Piešťany (Pischtyan)
Piešťany (deutsch Pischtyan) - ein Mann, der seine
Krücke zerbricht ist seit 1933 das Wahrzeichen des kleinen aber bedeutendsten
Kurorts der Slowakei. Ludwig van Beethoven, Kaiserin Elisabeth ("Sisi")
von Österreich, Kaiser Wilhelm II., Hollywoodstar Lilian Gish oder die
Nobelpreisträgerin Selma
Lagerlöf sind nur einige Prominente, die sich von dem mineralstoffreichen
Wasser (1500mg/l) der insgesamt zehn Quellen Linderung ihrer Leiden
erhofften. Mit etwa 67° C entspringt das leicht radioaktive und schwefelhaltige
Wasser etwa 85 km nordöstlich von Bratislava
seinen Quellen. Jährlich zieht Piešťany mittlerweile gut 40.000 Gäste
an, davon mehr als die Hälfte Ausländer, vorwiegend aus Deutschland
und Österreich. Besonders Patienten mit Gelenkbeschwerden sind von Piešťany
begeistert. Waren es noch vor wenigen Jahren überdurchschnittlich viele
ältere Besucher, bemüht man sich durch speziell an sie angepasste Programme
in neuerer Zeit auch um ein jüngeres Publikum.
Die Geschichte der Heilquellen reicht bis in die römische Zeit zurück.
Vor mehr als 2000 Jahren badeten hier bereits die Soldaten der Legio
Romana. Im Jahre 1549 werden die Quellen in dem Bericht "Abhandlung
über die wirksamen Wasser Ungarns" von Juras Wernher hervorgehoben.
Erstmalig ordnete Papst Pius V. (1566-1572) eine Untersuchung der Quellen
an. Pfarrer Adam Trajan studierte im Jahre 1642 eingehend die Wirkung
und Zusammensetzung des Wassers. Ihm zu Ehren trägt die Hauptquelle
in Piešťany heute seinen Namen. Zu Beginn des 18. Jh. ließ Graf Erdödy
die ersten Holzhütten und Wannen erbauen und machte den Kurbetrieb einer
breiten Öffentlichkeit zugänglich. In den folgenden Jahren wurde die
Anstalt immer weniger gepflegt und verwahrloste mehr und mehr. Gegen
Ende des 19. Jh. schien das Ende Piešťanys als Kurort besiegelt. Aber
es sollte anders kommen.
Im Jahre 1889 übernahm der ungarisch-jüdische Unternehmer Alexander
Winter die Anlage. Noch im gleichen Jahr nahm sein erst 19-jähriger
Sohn Ľudovít Winter an Stelle des erkrankten Vaters die Zügel in die
Hand. Systematisch erneuerte er den Kurbetrieb und warb unermüdlich
für Piešťany. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, von Jahr
zu Jahr strömten mehr Gäste in den Ort. Sie spülten nicht nur Heilwasser
um ihre erkrankten Gliedmaßen, sondern auch Geld in Winters Kassen.
Auf diesem blieb der tüchtige Geschäftsmann aber keineswegs sitzen,
vielmehr investierte er das Verdiente beharrlich in neue Projekte und
vergaß dabei auch niemals das Wohl der Bürger Piešťanys. Im Jahre 1912
entstand das prächtigste und luxuriöseste Hotel des Landes, das Thermia
Palace auf der Kurinsel (Kúpeľný ostrov). Im ersten Weltkrieg handelte
der clevere Winter frühzeitig einen Vertrag mit dem österreichischen
Kriegsminister aus, der auf Staatskosten die verletzten Soldaten nach
Piešťany zur Kur schickte. Für Furore sorgte Piešťany als im Jahre 1927
die Schauspielerin Henny Porter (1890-1960) im Rollstuhl anreiste und
diesen wenige Tage später im Ort zurückließ.
Mit dem zweiten Weltkrieg ging die Ära Winter zu Ende. 1940 wurde der
Familienbetrieb enteignet. Die Deportation blieb der Familie jedoch
zunächst auf Grund ihrer Bekanntschaft mit dem slowakischen Präsidenten
Josef Tiso erspart. Die Winters flohen nach Bratislava, wo sie die nächsten
Jahre untertauchten. Dennoch wurden sie im Jahre 1944 aufgegriffen und
in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, wo Ľudovít Winters
Tochter ermordet wurde. Ľudovít Winter, ohne den heute Piešťany nichts
als ein kleines Provinznest wäre, verstarb 1968 verarmt und von seinen
Mitmenschen vergessen. Mittlerweile vermochte man sich jedoch an den
großartigen Geschäftsmann und Stifter zu erinnern und widmete ihm sogar
eine eigene Gedenktafel, von deren Kosten sich Piešťany bald erholen
möge...
Wer vom Kuren genug hat, der kann einen Ausflug in die herrliche Region
unternehmen. Das Waagtal lädt zu wunderbaren Spaziergängen ein, zwischen
dem Inowetzgebirge (Považsky Inovec) und den kleinen Karpaten gelegen,
bietet Piešťany zahlreiche unvergessliche Ausflugsmöglichkeiten. Auch
in der kleinen Stadt ist einiges geboten. Die großzügig ausgebaute Fußgängerzone
bietet sich als Flaniermeile an. Einen Ausflug in das Kurgeschehen vergangener
Jahrhunderte bietet das balneologische Museum (Balneologické múzeum)
im ehemaligen Kursalon. Hier kann der Besucher u.a.. Krücken prominenter
Kurgäste sowie andere medizinische Gerätschaften bestaunen.