Nitra - Mutter der slowakischen Städte
Nitra (deutsch: Neutra) - mit etwa 87 000 Einwohnern
ist das am gleichnamigen Fluss gelegene Nitra die viertgrößte Stadt
der Slowakei. Inmitten von Weinbergen, Obstgärten und leuchtenden Getreidefeldern
schmiegt sich die Ortschaft an den sagenumworbenen Zobor, mit gerade
einmal 588 m der höchste Berg des Tribeč-Gebirges. Von Trnava
kommend erreichen wir Nitra, das gerne als die "Wiege der slowakischen
Kultur" bezeichnet wird, über die Europastraße E571 nach etwa 50
km. Nitra wird auch häufig als die "Mutter der slowakischen Städte"
bezeichnet und trägt im Slowakischen daher auch den weiblichen Artikel.
Bereits vor der Jahrtausendwende war die Region auf Grund des angenehmen
Klimas und der strategisch ausgezeichneten Lage von den Kelten besiedelt.
Aber auch andere Stämme, deren Namen wir für gewöhnlich nur aus dem
Kreuzworträtsel kennen, ließen sich in der Region nieder. Awaren, Thraken,
Quaden und Sythen waren an dieser Stelle des Waagtals bereits anzutreffen,
noch bevor gegen Ende des 5. Jh. die ersten Slawen eintrafen.
Urkundlich erwähnt wird Nitra erstmalig zu Beginn des 9. Jahrhunderts.
Pribina gründete hier sein Fürstentum und ließ kurz darauf, im Jahre
828 die erste Kirche auf slowakischem Boden errichten. Auch während
der Herrschaft der Großmähren (833 - 907) konnte sich das junge Fürstentum
stets eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. Die beiden Mönche Kyrill
und Methodius ließen sich ebenfalls um 870 eine Zeitlang in der Region
nieder und brachten dem Volk durch ihre Übersetzungen ins Slawische
den christlichen Glauben näher. Im Jahre 880 wurde Nitra zum Bischofssitz
und somit zu einem wichtigen politischen und kulturellen Zentrum der
Region. Auch die Eingliederung ins ungarische Reich im Jahre 1108 tat
dem Glanz der Stadt keinen Abbruch. Im Gegenteil: als der ungarische
König Belá IV. 1248 Nitra die Rechte einer freien Königsstadt zusicherte,
führte dies zu einem erneuten Aufschwung. Gegen Ende des 13. Jh. erlebte
Nitra ihre Blütezeit. Juden, Deutsche, Serben, Ungarn und Slowaken lebten
zu dieser Zeit in Nitra miteinander.
Kaum 200 Jahre später hatte die Erfolgsgeschichte Nitras jedoch ihren
Zenit erreicht und auch schon langsam aber unaufhaltsam überschritten.
Immer wieder geriet die Stadt zwischen die Fronten der kaiserlichen
Truppen und antihabsburgerischen Rebellen. Osmanenüberfälle im 16. und
17 Jh. kamen zu allem Überfluss dazu. Traurige Geschichte schrieb die
Stadt im Verlauf des zweiten Weltkrieges: als eine der ersten Städte
war Nitra "Judenfrei", wie viele Juden deportiert und ermordet
wurden, lässt sich heute nur noch schätzen. Ihre Stadtviertel (insbesondere
Pávoce) findet man heute nur noch auf Gemälden oder auf äußerst raren,
vergilbten Fotografien. Im März 1945 wurde Nitra von den Sowjets bombardiert.
Mehr als 1000 Einwohner, meist Zivilisten, starben bei den Angriffen.
Wer sich durch das nicht sonderlich einladende Einzugsgebiet Nitras
durchgeschlagen hat, wer Plattenbauten und schlechtausgebaute Straßen
passiert hat, wird an Nitra gefallen finden. Von der Oberstadt (Horné
Mesto) genießt man einen malerischen Ausblick und eine ruhige Atmosphäre,
vollkommen frei von dem Trubel der Unterstadt. Hier wiederum mag man
Gefallen an dem emsigen Treiben der Stadt finden. Modebewusste Besucher
werden von den zahlreichen Boutiquen der Stadt begeistert sein. Überwiegend
polnische und slowakische Markenwaren, die sich längst über die Grenzen
des Landes einen Namen gemacht haben, werden hier angeboten. Und selbstbewusstes
Auftreten haben die Einwohner Nitras auch schon mal geübt: für das Jahr
2013 haben sie sich um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt"
beworben. Viel Glück !