Nachrichten aus der Türkei

30. Januar 2007

1806 Ehrenmorde in den vergangenen fünf Jahren

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags: — Christoph @ 14:39
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Die Deutsch-Trkin Hatun Src wurde von ihrem eigenen Bruder ermordetEinem Bericht der Tageszeitung Turkish Daily News zufolge, ist die Anzahl der in der Türkei verübten “Ehrenmorde” weitaus höher als bisher angenommen. Allein in den letzten fünf Jahren wurden 1806 Frauen und Mädchen wegen einer Verletzung der “Familienehre” von nahen Verwandten ermordet. Weitere 5375 begingen in dem selben Zeitraum Selbstmord. Das ergibt etwa täglich eine Tote im Namen der “Ehre”.

Laut Nimet Çubukçu, türkische Staatsministerin für Frauen, Kinder und Soziales, ergeben sich diese dramatischen Zahlen aus einem Bericht des türkischen Justizministeriums. Die Zahl beinhalte auch türkische Opfer, die im Ausland leben.

Die Türkei sei jedoch fest entschlossen diese Art von Gewalt zu bekämpfen, so Çubukçu, nicht nur in Hinsicht auf einen möglichen EU-Beitritt. Çubukçu verwies auf deutliche Änderungen im Türkischen Strafrecht, die eine härtere und einfachere Bestrafung der Täter ermöglichen solle. Viele der sog. “Ehrenmorde” würden niemals vor Gericht landen. Weiterhin setzt die Ministerin auf eine bessere Aufklärung der Frauen in ihrem Land, der Bau von über 100 Frauencentren in sämtlichen Regionen der Türkei sei geplant.

Die Abgeordnete Özlem Çerçioğlu (CHP), zeigte sich schockiert über die Zahlen, die Staatsminister Nimet Çubukçu nun veröffentlichte. Çerçioğlu: “Diese Zahlen werfen ein schreckliches Licht auf uns. Ist das das Ergebnis eines sog. “Effektiven Kampf gegen Ehrenmorde” ? Dieses Ergebnis kann nicht länger hingenommen werden, es ist ganz klar, dass die Hauptverantwortung in den Händen des türkischen Staates liegt.”

29. Januar 2007

Ségolène Royal – Europa braucht eine Pause vom Wachstum

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags: — Christoph @ 14:45
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Ségolène Royal, Spitzenkandidatin der Sozialistischen Partei Frankreichs (PS) für die französische Präsidentschaftswahl 2007, äussert sich in ihrem ersten Interview für die türkische Tageszeitung Hürriyet kritisch zu einem Beitritt der Türkei in die EU.

Ségolène RoyalDer 52-Jährigen, zur Zeit Abgeordnete für Deux-Sèvres, werden gute Chancen eingeräumt, 2007 als erste Frau in das Amt des französischen Staatspräsidenten gewählt zu werden.

In dem Interview bekräftigte sie, dass es nicht nur ihr Wille, vielmehr der des Volkes sei, der sie zur Kandidatur bewegte. Der Wille des Volkes, sei für sie massgeblich, eine Nichtkandidatur käme daher für sie nicht in Betracht.Wohl sei sie sich ihrer “historische Verantwortung” bewusst.

Als grösstes Problem der Franzosen bezeichnete Royal die hohe Arbeitslosigkeit im Land, vor allem bei den Jugendlichen, sei der Anstieg der Arbeitslosen gerade zu explosionsartig.

Royal, die als Gegnerin eines möglichen Türkeibeitritts in die EU angesehen wird, sagte der Hürriyet in ihrem Interview, sie sei nicht grundsätzlich gegen einen Beitritt der Türkei. Auch hier verwies die Politikerin wieder auf den “Willen des Volkes”. Weiter sprach sich Royal für eine generelle “Pause der EU-Erweiterung” aus. “Die EU sollte erst hinter ihre Grenzen blicken, wenn alle 27 Staaten eine gute Arbeit geleistet haben.”

24. Januar 2007

Mınasparov Hrant Polorıs Hay Yenk

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Christoph @ 13:01
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Hrant Dink“Mınasparov Hrant Polorıs Hay Yenk” (deutsch: “Auf Wiedersehen Hrant, wir sind alle Armenier”) riefen sie. Über 100.000 Trauernde versammelten sich in Osman Bey, einem Zentalen Stadtviertel Istanbuls, um von dem ermordeten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink Abschied zu nehmen. Der couragierte Journalist war am vergangenenen Freitag, den 19. Januar 2007 auf offener Strasse erschossen worden. Die Menge begleitete den mit Blumen geschmückten Leichenwagen von der Redaktion der Zeitung “Agos” zu einer armenisch-orthodoxen Kirche durch die Innenstadt von Istanbul. Die zahlreichen Anhänger Dinks applaudierte, als der Sarg vorbeifuhr, Anwohner warfen Blumen aus dem Fenster. Obwohl die Familie des ermordeten bat, die Beisetzung Dinks nicht zu einer politischen Demonstration zu missbrauchen, wurde der Marsch zu einer der grössten Versammlungen in der Geschichte der Stadt und legte zeitweise den gesammten Verkehr der Stadt lahm.

Dinks Engagement für die Aussöhnung der Türken und Armenier, brachte ihm mehrfach wegen “Verunglimpfung des Türkentums” vor Gericht. Der Journalist (Jahrgang 1954) rief durch seine objektive Berichterstattung und seine Einschätzung zum Völkermord an Armeniern zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehrfach den Zorn radikaler türkischer Nationalisten hervor. Einer der Hauptverdächtigen im Mordfall Dink ist der radikale Yasin Hayal. Dieser hat gestanden, den Jugendlichen arbeitslosen Ogün Samast zum Mord an Dink angestiftet zu haben. “Orhan Pamuk, seien Sie clever”, drohte Hayal bei seiner gerichtlichen Vorführung den Literaturnobelpreisträger Pamuk, der sich ebenfalls mehrfach wegen seiner deutlichen Haltung zum Genozid an den Armeniern vor Gericht verantworten musste.

Rakel Dink, die Witwe des ermordeten wandte sich nach einer Schweigeminute mit einem Appel an die Menge, in dem sie zur Ergründung der Ursachen der Bluttat anmahnte. “Dieser Mörder war einst ein Baby, wenn wir uns nicht der Frage stellen, wie dieses Baby zum Mörder werden konnte, können wir gar nichts erreichen”. Zum Sarg ihres Mannes gewandt rief sie mit weinender Stimme: “Du hast die verlassen, die dich lieben, aber du hast dein Land nicht verlassen.”

Dink hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

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