In einer Zeit, da die Türkei die größte wirtschaftliche Rezession seit acht Jahren durchlebt, kann sich “Hasan-Normalverbraucher”, der jede Lira zweimal umdrehen muss, keine Einkaufsorgien leisten. Anders sieht es bei arabischen Touristen aus, deren Ölreichtum selbst die Preise exquisiter Marken lächerlich erscheinen lässt. Weil die Zahl der europäischen und russischen Touristen in den letzten Jahren drastisch abgenommen hat, kommen die Besucher aus der arabischen Welt, Zentralasiens oder dem Iran den türkischen Händlern gerade recht. Der türkischen Tageszeitung Hürriyet zu Folge stiegen im Vergleich zum Vorjahr die Besucherzahlen aus Saudi Arabien um satte 226 %. Zahlenmäßig gewaltig zulegen konnten aber auch Shoppingtouristen aus Kuwait (198 %) und dem Iran (88 %). Auch aus Zentralasien wurden erstaunliche Zuwachsraten verbucht.
Das Geschäft rechnet sich: während ein Europäer pro Kopf in seinem Urlaub gerade einmal 600 US$ ausgibt (Russen geringfügig mehr), bringen es arabische Besucher in weitaus kürzerer Zeit auf satte 2000 US$ im Schnitt. Im vergangenen Jahr spülten Araber auf diese Weise über 4.5 Mrd US$ in die Kassen der Händler. Für dieses Jahr rechnet man mit einem 20%-igen Anstieg der Umsätze. Gute Aussichten, nicht nur für Juweliere, Boutiquen oder Elektronikfachgeschäfte. Vor allem die Reisebranche profitiert massiv davon und schneidet sich ihr “Stück vom großen Kuchen” ab. Zum einen achten die reichen Besucher kaum auf die Flugpreise, einige Fluggesellschaften erwägen schon, einen Teil ihrer Maschinen ausschließlich mit Sitzen erster Klasse zu bestücken. Zum anderen haben auch die Schlepper Hochkonjunktur. Kaum zu glauben, aber ausgerechnet Kunden aus dem Nahen Osten, die den Ruf der ewigen Feilscher innehaben, fragen oftmals erst garnicht nach dem Preis. “Bei der Auswahl der Waren sind unsere arabischen Kunden extrem anspruchsvoll und auch manchmal anstrengend”, berichtet ein Uhrenhändler, der ausschließlich die feinsten Schweizer Marken ausgestellt hat. “Wenn es dann aber ums Zahlen geht, legen sie die ‘Kohle’ auf den Tisch, bedanken sich gelegentlich und verschwinden”.
Am kulturellen Geschehen zeigt kaum ein Besucher Interesse. Große Reiseagenturen haben sich daher längst auf die verschiedenen Nationalitäten eingestellt. Reiseprospekte unterscheiden sich nicht mehr ausschließlich durch die Sprache. Während bei den Russen Spaß im Vordergrund steht, werden bei den Europäern die wichtigsten Kulturdenkmäler und Ausflüge, beispielsweise auf die Prinzeninseln, in die Prospekte mit aufgenommen. Ganz anders sieht es in den Prospekten aus, die speziell für die “Shopper” gedruckt werden. Hier werden fast ausschließlich die größten und exklusivsten Einkaufszentren aufgegliedert. Und auch hier wieder ein Kuriosum: “Die teuersten und edelsten Alkoholika werden von Iranern gekauft”, erzählt uns ein Händler. Araber und Iraner seien leicht zu unterscheiden: “Wenn eine iranische Frau ihr Land verlässt, nimmt sie als erstes ihr Kopftuch ab.” Der Händler grinst verschmitzt. “Alle”, fügt er hinzu.
“Ursprünglich hatten wir versucht mit Touren zu unseren kulturellen Highlights, wie z.B. der Hagia Sofia oder dem Topkapı Palast, Touristen aus Arabien zu locken”, so Cem Polatoğlu, Leiter von Baracuda Tour. Nun, da wir die Begeisterung der Araber fürs Einkaufen entdeckt haben, schneidern wir die Touren auf ihre Bedürfnisse zu. Zur Zeit organisieren wir Drei- bis Viertagesreisen. Diese sind die effizientesten”.

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