Nachrichten aus der Türkei

23. Juni 2009

Antalya: Antkart vor dem Aus

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 22:07
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Man ist an Ärgernisse schon gewöhnt in der Metropole, die Ägäis und türkische Riviera teilt: gerade erst wurde die Straßenbahnlinie, die im Eiltempo das Zentrum Antalyas mit dem 27 km nordwestlich gelegenen Busbahnhof verbinden sollte fertiggestellt. Der Bau der Trasse hatte die Bürger auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Die ohnehin schon hoffnungslos überlasteten Straßen waren über Monate hinweg eine einzige großartige Baustelle, was dem Verkehrsfluss nicht zwingend beflügelte. Pünktlich, wie versprochen wurde die Linie dann auch feierlich eingeweiht. Zwar haben jetzt viele der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt nur noch eine Fahrbahn (z.B. die Şarampol Caddesi), dafür haben die Bürger jetzt eine hochmoderne Stadtbahn. Einen kleinen Schönheitsfehler hat die Bahn jedoch: sie fährt nicht ! Schienen und Oberleitungen wiesen derartige Sicherheitsmängel auf, dass nicht einmal die türkischen Behörden (die nicht ganz so streng sind, wie der deutsche TÜV) grünes Licht für das Projekt gaben. Der Ausgang bleibt spannend, wir halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Die Antkarte vor dem Aus Während die Werbeplakate für die rund 110 Mio.-teure Stadtbahn allmählich vergilben oder mit anderen Plakaten für einen italienischen Zirkus oder Popkonzerte überklebt wurden, leuchten die für die Antkart noch in heller Farbe. Auch auf der Internetseite der Antkart, die mehr einer Lichtorgel als einer Informationsplattform ähnelt, ist von Unregelmäßigkeiten (noch ?) nichts zu lesen.

Nicht einmal ein Jahr währte die Freude an der kleinen Karte, die das Busfahren in Antalya vereinfachen sollte. Aber nicht nur Busse, Tramway (”neutürkisch” für Straßenbahn) oder Stadtbahn sollten die Karte akzeptieren. Geplant war auch, das Stück Plastik als eine Art Kreditkarte an Busbahnhöfen, Flughafen, Restaurants etc. zum Einsatz zu bringen. Die Idee war nicht schlecht: die Antkart wurde auf ein Lesegerät gelegt und das Fahrgeld wurde automatisch abgebucht. In Istanbul oder Sivas funktioniert das schon lange. Aufladen konnte man die Antkart an zahlreichen Kiosks, die von Weitem sichtbar auf diesen Service hinwiesen. Das Chaos war vorherzusehen: nach einer kurzen Schonzeit im Sommer vergangenen Jahres, wurde die Antkart von einem Tag auf den anderen Pflicht. Eine Beförderung ohne Antkart war (anfangs) nicht möglich. Am Busbahnhof herrschte die ersten Tage “Ausnahmezustand”. Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaften, die kaum englisch sprachen, versuchten Touristen, die kein Wort türkisch sprachen, die Sachlage zu erklären. Not macht jedoch erfinderisch: nach einigen Tagen kamen die Busfahrer auf die rettende Idee, sich selbst eine Antkart zuzulegen und Reisenden, die nur Bargeld hatten, das Fahrgeld von dieser abzubuchen. Meist zeigten sich die Fahrer ohnehin sehr entgegenkommend, waren es ja letztendlich sie, die kontrolliert werden sollten (was natürlich niemals jemand zugeben wird).

Wer jedoch gestern mit der Karte bezahlen wollte, bekam vom Fahrer ein mürrisches “geht nicht” zur Antwort. Wir haben Verständnis für das Murren: hunderten von Fahrgästen musste er einzeln erklären, was er selbst erst am Morgen erfahren hatte. Ein Blick auf die Monitore, die dem Reisenden während der Fahrt die Langeweile vertreiben sollten, genügt: hier hängen jetzt amtliche Blätter der Stadt Antalya mit dem Hinweis auf ein Insolvenzverfahren. Pech haben alle, die ihre Antkart erst neu aufgeladen haben: von wem, wo und ob sie ihr Geld erstattet bekommen, bleibt abzuwarten.

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