Slowakei - Banská Štiavnica (Schemnitz)
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Banská Štiavnica (deutsch Schemnitz) - etwa 35 km
südlich von Banská Bystrica liegt inmitten einer atemberaubenden Landschaft
die einstige Perle des ungarischen Bergbaus. Gerade einmal 11.000 Seelen
zählt die kleine Stadt heute. Nur schwer kann man sich vorstellen, dass
diese Stadt einst die drittgrößte Ungarns war. Noch schwerer fällt es,
sich zu verinnerlichen, dass zu Beginn des 18. Jahrhunderts die K&K-Monarchen
mehr als 70% ihrer Rohstoffeinnahmen aus dieser Region bezogen. Beinamen,
wie "das slowakische Nürnberg", "die Silberne" oder
"Mineralien-Mekka" trug die Stadt im Laufe der Jahrhunderte.
Heute macht man sich daran, die Baudenkmäler aufwändig und akribisch
zu restaurieren. Zwei Schlösser, eine Burg, einige Kirchen, Museen und
ein stillgelegter Bergstollen erinnern heute an den Glanz vergangener
Tage. Vielleicht entstand ja hier das Märchen von Schneewittchen und
den sieben Zwergen...
Der Legende nach, soll ein Salamander einen Hirten zu einer Gold- und
Silberspur geleitet haben. Heute ziert der Lurch das Wappen der Stadt.
Wie archäologische Funde belegen, prägten bereits die Kelten Münzen
in dieser Region. Urkundlich erwähnt wird Banská Štiavnica erstmalig
im Jahre 1156 als "Terra Banensium" (Land der Bergleute).
Ein weiteres Schriftstück aus dem Jahre 1217 bekundet den Silberabbau
von 600 kg im Jahr. Wie auch das nahegelegene Banská Bystrica wurde
Banská Štiavnica im Jahre 1241 von den Tataren nahezu vollständig zerstört.
Nach dem Abzug der Tataren förderte der ungarische König Béla IV. die
Ansiedlung deutscher Kolonisten, ja er stellte ihre Rechte sogar über
die der Einheimischen und verbot Slawen die Zuwanderung. Mit Hilfe der
Deutschen, die überwiegend aus Sachsen und Tirol stammten, konnte sich
Banská Štiavnica aber schon sehr bald von diesem Schlag erholen. Schon
drei Jahre nach dem Überfall wurde sie zur freien königlichen Bergstadt
ernannt. Zudem billigte der König den Bürgern der Stadt Religionsfreiheit
und eine eigenständige Gerichtsbarkeit, für diese Zeit überaus ungewöhnliche
Privilegien.
Nach dem Sieg der Osmanen über das ungarische Heer bei der Schlacht
von Mohács im Jahre 1526, verließen viele reiche und einflussreiche
Bürger aus Angst um ihr Vermögen Banská Štiavnica . Der zurückgebliebene
Teil der Bevölkerung versuchte sich so gut es ging zu schützen. In dieser
Zeit wurde die Kirche zu einer Festung umgebaut (Starý zámok) und die
Ein- und Ausfahrtswege mit Stadttoren versehen. Die neue Festung (Nový
zámok) entstand in den Jahren 1564 bis 1571. Dem fortlaufenden wirtschaftlichen
Aufschwung taten diese Ereignisse jedoch keinen Abbruch. Wie ein Magnet
zog die Stadt Wissenschaftler und Gelehrte aus ganz Europa an. Zu den
prominentesten Zuwanderern zählten der Schweizer Arzt und Naturforscher
Paracelsus, sowie der Tiroler Gaspar Weindl, dem im Jahre 1627 im Oberbieberstollen
(Horná Bieberova) die erste erfolgreiche Stollensprengung und somit
die erste friedliche Verwendung des Schießpulvers gelang.
Gegen Ende des 17. Jh. begannen die Mächtigen der Stadt verschiedene
kriegslüsterne Gefolgschaften finanziell zu unterstützen. Wie auch in
heutiger Zeit, geschah es auch damals schon, dass man bei dieser Art
von Investitionen gelegentlich aufs falsche Pferd setzte. Mal unterstützte
man die Habsburger, mal die Aufständigen und am Ende war die Stadt pleite.
Ungeachtet dessen, wurde in den Bergwerken weiter abgebaut. 1732 wurde
in Banská Štiavnica eine Bergbauschule gegründet, die Maria Theresia
im Jahre 1763 zur ersten Bergbauakademie Europas aufwertete. Ihr erster
Professor war Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, der spätere Begründer
des Botanischen Gartens und der Botanikerschule in Wien. Trotzdem lagen
die glanzvollen Tage der Stadt in der Vergangenheit. Nach und nach verließen
die Bergbauer Banská Štiavnica, viele Investoren kehrten der Stadt den
Rücken. Langsam aber unaufhaltsam ging es bergab. Überschwemmungen und
eine Pestepidemie gaben der Stadt zu Beginn des 18 Jh. letztendlich
den Rest.
Geblieben sind einzigartige Baudenkmäler und Geschichten. Von Zwergen
(Permoníci) ist in den Märchen und Sagen der Region die Rede. Gute Zwerge,
böse Zwerge, hinterhältige, schlaue, hilfsbereite, eigenwillige Zwerge...
Zwerge, die den Gerechten an die Gold- und Silberminen führen, Zwerge,
die die Gierigen in das Labyrinth der Stollen locken, wo sie jämmerlich
verhungern... sie alle tauchen in den Geschichten auf. Ja vielleicht
tauchen sie sogar am Salamanderfest auf. Vielleicht ist einer der Zwerge,
die bei diesem Fest am zweiten Septemberwochenende dem Hirten und den
Bergleuten bei ihrem nächtlichen Zug durch die Stadt folgen, ein richtiger
Märchenzwerg. Wer weiß ?