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Kremnica, "die goldene Stadt"

Kremnica (deutsch: Kremnitz) - das kleine 7000-Seelenstädtchen liegt einsam im Tal des Rudnicas, 550 Meter über dem Meeresspiegel, nur etwa 15 km (Luftlinie) westlich von Banská Bystrica. Von Banská Bystrica folgt man zunächst der Beschilderung nach Nitra bis zur Hauptstraße 50 (Europastraße E77). Nach etwa 18 km zweigt man in nördliche Richtung (rechts) in die Hauptstraße 11/65 in Richtung Žilina und erreicht nach etwa weiteren 15 km Kremnica. Auf den ersten Blick mag es dem Besucher schwer fallen zu glauben, dass dieses verschlafene Örtchen einst zu den mächtigsten und reichsten Oberungarns zählte. Kremnica genoss zu seinen Glanzzeiten einen derartigen Einfluss, dass seinen Delegierten bei ungarischen Nationalversammlungen stets Ehrenplätze in unmittelbarer Nähe der Regenten zugesichert wurden. Erst ein Besuch des geschlossenen mittelalterlichen Zentrums, das nur durch ein doppeltes Stadttor zu erreichen und vom Verkehr vollständig abgeriegelt ist, lässt Rückschlüsse über den einstigen Ruhm zu.

Bereits im 8. Jahrhundert trafen die ersten Glücksritter in der Region ein und gründeten erste kleinere Siedlungen. Die Legenden weichen geringfügig voneinander ab, erzählen uns aber stets die gleiche Geschichte. Mal war es ein einsamer Jäger, mal ein Streuner, mal kein Geringerer, als König Karl Robert von Anjou (der erst vier Jahrhunderte später das Licht der Welt erblicken sollte), der mal im Kropf eines Rebhuhns ein anderes Mal im Magen eines Fasans ein Korn aus purem Gold gefunden haben soll und somit den Siedlern den Weg zeigte. Wie dem auch sei, sie wurden fündig. So fündig, dass der bereits erwähnte (und mittlerweile geborene) König Karl Robert von Anjou die größte der Siedlungen Cremnychbana im Jahre 1328 zur freien Königsstadt Kremnica aufwertete und gleichzeitig eine Münzanstalt gründete. Seitdem ist diese ununterbrochen im Betrieb, mehr als 400.000 der berühmten Kremnitzer Dukaten wurden hier geprägt.

Im 14. und 15. Jahrhundert zählten die Gruben Kremnicas zu den ergiebigsten Mitteleuropas. 400kg Gold wurden jährlich gefördert. Der konstate Gehalt von 23 Karat machte das edle Metal in ganz Europa begehrt. Bis ins Jahr 1587 hatte die Bergkammer in Kremnica ihren Sitz, bis dieser schließlich ins benachbarte Banská Štiavnica (deutsch Schemnitz) verlegt wurde. In Kremnica wurde auch das berühmte (zum Teil immer noch geltende) Bergrecht in deutscher und lateinischer Sprache verfasst. Auch Silber wurde in rauen und reinen Mengen gefördert. Noch bis ins 18. Jahrhundert bezogen die Habsburger rund die Hälfte ihres Bedarfs aus den Mienen der Region. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ging es jedoch allmählich bergab. Die Vorkommnisse ließen nach, viele Bürger suchten in anderen Gegenden ihr Glück. Vor allem die, die über das entsprechende kwow-how verfügten, zog es in die Ferne.

Der unermessliche Reichtum der Stadt hatte sich zwischenzeitlich auch bis zu den Osmanen herumgesprochen, welche jedoch niemals einen ernstzunehmenden Versuch unternommen hatten, Kremnica zu erobern. Ein Großbrand im Jahre 1560 setzte der Stadt ebenfalls schwer zu. Der Pest zu Beginn des 18. Jahrhunderts folgte schließlich ein weiterer verheerender Brand im Jahre 1777. Kremnica ging allmählich die Luft aus. Obgleich noch ein paar kleinere Gruben bis ins Jahre 1970 weiter in Betrieb blieben, geriet Kremnica mehr und mehr ins sprichwörtliche Abseits.

Heute ist es ruhig geworden um Kremnica, das Städtchen, das im Laufe der Jahrhunderte über 46 Tonnen Gold abgebaut hat. Steht man am zentralen Platz (Štefánikovo námestie), will man sich vielleicht fragen, ob die Stadtverwaltung eine Ausgangssperre verhängt hat. Lassen Sie sich anstecken, nehmen Sie sich Zeit ! Kremnica hat es verdient. Genießen Sie den Ausblick von der Stadtburg, schlendern Sie durch die Innenstad, in welcher große Teile nach dem 2. Weltkrieg durch einen Brand zerstört wurden. Den Architekten gelang es jedoch in mühevoller Arbeit sämtliche Häuser und Denkmäler nach den Originalplänen der alten Baumeister wieder nachzubauen. Eine kleine architektonische Meisterleistung.