berühmten,
sorgsam dekorierten Dreifußvasen, fand man auch die so genannte
"Feine Orangenkeramik", deren Herkunft unbekannt ist.
Die Blütezeit (Teotihuacán III) lag zwar schon einige Jahre zurück,
warum jedoch die immer noch bedeutende Stadt Teotihuacán um 650 n. Chr.
(Teotihuacán IV) verlassen wurde ist ungeklärt. Brandspuren lassen
jedoch auf ein gewaltsames Ende schließen. Zahlreiche archäologische
Funde, u. a. erstaunlich gut erhaltene Terrakotta Figuren, lassen darauf
schliessen, dass ein Teil der Einwohner im südwestlich gelegenen
Atzcapotzalco (heute ein Vorort von Mexiko-Stadt) Zuflucht fanden.
Sehenswürdigkeiten in Teotihuacán
1Zu Mesoamerika zählt man den südlichen Teil Mexikos, Guatemala,
Belize, El Salvador, den westlichen Teil von Honduras, Nicaragua und
Costa Rica.