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Trnava - das slowakische Rom

Trnava (deutsch: Tyrnau) - Was hat eine Stadt mit 70.000 Einwohnern mit Rom zu tun ? Auf den ersten Blick verwundert dieser Beiname etwas. Gut, Rom ist eine ganze Ecke größer, zählt mehr Kirchen und nach einem Kolosseum sucht man in Trnava auch vergeblich. Und auch ohne den stolzen Einwohnern der Stadt vor den Kopf zu stoßen, darf man feststellen, dass der Vergleich mit der Hauptstadt der einstigen Weltmacht etwas hochgegriffen ist. Dennoch bietet allein die Altstadt heute elf Gotteshäuser, darunter zwei Synagogen, eines prächtiger als das andere. Im 13. und 14. Jh. entstand eine Stadtmauer um den Ortskern, im Jahre 1574 der 57 Meter hohe Stadtturm. Bereits 1635 wurde eine Universität in der Stadt errichtet, die schon bald weit über die Grenzen der Region einen ausgezeichneten Ruf genoss. Nach der politischen Wende im Jahre 1989 erneuert, sorgt sie heute für einen jugendlichen Flair. Trnava liegt malerisch in das Waagtal eingebettet und ist über die Autobahn D1 schnell von Bratislava (ca. 45 km) aus zu erreichen.

Die Geschichte Trnavas reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Nachdem Trnava im Jahre 1211 erstmalig urkundlich erwähnt wurde, erhielt die Stadt bereits im Jahre 1238 als erste auf dem heutigen Gebiet der Slowakei von König Béla IV. (1235-1270) die Privilegien einer freien Königsstadt. Ihre Glanzzeit erfuhr Trnava ab der Mitte des 16. Jahrhunderts. Als man 1541 aufgrund der drohenden Angriffe der Osmanen das Erzbistum Esztergom (seinerzeit Gran) nach Trnava verlegte, wurde die Stadt zum religiösen Zentrum des Landes. Im Jahre 1563 wurde das nahegelegene Bratislava zur Krönungsstadt, was für einen weiteren Aufschwung sorgte.

Kardinal Peter Pázmány (1570-1637) gründete im Jahre 1635 die Universität, die Trnava zu einem geistigen Zentrum weit über die Grenzen der Stadt hinaus machte. Neben einer eigenen Druckerei und einer der umfangreichsten Bibliotheken des Landes verfügte die Universität sogar über ein eigenes astronomisches Observatorium. Später (1667 und 1769) wurden in Trnava zwei weitere Fakultäten gegründet. Viele bedeutende Persönlichkeiten gaben Trnava gegenüber Bratislava den Vorzug und lebten in der Stadt. Der Sprachwissenschaftler Anton Bernolák (1762-1813), der Dichter Ján Hollý (1795-1849), oder der Komponist Mikuláš Schneider-Trnavský (1881-1958) sind nur einige aus einer langen Liste herrausragender Größen, die sich in Trnava niederließen.

Als 1777 die Universität wieder nach Buda verlegt wurde, wanderten viele Wissenschaftler, Dichter und Denker ab. 1820 zog auch der Erzbischof von Esztergom zurück in seine Heimat, schließlich waren die Osmanen vertrieben. Die zahlreichen Baudenkmäler der Stadt, die zurückblieben, beeindruckt seither den Besucher. Wer die Hintergründe nicht kennt, ist vielleicht auch erstaunt über die Tatsache, dass gerade hier auf einem derart engen Raum so viele Kirchen entstanden. Heute ist Trnava auch ein wichtiges industrielles Zentrum. Der Automobilkonzern Peugeot-Citroën beschäftigt vor den Toren der Stadt etwa 2400 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Trnava hat eine der geringsten Arbeitslosenquoten im ganzen Land.