english français  japanese chinese (simplified) Startseite Slowakei (Übersicht)  

Slowakei - Banská Bystrica

"Während des Lebens in Banská Bystrica, nach dem Tod im Himmel"

 
vergrößerte Ansicht
stark vergrößerte
Ansicht (Druckversion)

Banská Bystrica (deutsch Neusohl) - So mancher bezeichnet diese pulsierende ehemalige Bergbaustadt im Tal des Flusses Hrov als die "kleinste Großstadt Europas". Das verwundert auch nicht: im Herzen des Landes gelegen, hat sich die 85.000 Einwohner zählende Stadt in den letzten Jahren fein säuberlich herausgeputzt. Straßencafés, Restaurants, kleine und große Einkaufsläden rund um den Hauptplatz, und nicht zuletzt eine ausgeklügelte Infrastruktur haben Banská Bystrica zu einem wahren Zentrum für Jung und Alt gemacht. Die Flaniermeile ist die Altstadt rund um den geschichtsträchtigen Platz des Slowakischen Nationalaufstandes (Námestie SNP), der von dem "schiefen", 35 m hohen Uhrenturm dominiert wird. An lauen Sommerabenden, mag bei dem einen oder anderen die Frage aufkommen, ob überhaupt noch jemand zu Hause geblieben ist.

Im Jahre 1241 wurde die slawische Siedlung Bystrica fast vollständig von den Tataren verwüstet. Daraufhin förderte der ungarische König Béla IV. die Ansiedlung deutscher Kolonisten, die angelockt von den Bodenschätzen der Region, überwiegend aus Sachsen anreisten. Schon bald erholte sich die Stadt von dem Tatarenüberfall und wurde 1255 zur freien königlichen Bergstadt erklärt. Mit dem Bergbau wuchsen auch das Ansehen und der Wohlstand Banská Bystricas. Die Unmengen an Kupfer, die in den scheinbar unerschöpfbaren Minen der Region abgebaut wurden, gaben Banská Bystrica lange Zeit den Beinamen "Kupferstadt".

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt im 15. Jh. mit dem Zusammenschluss der Krakauer Familie Thurzo mit den Augsburger Fuggern. Diese gründeten im Jahre 1475 die Thurzo-Fugger-Abbaugesellschaft als erstes kapitalistisches Unternehmen Europas. Zu Beginn des 16. Jh. arbeiteten über 1000 Bergleute in der Region, Banská Bystrica lieferte seine Erze weit über die Grenzen Europas hinaus bis nach Indien und China. In den folgenden Jahrzehnten kam es jedoch allmählich zu einer Wende, die selbst der mächtige Jakob Fugger (genannt "der Reiche") und seine Nachfahren als Alleinbesitzer der Gesellschaft nicht aufhalten konnten. Ein Generalstreik der Bergbauern (1525-1526), die Verbreitung des deutschen Reformgedankens und schließlich die wachsende Konkurrenz schwächten die europaweite Monopolstellung der Region zunehmend. Zu allem Überfluss setzten die Truppen des Fürsten von Siebenbürgen Stephan Bocskai im Jahre 1605 die Stadt in Brand. 15 Jahre später krönten Aufständige Gábor Bethlen, den Anführer eines antihabsburgerischen Aufstandes und Fürst von Siebenbürgen, zu "ihren" König von Ungarn.

All diesen Unruhen zum Trotz konnte sich Banská Bystrica über all die Jahre hinweg als eine Hochburg der Wissenschaft, Kunst und Religion halten. Ende des 18. Jh. wurde die Stadt Sitz der katholischen Bischöfe. Über 520 Handwerker lösten den Bergbau in dieser Zeit ab. Zahlreiche Manufakturen sorgten für einen erneuten Aufschwung, viele pensionierte Offiziere der österreichisch-ungarischen Armee verbrachten hier ihren Ruhestand und spülten Geld in die Kassen der Stadt. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges war Banská Bystrica Zentrum des Slowakischen Nationalaufstandes gegen Adolf Hitler und Jozef Tiso. 1944 von den Nazis besetzt, konnte die Stadt am 26. März des Jahres 1945 von der Roten Armee befreit werden.

Heute ist Banská Bystrica für viele längst zur heimlichen Sommerhauptstadt der Slowakei avanciert. Seit 1992 Universitätsstadt mit acht Lehrstühlen, zieht die Ortschaft auch immer mehr junge Leute an. Nicht zuletzt ist die kleine Metropole auch für den Tourismus überaus interessant: die Umgebung bietet Natur pur, niedere Fatra und hohe Tatra sind gut zu erreichen, und auch zum slowakischen Erzgebirge ist es nicht weit. Kulturinteressierte kommen ebenfalls auf ihre Kosten, für die Besichtigung der Altstadt sollte man sich unbedingt einen Tag Zeit nehmen. Fast schon ein Muss ist der Besuch der ca. 35 km entfernten Bergbaustadt Banská Štiavnica (Schemnitz), die im Jahre 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurde.


PAGERANK SEO