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Prešov - Hochburg kultureller und nationaler Vielfalt

Prešov (deutsch: Eperies, seltener Preschau) - eine fast zweieinhalb Meter hohe vergoldete Bronzestatue vor dem Rathaus, der "Beschützer der Stadt", soll an die Vergangenheit mahnen und den Weg in die Zukunft weisen. Am Zusammenfluss von Torysa und Sekčov liegt etwa 25 km nördlich von Košice die selbstbewusste Universitätsstadt (etwa 5000 Studenten), klein aber fein. Etwas weniger als 100.000 Einwohner leben und beleben heute in Prešov, somit ist der Ort nach Bratislava und Košice der drittgrößte der Slowakei. Das Zusammenleben unterschiedlichster Nationen, Religionen und Kulturen hat in Prešov Tradition. Deutsche, Ungarn, Slawen, Juden, Katholiken und Protestanten lebten hier über Jahrhunderte hinweg friedlich nebeneinander. Dies ist zwar für die weltoffenen Slowaken keine Rarität, in Prešov jedoch besonders hervorzuheben. Heute sorgt eine ukrainische Minderheit zusätzlich für die kulturelle Vielfalt der Stadt.

Wann genau nun die ersten Siedler Prešov erreichten verläuft sich im Dunkel der Geschichte. Urkundlich erwähnt wird Prešov erstmalig 1233 als ein Stützpunkt an einer wichtigen Handelsstraße von Ungarn nach Polen. Im Jahre 1299 erhielt Prešov die Stadtrechte, bereits 1374 wurde sie zur königlichen Freistadt. Vorwiegend deutsche Kolonisten betrieben von hier aus einen regen Handel und entsandten ihre Wahren bis weit über die Grenzen des Landes hinaus, etwa nach Riga, Reval (Tallinn) oder in das Gebiet der heutigen Niederlande. Im Jahre 1647 bekam die Stadt schließlich ihre erste protestantische Hochschule, die im darauffolgenden Jahrhundert von den Jesuiten übernommen wurde. Die Salzproduktion bescherte Prešov einen beachtlichen Reichtum, aber auch das Handwerk stand nicht nach: Mitte des 17. Jh. hatten sich 47 Handwerkszünfte gebildet, besonders hervorzuheben die Leinenproduktion und der Weinanbau.

Wie viele andere Städte, beteiligte sich auch Prešov an den antihabsburgerischen Aufständen. Für diese Beteiligung mussten viele Bürger der Stadt einen hohen Preis bezahlen, als ab 1685 Kaiser Leopold I. (1640-1705) dem aufmüpfigen Treiben ein jähes Ende bescherte. Von dem blutrünstigen Befehlshaber Antonio Caraffa angeführt, konnten die kaisertreuen Truppen die Stadt einnehmen und ein Blutbad anrichten, das als "Eperieser Blutgericht" traurigen Einzug in die Geschichte nahm. 24 hochrangige Bürger, darunter viele Adlige, wurden exekutiert, ihre Köpfe zur Abschreckung öffentlich zur Schau gestellt. Heute erinnert ein Denkmal nahe des evangelischen Kollegiums an das Ereignis.

Im Jahre 1775 fand man in einer Mine nahe der Stadt den größten Opal der Welt. Der fast 600 g schwere Edelstein ist heute im naturhistorischen Museum in Wien zu bestaunen. Gegen Ende des 18. Jh. verarmte die vom "europäischen Geschehen" abgelegene Stadt zunehmends, so dass die meisten ihrer Einwohner abwanderten. Am 16. Juni 1919 wurde vom Balkon der Rathauses die slowakische Räterepublik ausgerufen. Während des zweiten Weltkrieges wurden etwa 6000 Juden nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt die im gotischen Stil errichtete St. Nikolauskirche (Farský kostol sv. Mikuláša) aus dem 14. Jh., insbesondere ihr barocker Hauptaltar der im Jahre 1696 entstand. Ihr gegenüber ziert die Kirche der heiligen Dreifaltigkeit (Kostol sv. Trojice) im Stile der Spätrenaissance den Hauptplatz. Der nahegelegene Rákóczi Palast (Rákóczi palác) entstand Ende des 16. Jh. als Žigmund Rákóczi (1544-1608) zwei gotische Häuser zu einem Renaissancepalast umbauen ließ. Als Geheimtipp gilt eine Ausstellung in der ehemaligen Synagoge der Stadt, die Expozícia judaík. Sie bietet Aufschluss über die langjährige jüdische Kultur Prešovs.