Levoča - die Königin der Zips
Levoča (deutsch: Leutschau) - gerade einmal etwa 14.000
Seelen wohnen heute in Levoča, der kleinen Perle in der Zips, die auch
gerne als ihre Königin bezeichnet wird. Über die Jahrhunderte hinweg
konnte Levoča ihr mittelalterliches Stadtbild bewahren, gelegentlich
wird die kleine Ortschaft sogar mit Rothenburg ob der Tauber verglichen.
Die Kulturdenkmäler der Stadt, die Nähe zum Nationalpark Slowakisches
Paradies (Slovenský Raj) und zur Hohen Tatra machten Levoča in
den letzten Jahren mehr und mehr zu einem (noch) kleinen aber überdurchschnittlich
attraktiven Touristenzentrum. Zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten und andere
Freizeitaktivitäten werden dem Besucher geboten. So mancher soll beim
Anblick des größten Flügelaltars der Welt (18,67m hoch) in der Kathedrale
des hl. Jakob (Chrám sv. Jakuba), den kein minderer als der slowakische
Bildhauer Meister Paul von Leutschau errichtet hat, ehrfürchtig geworden
sein. Vom etwa 20 km westlich gelegenen Poprad
ist Levoča einfach über die Hauptstraße 18 zu erreichen.
Seit wann genau die Region um Levoča besiedelt ist, lässt sich heute
nicht mit Sicherheit nachvollziehen. Bekannt ist jedoch, dass Levoča
im Jahre 1241 von den Mongolen verwüstet wurde. Überwiegend aus Sachsen
angereiste Siedler bauten die Stadt wieder auf. Bereits 1271 wurde Levoča
mit Stadtrechten bedacht. 20 Jahre später wurde die aufstrebende Ortschaft
Hauptstadt der Region und mit zahlreichen Privilegien versehen. Zu dieser
Zeit verwaltete sie über 20 Städte in der Zips. 1321 erhielt Levoča
das sog. Stapelrecht. Das Stapelrecht verpflichtete Kaufleute auf ihrer
Durchreise mindestens 15 Tage Halt zu machen und ihre Waren zum Kauf
anzubieten. Dieses Privileg versuchte das benachbarte Kežmarok
den Einwohnern Levočas immer wieder streitig zu machen. Über 250 Jahre
hinweg kam es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen
den Nachbarn. Genauso, wie die Rivalin wurde aber Levočaim Jahre 1412
nicht an Polen verpfändet.
In folgenden Jahrhunderten konnte sich Levoča bald als wichtigstes
Handelszentrum Ungarns behaupten, auch wenn viele wichtige Geschäftspartner
sich mehr und mehr um Handelsbeziehungen mit dem neuentdeckten Amerika
kümmerten. Als die Lehren des Reformators Martin Luther (1483-1546)
Levoča erreichten, bedurfte es keiner großartigen Überzeugungsarbeit
an den weltoffenen Bürgern: 1544 konvertierte die deutsche Bevölkerung
der Stadt (samt Pfarrer) zum Protestantismus. Im Jahre 1550 verwüstete
ein Großbrand weite Teile der Stadt. Schon fast traditionell erwiesen
sich ihre Einwohner jedoch als "Stehaufmännchen" und leiteten
einen regelrechten Bauboom ein. Die meisten großartigen Bauten im Stile
der Renaissance stammen aus dieser Zeit. Im Jahre 1600 viel rund die
Hälfte der Einwohner Levoča der Pest zum Opfer.
Zwar war Levoča noch in den folgenden beiden Jahrhunderten ein wichtiges
Handelszentrum, es verlor aber langsam und stetig an Bedeutung. Als
im Jahre 1871 beim Bau der Eisenbahnlinie von Žilina (Sillein) nach
Košice (Kaschau) um Levoča ein weiter Bogen gemacht wurde, fiel Levoča
in einen Dornröschenschlaf, obgleich es bis 1923 noch administratives
Zentrum der Zips blieb.