Komárno - die Uneinnehmbare
Komárno (deutsch: Komorn; ungarisch: Komárom) - rund
40.000 Einwohner zählt Komárno, die Stadt am Zusammenfluss von Donau
und Waag, die zum Teil auch auf ungarischem Boden liegt. Gut zwei Drittel
ihrer Einwohner gehören der ungarischen Minderheit an, mit Rund 600.000
Menschen die größte der Slowakei. Das friedliche Zusammenleben von Ungarn
und Slowaken hat in Komárno Tradition, selbst antiungarische propagandaähnliche
Sticheleien der extrem nationalorientierten Regierung unter Vladimír
Mečiar (1994 bis 1998) konnten daran gottlob nichts ändern. Stumpfe
abgedroschene Stammtischparolen hört man ohnehin zumeist nur im Norden
der Slowakei, von Dummköpfen, die mittels Ferndiagnosen über das Nachbarland
zu urteilen wissen. Im Jahre 2003 konnte auf slowakischem Boden gar
eine ungarische Universität (die J.-Selye-Universität) gegründet werden.
Wie einige archäologische Funde belegen, war die Region um das heutige
Komárno bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum, in Mitteleuropa um
5500 bis 4500 v.Chr.) besiedelt. Im 2 Jahrhundert erbauten die Römer
als erste eine Festung, die jedoch keine 200 Jahre später von awarischen
Reitern erobert und zerstört werden konnte. Als Stadtgründer Komárnos
wird der legendäre ungarische Stammesführer Ketel gefeiert, der gegen
Ende des 9. Jahrhunderts die Region besiedelte. Gemeinsam mit seinem
Sohn Alaptolma soll er eine erste befestigte Anlage erbaut haben. Bereits
zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit einigen Vorrechten bedacht, versah
der ungarische König Belá IV. im Jahre 1265 Komárno mit Stadtrechten,
womit weitere umfangreiche Privilegien gesichert waren. Seinen größten
wirtschaftlichen und baulichen Aufschwung jedoch genoss Komárno unter
König Matthias I. Corvinius (ungarisch: Hunyadi Mátyás).
In den folgenden Jahren wurden Burg und Stadt eher geschmückt als befestigt,
auch das Treiben der Osmanen, die im frühen 16. Jahrhundert angerückt
waren, war bestenfalls "Gesprächsstoff". Aus seiner Lethargie
wurde Komárno erst im Jahre 1526 nach der verheerenden Niederlage der
Ungarn gegen die Osmanen bei Mohác gerüttelt. Die Gallier hatten ihr
Alesia, die Franzosen sollten noch ihr Waterloo bekommen, und die Ungarn
hatten einstweilen Mohác. Man reagierte prompt: der frisch zum König
gewählte Ferdinad I. (1503-1564) ließ die Anlage gründlich erweitern.
Halbe Arbeit kann man ihm nicht vorwerfen, als im Jahre 1592 die Osmanen
mit 100.000 Mann anrückten, scheiterten diese kläglich an den Mauern
des gigantischen Bollwerks. Hatten die erfolgsverwöhnten Türken links
und rechts entlang der Donau so ziemlich alles nahezu spielend eingenommen,
bissen sie sich an Komárno die Zähne aus. Komárno wurde zum "Gibraltar
an der Donau". Daran konnte auch ein Großbrand, der weite Teile
der Festung zerstörte, nichts ändern.
König Leopold I. (1640-1705) ließ ab 1663 eine weitere noch mächtigere
Festung errichten. 1745 zur freien Königsstadt erhoben, avancierte Komárno
zur fünftgrößten Stadt Ungarns. Was jedoch weder Feuer noch Osmanen
vermochten, gelang zum Ende des 18. Jahrhunderst einer Reihe von Erdbeben.
Die Stadt versank kurzzeitig in der Bedeutungslosigkeit, fast die gesamte
Armee wurde abgezogen, mit ihr ein wichtiges wirtschaftliches Fundament.
Den Zustand nicht angegriffen zu werden musste Komárno jedoch nicht
allzu lange bedauern. Schon bald rückte Napoleon I. mit seinen Truppen
an. Die Festung wurde, wo nötig, zusammengeflickt und wiedereinmal erweitert.
Um die Stadt wurde ein mächtiger, 6 km langer Verteidigungsring (die
sog. Palatiner-Linie) erbaut. Über 200.000 Soldaten konnten in der gewaltigen
Kaserne stationiert werden. Selbst einer Belagerung der kaiserlichen
Armee konnte die Festung unter General Klapka in den Revolutionsjahren
(1848/1849) scheinbar mühelos standhalten.
Nachdem zum Ende des 19. Jahrhunderts irgendwie niemand mehr die Stadt
belagern oder angreifen wollte, war Komárno der Nährboden für weiteren
Aufschwung entzogen. Die Stadt war mit einem Schlag bedeutungslos, selbst
die Anbindung an die Eisenbahnlinie konnte keine nennenswerte Erholung
bringen. Und noch immer steckt Komárno in einer tiefen Krise: durch
Misswirtschaft musste die größte Werft des Landes, die "Slowakische
Werft Komárno", von ihren rund 5500 Angestellten rund ein Viertel
entlassen. Dies hatte naturgemäß auch schwere wirtschaftliche Folgen
für die Stadt und die Region. Heute bemüht man sich Touristen aus dem
In- und Ausland nach Komárno zu locken. Neben dem beeindruckenden Festungssystem
hat Komárno seit der Jahrtausendwende noch eine weitere Attraktion zu
bieten: anstelle des zu Zeiten des eisernen Vorhangs fast restlos verkommenen
historischen mittelalterlichen Kerns wurde von kunstfertigen Architekten
der Europaplatz (Nádvorie Európy) errichtet . Jedes der 47 Häuser wurde
im architektonischen Stil eines anderen europäischen Landes erbaut.
