Kežmarok - das Tor zur Tatra
Kežmarok (deutsch: Käsmark) - das 17.000-Seelenstädtchen
gehört zu den authentischsten der Zips, ja sogar der gesamten Slowakei.
Über seinen Namen (oder besser: seine zahlreichen Namen) wurde schon
viel spekuliert. Während die einen meinen, ein Käsemarkt stecke dahinter,
schwören andere darauf, dass einst die Habsburger den Namen Kas (= Gletscher)
aus Österreich importierten. Der Schönheit der Region und der mittelalterlichen
Stadt, dessen Kern seit 1950 denkmalgeschützt ist, tut dies keinen Abbruch.
Wen wundert es, dass von hier aus die ersten Touristen in Richtung Tatra
aufgebrochen sein sollen. Und auch heute noch bietet Kežmarok, das über
die Hauptstraße 67 über Poprad (ca 15 km) gut erreichbar ist, einen
idealen Ausgangspunkt für Expeditionen in das nahegelegene Gebirge:
in weniger als einer halben Stunde ist man in Tatranská Lomnica und
somit Mitten in der Hohen Tatra.
Eine bewegte Geschichte und viele ebenso bewegte Geschichten hat Kežmarok
vorzuweisen. Gegen Ende des 12 Jh. existierten hier bereits drei slawische
Siedlungen, die sich um 1250 gemeinsam mit deutschen Ankömmlingen zu
einer Gemeinde zusammenschlossen. Deutsche blieben auch bis zum Ende
des zweiten Weltkrieges in der Überzahl. Im Jahre 1269 erhielt Kežmarok
Stadtrechte. Es war der Beginn einer florierenden Epoche, zahlreiche
Handwerksgilden bildeten sich in der Ortschaft, vom Tuchmacher zum Goldschmied,
vom Bäcker zum Steinmetz: sie alle waren hier vertreten. 1380 folgte
schließlich die Erhebung zur königlichen Freistadt. Als König Sigismund
von Ungarn (1368-1437) im Jahre 1412 auf die glorreiche Idee kam, 13
Zipser Städte an Polen zu verpfänden, um dadurch seinen Kriegszug gegen
Venedig besser finanzieren zu können, waren Kežmarok und das nahe Levoča
(Leutschau) von diesem Los nicht betroffen.
In insgesamt 13 Kriege und blutige Auseinandersetzungen war Kežmarok
im Laufe seiner bewegten Geschichte verwickelt. Über ein Jahrhundert
währte die Zwist mit dem benachbarten Levoča um das sog. Stapelrecht.
Diese auch Lagerrecht genannte Regelung verpflichtete Kaufleute bei
der Durchreise ihre Waren im Ort vorzuweisen und auch zum Kauf anzubieten.
15 Tage mussten die Händler in der Stadt verweilen, ehe ihnen das Weiterziehen
erlaubt wurde. Dieses Vorkaufsrecht war für einen ertragreichen Handel
mit Ungarn und Polen unabdingbar. Im Jahre 1558 konnten die Einwohner
Levočas diesen Streit schließlich für sich gewinnen, ein herber Schlag
für Kežmarok. Einige Jahre später entfaltete sich auch ein blutiger
Konflikt zwischen den Burgherren und den eigenen Bürgern. Erst 1720,
gut 250 Jahre nach Beginn der Fehden, fand das Gerangel ein Ende, als
wohlhabende Bürger der Stadt sich zusammenschlossen und die Burg kurzerhand
kauften. Als zur Mitte des 19. Jh. Kežmarok beim Bau der Eisenbahnlinie
von Žilina (Sillein) nach Košice (Kaschau) nicht bedacht wurde, geriet
Kežmarok ins sprichwörtliche Abseits. Erst das (zögernde) Aufkommen
von Tourismus beleben diesen wunderbaren Fleck in der Zips allmählich
wieder.
Zipser Burg, hohe und weiße Tatra, eine traumhafte Kulisse, zahlreiche
alpine Aktivitäten, all das spricht für einen Besuch der kleinen Stadt.
Ganz gleich, ob der Besucher auf Erholung, auf Wandern oder auf Städtetour
aus ist: Kežmarok sollte er auf seiner Reise nicht auslassen !