Nachrichten aus der Türkei

18. Juli 2009

Wirte besorgt um ihre Zukunft

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Sabrina @ 14:57
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Rund 1 Mio. Angestellte türkischer Kaffeehäuser bangen um ihren Arbeitsplatz, wenn das neue flächendeckende Nichtrauchergesetz am 19. Juli in Kraft tritt. Angaben des Präsidenten der Türkischen Vereinigung von Cafés, Tee- und Kaffeehäusern (Büfeciler Federasyonu Genel Başkanı) Murat Ağaoğlu zufolge, besuchen rund 20 Mio. Kunden regelmäßig ein Kaffee- oder Teehaus. Die Kombination aus Wirtschaftskrise und Rauchverbot sei Gift für die Arbeitsplätze, so Ağaoğlu. Auch aus der Bevölkerung wird überwiegend Kritik aber auch Hohn laut. Einem Türken das Rauchen zu verbieten, käme dem Versuch gleich, ein Omelett ohne Eier zu braten.

XDerzeit sind die Wirte in heller Aufregung, weil sie befürchten, durch das Gesetzt könnte eine ohnehin schon schwer angeschlagene Branche vollkommen Pleite gehen”, beklagt sich Ağaoğlu. “Wir sind auch ohne Rauchverbot wirtschaftlich schon so weit, dass viele von uns schon nichteinmal mehr Brot auf die Tische stellen, noch vor ein paar Jahren wäre das undenkbar. Mit dem neuen Gesetzt gelangen wir alle in die ‘Armee der Arbeitslosen’. Hätte man uns in die Vorbereitungen des neuen Gesetzes mit einbezogen, hätten wir zumindest Vorschläge einbringen können. Sicherlich hätten wir gemeinsam eine bessere Lösung gefunden.” Etwa 250.000 Betriebe seien von der neuen Regelung betroffen. Die Kaffee- und Teehäuser werden überwiegend von Arbeitslosen und Rentnern besucht.

Schon bevor das Thema überhaupt zur Sprache kam, zogen schon viele Wirte Nichtraucherbereiche in betracht. Laut Ağaoğlu wäre es für die meisten Wirte ohne weiteres möglich, solche Bereiche zu schaffen. Ağaoğlu weiter: “Ist Sinn und Zweck der Neuregelung nicht der Schutz von Nichtrauchern ? Aber das neue Gesetz erlaubt uns nichteinmal separate Bereiche für Raucher einzurichten. In Spanien ist das gängige Praxis. Spanien ist ein Mitgliedsstaat der EU. Wenn die das regeln können, warum können es wir nicht ? Wirten, die ihren Kunden das Rauchen erlauben, sollen dem neuen Gesetz nach Bußgelder zwischen 560 und 5600 Lira auferlegt werden. Wer kann das bezahlen ?” gibt Ağaoğlu zu bedenken. “Das neue Gesetz bedarf zwingend einer Überarbeitung.”

Die Neuregelung des Paragraphen 4207, der den Handel und den Konsum von Tabakwaren regelt, sieht weiterhin ein Rauchverbot in behördlichen Gebäuden, Schulen, Kaufhäusern, Austragungsorten sportlicher und kultureller Veranstaltungen und sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln, einschließlich Taxis, vor. Betroffen sind sämtliche gastronomische Betriebe, auch Bars, Diskotheken und Nachtlokale. Ausnahmeregelungen, wie z.B. Raucherclubs lässt das Gesetz nicht zu.

15. Juli 2009

Franzose seit zwei Monaten in Untersuchungshaft

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 18:26
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Seit nun mehr als zwei Monaten teilt sich der Franzose Dominic Murugan in Antalya eine Gefängniszelle mit 15 weiteren Ausländern. Dem Vater von vier Kindern wird ein Verstoß gegen das “Gesetz zum Schutz von Kultur- und Naturgütern” vorgeworfen. Am 2. Mai dieses Jahres entdeckten Zollbeamte am Flughafen von Antalya einen behauenen Stein im Gepäck des Mechanikers aus Nordfrankreich. Angaben seienes Anwalts zufolge, will sein Mandant den Stein einige Tage zuvor bei einem Souvenirhändler für 20 Euro erstanden haben. Das türkische Strafgesetzbuch sieht in solchen Fällen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren vor. Das Urteil gegen den ursprünglich aus Mauretanien stammenden Murugan wird am 28. August erwartet.

Das Gefängnis von Antalya wird auch als Antalya Hilton verspottetLaut Anklageschrift handle es sich bei dem Stein um antikes Kulturgut. Dem widerspricht der Anwalt des Franzosen und fordert ein unabhängiges Gutachten. “Steine werden nicht gebacken, sie sind alle alt”, teilt man uns im Museum von Antalya mit. “Ob es sich nun tatsächlich um ein antikes, historisch wertvolles Stück handelt, ist für den Laien nur schwer zu erkennen. Selbst wir Archäologen haben hier manchmal unsere Schwierigkeiten. Oft hilft nur noch eine Untersuchung nach der Radiokarbonmethode.” Wer sich nicht sicher ist, solle sich vor dem Erwerb und vor allem vor der Ausfuhr in sein Heimatland bei den zuständigen Behörden erkundigen. In Ausnahmefällen kann sogar bei historisch bedeutsamen Gütern eine Ausfuhrgenehmigung erteilt werden. Das Kulturministerium verweist auf die zuständigen Behörden, im konkreten Falle wäre das Museum von Antalya die richtige Anlaufstelle gewesen.

In Europa wird gegen die Vorgehensweise der türkischen Justiz immer wieder Kritik laut. “Knast wegen einem Stein” sei überzogen, hört man es verlauten. Dem setzt das türkische Kulturministerium (seit 2007 unter Leitung von Ertuğrul Günay) entgegen, dass über Jahrzehnte, ja gar Jahrhunderte hinweg die Türkei förmlich geplündert wurde. Manch türkischer Archäologe ist darüber erstaunt, mit welcher Gelassenheit ausländische Museen die geraubten Kulturgüter zur Schau stellen. Nur sehr vereinzelt kehren die wertvollen Stücke in ihre Heimat zurück. Xanthos, Trysa, Pergamon sind nur einige Beispiele für antike Städte, die um ihre wertvollsten Schätze von Europäern beraubt wurden. Der Schatz von Elmalı gelang durch die Hände skrupelloser Schmuggler und über finstere Kanäle ins Ausland, vorwiegend in die USA. Dem werde man jetzt Einhalt gebieten, so das Ministerium für Kultur und Tourismus. Niemand könne behaupten, auf die strafrechtlichen Konsequenzen sei nicht ausreichend hingewiesen worden.

Es ist längst nicht das erste Mal, dass Europäer wegen einem Delikt gegen das “Gesetz zum Schutz von Kultur- und Naturgütern” hinter Gitter muss. Auch der Deutsche Stefan G. durfte im Jahre 2003 seinen geplanten Urlaub unfreiwillig verlängern. Zollbeamten hatten in seiner Tasche einen Faustgroßen Stein gefunden, den sein Sohn (damals neun Jahre alt) als Andenken mitnehmen wollte. Der damals 34-jährige hatte seinerzeit Glück im Unglück: Richter Fikri Durmaz hob den Haftbefehl gegen ihn nach vier Wochen wieder auf. Ob dem Franzosen Dominic Murugan das gleiche Glück beschert wird, bleibt abzuwarten.

Prozess um Marco W. erneut vertagt

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 18:19
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Mit Spannung war der heutige Prozesstag erwartet worden. Nachdem sich der Termin um einige Stunden verzögert hatte, folgte alsbald schon der erste Beschluss. Demnach wurde der Prozess gegen Marco W. wiedereinmal vertagt, diesmal auf den 16. September. Marcos Verteidiger Ahmet Ersoy, der bereits im Vorfeld der Verhandlung für seinen Mandanten eien Freispruch beantragt hatte, äußerte, andere Verfahren die noch heute verhandelt wurden, hätten mehr Zeit beansprucht als vorhergesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am 5. Juli in ihrem Plädoyer eine Verurteilung Marcos wegen Vergewaltigung und sexuellem Missbrauchs beantragt. Der Angeklagte Marco war selbst zum heutigen Termin nicht erschienen, die Richter hatten von einer Vorladung abgesehen.

Prozess um Marco erneut vertagtMit dem Urteil, das sich der mittlerweile 19-jährige Marco Weiss aus Uelzen erhofft hatte, wäre er endgültig vom Vorwurf der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Der zur vermeintlichen Tatzeit 17-jährige Marco Weiss war am 11. April 2007 in der Türkei verhaftet worden, nachdem die Mutter einer 13-jährigen Britin Anzeige gegen ihn erhoben hatte. Das Mädchen gab an, Marco hätte sich sexuell an ihr vergangen. Zwar räumte Marco seinerzeit ein, mit dem Mädchen, das er seinen Angaben zufolge für bereits 15 Jahre alt hielt, Kontakt gehabt zu haben. Jegliche sexuelle Handlungen oder gar eine Vergewaltigung wies er jedoch von sich. Auch ärztliche Gutachten ließen keine Rückschlüsse auf eine Vergewaltigung zu.

Marcos Inhaftierung führte zu kontroversen Diskussionen in den deutschen Medien. Während die einen das Vorgehen der Türkei unter dem Hinweis darauf, dass bei den gestellten Vorwürfen auch in Deutschland die Untersuchungshaft in Betracht käme, begrüßten, übten andere scharfe Kritik an der türkischen Justiz. Vor allem die ungewöhnlich lange Haftzeit wurde von verschiedenen Stellen bemängelt. Unnötig verzögert wurde das Verfahren immer wieder durch das passive Verhalten der Anzeigeerstatter. Erst Ende November lag das längst überfällige Protokoll der britischen Polizei über den Tathergang aus Sicht der jungen Britin vor. Am 14. Dezember 2007 hoben die türkischen Richter schließlich den Haftbefehl gegen Marco auf. Nach 247 Tagen Haft konnte Marco endlich die Heimreise nach Deutschland antreten. 2008 veröffentlichte Marco Weiss seine Erlebnisse in Antalyas Haftanstalt in seinem Buch “Meine 247 Tage im türkischen Knast”.

14. Juli 2009

Mit dem Kriegsschiff nach Marseille

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , , — Sabrina @ 15:54
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Gute 60 Jahre ist es nun her, dass der legendäre Norweger Thor Heyerdahl (1914-2002), auf seinem Floß aus Balsaholz, der legendären “Kon-Tiki”, den Pazifik überquert hat. Revolutionär waren die Ideen des Abenteurers, der als Begründer der experimentellen Archäologie gefeiert wird. Dabei werden seine grandiosen humanistischen Leistungen oftmals zu wenig beachtet. Andenindianer bauten die “Ra II” fast vollständig aus Papyrus. Eine internationale und multikulturelle Besatzung steuerte das Boot, das am 17.05.1970 vor der Küste Marokkos in See gestochen war, kaum zwei Monate später, am 12.07. sicher in den Hafen von Barbados.

Die Kybele nimmt Kurs auf MarseilleAuch türkische Archäologen haben jetzt ein Projekt realisiert, dass die Seefahrt der Antike wieder aufleben lässt. Nicht ganz so viel weltweites Aufsehen erregt die “Kybele”, ein originalgetreuer Nachbau eines zweireihigen Ruderkriegsschiffes, einer sog. Bireme, die unlängst auf historischem Wege den Hafen von Marseille erreicht hat. Die 360° Gesellschaft für historische Forschung (360 Derece Tarih Araştırmaları Derneği) ließ das 19 Meter lange und 4.5 Meter breite Kriegsschiff auf der Grundlage originaler antiker Pläne nachbauen und entsendete es von Phokaia (heute Foça, nahe Izmir) auf seine geschichtsträchtige Reise nach Marseille.

Um 600 v.Chr. war Phokaia eine der bedeutendsten ionischen Städte der anatolischen Westküste mit zahlreichen Kolonien im Mittelmeerraum, eine davon Marseille. Unter dem Motto “Izmir-Foça-Marseille, eine Reise in die Geschichte”, machte die “Kybele” am 07.06. mit Kurs auf das 1700 Seemeilen entfernte Marseille seine Leinen los. Von Kapitän Osman Erkut, dessen Vorfahren vor rund 300 Jahren selbst aus Marseille nach Anatolien ausgewandert waren, waren insgesamt 30 Archäologen, Ruderer, Steuermänner und weitere Freiwillige an Bord der “Kybele”. Nachdem das Schiff Griechenland hinter sich gelassen hatte, erreichte es einen Monat nach seiner Abreise italienische Gewässer und konnte alsbald direkten Kurs auf Marseille nehmen.

Mit der “Kybele”, möchten die Organisatoren nicht nur historisches Interesse wecken. Vielmehr verstehen die Verantwortlichen das Projekt auch als eine Art Friedensmission, die zu einem besseren Verständnis Europas zu Anatolien beitragen soll. Es soll den beiden Ländern gegenseitigen Einblick in ihre Kulturen gewähren und die traditionelle Freundschaft zwischen Frankreich und der Türkei kräftigen. Nächstes Jahr erst will die “Kybele” nach Beendigung seiner Aktivitäten im Rahmen der neunmonatigen “türkischen Saison”, bei der von Juli 2009 bis März 2010 über 400 Veranstaltungen vorgesehen sind, seine Heimreise antreten. Die Rückreise ist über die Donau geplant. Die Ruderer freuen sich: Flussabwärts, den Wind zumeist im Rücken, wird ihre Arbeit von einem 7 mal 12 Meter großem Segel übernommen. Über Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien und Bulgarien soll dann die “Kybele” schließlich das Schwarze Meer erreichen und Kurs auf Istanbul, der Kulturhauptstadt 2010 (gemeinsam mit Essen und Pécs), nehmen.

13. Juli 2009

Streit um Verbot von Alkoholwerbung

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , , — Christoph @ 15:41
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Unterstützt von der regierenden Partei AKP wurden von der Regulierungsbehörde für Tabak und Alkohol (Tütün ve Alkol Piyasası Düzenleme Kurumu, TAPDK) die Werbung für alkoholische Getränke weitgehend aus der Öffentlichkeit verbannt. Eine Maßregelung mit weitreichenden Folgen. Nicht nur Fernsehen, Kinos oder Plakateaufsteller müssen künftig auf diese Art von Werbung verzichten. Selbst die beliebten Kochsendungen, die mittlerweile nach europäischem Vorbild fester Bestandteil des täglichen Fernsehprogramms geworden sind, müssen künftig auf Alkohol zur Verfeinerung von Speisen verzichten. Aber auch Sponsoren sind von dem neuen Erlass betroffen. Efes, die größte Brauerei des Landes und Hauptsponsor diverser Fußball- und Basketballvereine dürfte in Zukunft ihren Namen nicht mehr auf die Trikots der Sportler zeigen. Ob sogar die Sonnenschirme der Brauereien aus dem öffentlichen Leben verschwinden müssen, wurde noch nicht klar dargestellt.

Kneipe im frommen SivasDie Alkoholbranche befürchtet nicht nur einen wirtschaftlichen Einschnitt, sondern gleichwohl auch einen kulturellen Imageverlust für die Türkei. Semih Maviş, Betriebsleiter der Efes-Brauerei bemängelt, die TAPDK würde anstatt “Probleme zu lösen, den Sektor beschneiden”Und er fügt hinzu: “Uns ist noch nicht klar geworden, warum in Zukunft Werbung verboten werden soll, die Fisch gemeinsam mit Rakı oder Käse gemeinsam mit Wein zeigt.

Desweiteren hat die TAPDK bestimmt, dass Alkohol nicht mit der “Kultur, Geschichte oder der Geographie” der Türkei in Zusammenhang gebracht werden dürfe. “Dies ist ein Eingriff in die Weltanschauung der einzelnen Bürger”, beklagt sich Maviş. Auch Ahmet Kutman, Chef des Weinproduzenten Doluca vertritt seine Ansicht: “Ein Bordeaux identifiziert sich mit der Region Bordeaux, ein Burgunder mit dem Burgund. 140 Mio. kg Weintrauben verarbeitet die Türkei Jahr für Jahr. Die Winzer verdienen ihren Lebensunterhalt durch den Wein, die TAPDK bedroht durch ihr Verhalten unzählige Arbeitsplätze. Knapp 80 Mio. Liter wurden alleine im letzten Jahr produziert. Somit gehören wir weltweit zu den “ganz Großen”.

Galip Yorgancıoğlu, Betriebsleiter der Mey İçki, ein türkischer Gigant im Alkoholsektor, bedauert, die TAPDK habe sich von einer Regulierungsbehörde in eine “Verbotsbehörde” entwickelt. “Die Entscheidungen der TAPDK werden dem türkichen Image in Europa schaden. Mit was sollen wir werben, wenn wir unsere kulturellen Werte und unsere geographischen Besonderheiten nicht in die Werbung miteinbeziehen dürfen ? Man stelle sich vor, ein holländischer Käse dürfe nicht mehr mit ‘Gouda’ werben. Regelmäßig denkt sich der Staat irgendwelche neuen Steuern aus, mit welchen die Alkoholproduktion verteuert und erschwert werden soll. Wie sollen wir da auf dem Weltmarkt noch konkurrieren ?” Andere Kritiker der Regierungspartei schlagen gar noch schärfere Worte an: “Das Verbot ist mit seinen weitreichenden Folgen nicht mehr, als ein weiterer Schritt der regierenden Partei auf ihrem Weg zu einem islamischen Gottesstaat nach iranischem Vorbild”.

12. Juli 2009

Der Südosten der Türkei wirbt um Touristen

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 13:41
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“An dem Tag, an dem ich in die Pension in Lausanne einzog, fragte mich die Vermieterin vor den anderen Gästen, die aus mehr als zehn verschiedenen Nationen zusammenkamen: ‘Monsieur, Sie kommen aus Istanbul, sind sie Türke oder Grieche ?’ In meinem gebrochenen Französisch antwortete ich:’Weder Türke noch Grieche’. Auf ihre Frage:’Zu welchem Volk gehören sie dann ?’ antwortete ich ‘Ich bin Kurde’. Alles Gäste am Tisch schauten mich verdutzt an, als ob sie etwas ganz sonderbares gehört hätten. Natürlich schämte ich mich. Und ich war verletzt, dass ich zu einem Volk gehörte, das niemand kannte. Glücklicherweise waren zwei Russen zugegen, die mir aus meiner Verlegenheit halfen und etwas über die Kurden und Kurdistan sagen konnten. Am nächsten Tag saß ich nach dem Frühstück im Salon. Die Pensionswirtin fragte: ‘Sie sagen, dass Sie Kurde sind. Wo ist denn ihr Land ?’ Ich öffnete die Landkarte, die dort lag, zeigte auf die Stadt Diyarbakir, über der der Name Kurdistan in großen Buchstaben geschrieben stand, und sagte:’Da komme ich her.’”

Aus einem kurdischen Tagebuch (um 1910)

Blick auf das historische ŞanlıurfaMit einer breitangelegten Offensive möchten Gemeinden im Südosten der Türkei auf ihr Kulturgut aufmerksam machen und Touristen in der Region locken. Der Region, die mit die kostbarsten Schätze des Landes birgt und ebenfalls bereits zu Beginn der menschlichen Zivilisation besiedelt war, werde zu wenig Achtung geschenkt, beklagen sich viele Reiseführer. Meistens sind es gerade mal ein paar Rucksacktouristen, die sich in den Südosten verlaufen, oftmals als “Freaks” verspottet. “Leider hat sich in den Köpfen vieler Europäer ein vollkommen falsches Bild über unser Land und unsere Leute formiert”, beklagt sich Özgür Öztürk, ein Reiseleiter aus Diyarbakır. “Die meisten von uns sind Kurden, wir sind aber keine Terroristen. Ich kenne auch niemanden hier, der mit Terroristen sympathisiert. Hier werden auch keine Menschen auf offener Straße erschossen. Bei uns ist es mindestens genauso sicher, wie in allen anderen Regionen der Türkei. Das hohe Militäraufgebot schützt uns und unsere Gäste. Sehen Sie, ich bin Kurde. Aber ich heiße mit Nachname ‘Öztürk’. Das heißt übersetzt ‘reiner Türke’. Den Namen hat mein Urgroßvater für unsere Familie gewählt.” Özgür fügt mit ernster Miene hinzu: “und die paar wenigen schwarzen Schafe, die das Militär gottlob gut im Griff hat, werden zum einen weniger und haben es zum anderen nicht auf Touristen abgesehen.Unruhen entstehen nur da, wo es den Menschen schlecht geht. Hakkari an der Grenze zum Irak war einmal ein beliebtes Bergsteigerparadies. Heute ist es die ärmste Provinz des Landes. Dankbar sind wir dafür niemanden.”

Für einen gründlichen Besuch Diyarbakırs und seiner Umgebung sollte man mindestens drei Tage einplanen. Diyarbakır war im Laufe seiner Geschichte Heimat von nicht weniger als 33 Völkern. Eine fünf kilometerlange aus örtlichem Basalt gebaute Stadtmauer umgibt das Zentrum der Stadt. Von den Römern erbaut und unter Konstantios II. (317-361) ausgebaut, wurde sie ab dem 12. Jahrhundert immer wieder verstärkt und erweitert. Bis zu 10 Meter hoch und 5 Meter breit sind die mächtigen mit zahlreichen Reliefs versehenen Mauern. Als weitere Sehenswürdigkeit ist die Ulu Camı (Große Moschee), als älteste Moschee Anatoliens einen Besuch wert. In Diyarbakır gehen der Ruf des Muezzins und das Leuten christlicher Kirchen oftmals ineinander über.

Diyarbakır eignet sich auch hervorragend als Ausgangspunkt für Erkundungen in der Umgebung und für weitere Reisen im Südosten der Türkei. Gleich in der Nähe von Ergani, etwa 60 km entfernt, stoßen Besucher bei Çayönü auf die Ursprünge menschlicher Zivilisation. Zwar halten die spärlichen Ruinen Çayönüs aus touristischer Sicht einen Vergleich mit den “ganz großen Ausgrabungsstätten” der Türkei nicht stand. Aus historischer Sicht sind sie jedoch eine Sensation. Auf das achte vorchristliche Jahrtausend datiert, könnten sie mindestens so alt sein wie Jericho, das den Ruf die älteste Stadt der Welt zu sein für sich beansprucht.

Ebenfalls gut zu erreichen sind historische Stätten, wie der Berg Nemrut (Nemrut Dağ), dessen monumentale Grabstätten seit 1987 von der UNESCO auf der Liste des Weltkulturerbes geführt werden. Rund 1600 Jahre alt ist das etwa 23 km südöstlich von Midyat gelegene syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel gelegen. Hier wird noch Aramäisch, die Sprache Jesu gesprochen, die außer im Kloster nur noch in einigen Teilen Mardins und in Maalula (Syrien) gesprochen wird. Auch das Hasan Keyf am biblischen Tigris, um dessen Erhalt sich Umweltschützer gleichsam wie Einwohner der Region bemühen, ist nicht weit. Viele Legenden haben sich um das uralte Şanlıurfa gebildet, so mancher vermutet dort sogar die Geburtsstätte Abrahams.

Dies alles sind nur ein paar wenige Beispiele für den kulturellen Reichtum Südostanatoliens, der den historisch interessierten Besucher zweifellos in seinen Bann ziehen wird. So manchen wird die Reise in die Region und zu ihren unverfälscht gastfreundlichen Bewohnern auch helfen sein Weltbild über das “wilde Kurdistan” zurecht zu rücken. Auch die Anreise ist längst nicht mehr so erschwerlich, wie sie vor Jahren noch war, hochmoderne Busse fahren mehrmals täglich von allen wichtigen Orten des Landes in den Südosten der Türkei. Diyarbakır, Gaziantep oder Malatya sind bequem und günstig mit dem Flugzeug zu erreichen.

8. Juli 2009

Supermänner mit Schönheitsfehler

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Sabrina @ 15:07
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Forscher der türkischen Gesellschaft für Andrologie haben die Ergebnisse einer Studie bekanntgegeben, die das Selbstbild mancher Türken ins Wanken bringen dürfte: rund zwei Drittel aller türkischen Männer litten dem zufolge an Erektionsstörungen. 14.5 Sexpartner wollen die Türken laut einer Umfrage des Kondomherstellers Durex im Schnitt schon gehabt haben. Bei Frauen dürfte die Quote deutlich niedriger liegen, ein statistisches Wunder.

SupermnnerDie Bekanntgabe der Studie, die offiziell als “Gesundheitscheck” lief, war sogleich Anlass für Spott, vorwiegend aus den eigenen Reihen. Die in der Türkei sehr beliebte Kolumnistin Melis Alphan stellte gleich das Sprüchlein “stark wie ein Türke” in Frage, “schlapp” sei zutreffender. Nicht alle nahmen das Resultat der zum Großteil aus Leverkusen vom Pharmakonzern Bayer finanzierten Studie so gelassen entgegen. Von einer “Ente” der Firma Pfizer (Viagra) war die Rede, andere sprachen von “heißer Luft”. Ein Regionalpolitiker wollte die Verantwortlichen der Studie gar wegen “Verunglimpfung des Türkentums” (dem “berühmten” Paragraphen 301) verklagen. Getretene Hunde bellen.

Untersucht haben die Ärzte unter der Leitung des renommierten Professor Ateş Kadioğlu (Universität Istanbul), insgesamt 66.670 Männer im Alter zwischen 15 und 82 Jahren. Unter dem Motto “wir sprechen von Mann zu Mann über Ihre Gesundheit” warben sie in 25 türkischen Provinzen, vorwiegend in Teehäusern, Kneipen oder Wettbüros. Manche der Probanden wären noch nie in ihrem Leben bei einem Arzt gewesen, berichtete Ümit Aktan, ein Sprecher des Studienprojekts. Blutdruck, Kreislauf, Diabetes waren u.a. Teil des Programms, stets wurde dabei auch die “Erektionsfähigkeit” der Freiwilligen mituntersucht. Professor Ateş Kadioğlu bezeichnete den Penis als “Barometer der männlichen Gesundheit”. Nach Sonnenschein sehe es nur in wenigen Fällen aus, so seine weiteren Ausführungen. Auf einer eigens für derartige Tests entwickelten Skala erreichten seine Probanden geradeeinmal einen Erektionshärtegrad von 17,28 Punkten. Ideal wären 22 bis 25 Punkte.

Zwei wichtige Gründe gaben die Wissenschaftler für die erschreckenden Zahlen an: zum einen die Körperliche Verfassung. Nur selten sei eine direkte Erkrankung der Geschlechtsorgane Ursache für Erektionsstörungen. “Die ganze Maschinerie muss in Ordnung sein”, so einer der Ärzte, “die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht”. Fast 90 % aller Probanden seien übergewichtig. Dann spiele selbstverständlich die Psyche noch eine maßgebende Rolle. Unverkennbar sei ein “West-Ost-Gefälle” zu beobachten. Viele seiner Landsleute hätten leider immernoch ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität, so der Sexualforscher Haydar Dümen. Das Thema werde in der Gesellschaft tabuisiert. Von “frigiden Frauen und verklemmten Männern” berichtet der Psychiater, “das kann ja nichts werden”.

Konya, die religiöse Hochburg des Landes schlecht hin, schnitt bei der Studie mit Abstand am schlechtesten ab. In einem Bericht der Basler Zeitung wurde Konya gar als “Erektiles Katastrophengebiet” bezeichnet. Anders in Izmir, der modernen Metropole an der Westküste der Türkei. Hier kam man(n) noch am glimpflichsten davon. “Das macht unsere Liebe zum Rakı”, weiß ein junger Mann breitgrinsend zu erzählen. Ein Fischer hat eine andere Erklärung: “Unsere Liebe zu gegrilltem Fisch, das ist doch klar, wie Klosbrühe.” “Alles Unsinn”, mischt sich ein Greis ins Gespräch ein, “es ist die Liebe zu unseren Frauen”.

6. Juli 2009

Treffen orthdoxer Patriarchen in Istanbul

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Christoph @ 15:19
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Der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. empfing am Samstag das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill I. zu einem dreitägigen Besuch im Istanbuler Stadtteil Fener. Beide Patriarchen bekundeten gegenseitige Solidarität. Vor seinem Treffen mit Bartholomäus I. hielt Kyrill I. einen Gottesdienst. Die Begegnung kann als historischer Schritt der beiden Kirchen auf dem Weg einer gegenseitigen Annäherung gedeutet werden. Priester begrüßten den russischen Patriarchen mit Handküssen, Kinder schenkten ihm Blumen, als er in der Georgskathedrale eintraf.

Patriarch Kyrill I. (links) und Patriarch Bartholomus I. (rechts)Ich hoffe, mein Besuch führt zu einem Neuanfang in unserem Verhältnis. Missverständnisse können nur durch Gespräche geklärt werden. Es ist Zeit aufeinander zu zukommen.” erklärte Kyrill den scharenweise eingetroffenen Reportern kurz vor seiner Begegnung mit Bartholomäus. “Unser Glaube verbindet uns, er schafft keinen Platz für Mauern”.

Beide Patriarchen sehen sich lediglich als Mitglieder einer gemeinsamen Kirche. Bartholomäus, ethnischer Grieche jedoch türkischer Staatsbürger, deutet Kyrills Besuch als eine Botschaft der Einigkeit.”Dein Besuch beim griechischen Patriarchen und der Mutterkirche erfüllt uns mit tiefer Freude und Emotionen. Mit deiner Anwesenheit überbringst du uns die Botschaft von Frieden, Brüderlichkeit und Einigkeit mit der heiligen russischen Kirche.”

Die Beziehungen der beiden Kirchen waren in der Vergangenheit angespannt, da einige Kirchen der ehemaligen Sowjetunion sich von der russisch-orthodoxen Kirche abgewandt hatten und sich mehr und mehr Bartholomäus und seiner Kirche annäherten. Ein Sprecher Bartholomäus’ berichtete, die Kirchen Estlands und der Ukraine seien Hauptthemen der geplanten Gespräche. Die Ukraine fordert schon seit längerem das Recht auf eine eigene Kirche von Russland. Eine ukrainische Kirche wird jedoch von keiner orthodoxen Kirche anerkannt.

Nach einem gemeinsamen Gottesdienst traf sich Kyrill am Sonntag mit dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan und dem Staatspräsidenten Abdullah Gül zu Gesprächen.

Kyrill, mit bürgerlichem Namen Wladimir Michailowitsch Gundjajew, ist Oberhaupt von etwa 160 Mio Gläubigen. Er gilt als reformfreudig, insbesondere bemüht er sich auch um eine Annäherung an die katholische Kirche. Von 1989 an war er Vorsitzender der Abteilung für externe Kirchenbeziehungen, bevor er im Februar dieses Jahres die Nachfolge von Alexius II. antrat, der am 5. Dezember 2008 in Peredelkino bei Moskau verstorben war.

5. Juli 2009

Behörden erschweren Ausländern den Immobilienerwerb

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Christoph @ 09:34
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Immer mehr Ausländer verzichten auf einen Immobilienerwerb in der Türkei, da ihnen die Formalitäten zu aufwändig und langwierig sind. Bürokratische Hindernisse können den Erwerb über ein halbes Jahr hinauszögern, was vielen zahlungskräftigen potentiellen Käufern zur Aufgabe ihres Ansinnens bewegt. Hindernisse, die auf lange Sicht dem türkischen Staat teuer zu stehen kommen. Sieben von zehn Immobiliengeschäften würden auf Grund der behördlichen Schikanen im nachhinein wieder storniert werden, meinen Kenner der Branche. Ganze Wohnblocks und Villen stünden in der Alanya leer, dies, obwohl es an Interessenten nicht fehle. Allein in Antalya und der gleichnamigen Provinz seien durch diesen bedauerlichen Umstand Umsätze von insgesamt 2.5 Mrd Euro nicht zustande gekommen.

Der Traum von einer Villa in der TürkeiViele Ausländer träumen von einer Villa am Meer.Erst im April des vergangenen Jahres hatte die Türkei den Verkauf von Immobilien an Ausländer gänzlich gestoppt. Grund war damals ein Urteil des türkischen Verfassungsgerichts, dass von der Regierung eine Neuregelung im Gesetz forderte und ihr eine Frist von drei Monaten gesetzt hatte. Die Regierung hatte sodann versäumt, entsprechende Schritte einzuleiten. Einige Kritiker warfen der Regierungspartei gar ein ausländerfeindliches Verhalten vor. Statistiken zufolge besitzen Ausländer, darunter etwa 10.000 Deutsche, in der Türkei rund 38 Mio. Quadratmeter Grund. Deutsche machen gut zwei Drittel der ausländischen Immobilienbesitzer aus, gefolgt von Engländern, Iren, Dänen und Niederländern.

Şeref Sağlam, Präsident der Immobilienkammer in Antalya, wünscht sich eine Verkürzung des Verfahrens auf maximal 15 Tage, wie es beispielsweise in Spanien vorgesehen ist. Ausländische Investoren seien fest entschlossen, schließlich hatte ja selbst die britische Wirtschaftszeitung Financial Times im Dezember 2008 die Region um Alanya unter ihren Top 10 der Investmetempfehlungen im Bereich Haus- und Grundbesitz. Auch Atilla Aksoy, Generaldirektor der Bauunternehmergruppe Ekşioğlu beklagt sich über den Zustand: “Nicht nur sechs Monate, manche Ausländer warten über ein Jahr auf ihre Genehmigung. Wir haben hochkarätige Investoren, die bereit sind gleich mehrere Villen auf einmal zu kaufen. Sie sehen sich die Objekte an und zeigen sich kaufwillig. Nachdem sie jedoch erfahren, dass eine Wartezeit von sechs Monaten die Regel ist, ziehen sie unverrichteter Dinge wieder ab.”

4. Juli 2009

Streit um tote Vögel am Bafasee

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags: — Christoph @ 21:08
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Eine regionale Umweltschutzgruppe macht die Abteilung für Forstwirtschaft für den Tod tausender Vögel am Bafasee verantwortlich. Feuerwehrübungen mit Löschflugzeugen hätten den Tod der Tiere verursacht. Die Förster streiten derartige Übungen über dem Terrain des Bafasees ab, während die Umweltschützer sich ihrerseits auf Zeugenaussagen Einheimischer berufen.

Der Bafasee liegt etwa 100 km nördlich von BodrumDer etwa 100 km nördlich von Bodrum gelegene Bafasee (türkisch: Bafa Gölü) ist die Heimat von über 100 Vogelarten. Auch über 250 verschiedene, teils endemische, Orchideenarten wachsen in der Region. Ein Teil des Sees liegt in der Provinz Aydın, der andere zählt zum Verwaltungsgebiet Muğlas. Die Nachrichtenagentur Doğan
will erfahren haben, dass vor zwei Wochen der Bafasee für umfangreiche Feuerwehrübungen genutzt wurde. Die Flugzeuge würden ihre mächtigen Depots im See auffüllen und anschließend tonnenweise Wasser über die Region schütten. Vogelnester würden so zerstört und vorwiegend Jungvögel getötet. Gegenüber der Nachrichten Anatolia wiesen die Verantwortlichen Förster derartige Anschuldigungen entschieden zurück.

Einheimische hatten die Vorfälle der Stiftung der Naturliebhaber zum Schutze von Ökosystemen (Eko Sistemi Koruma ve Doğa Sevenler Derneği, EKODOSD) gemeldet. Diese hat wiederum sogleich beim zuständigen Amt für Naturparks in Kuşadası Beschwerde eingelegt. In ihrem Appell riefen die Naturschützer die Behörden dazu auf, den Übungen umgehend Einhalt zu gebieten. Die Übungen wurden daraufhin in die Güllük Bucht, nahe der Hafenstadt Bodrum verlegt.

Nach ersten Besichtigungen der Region und auch der Insel Menet durch EKODOSD, beklagt diese den Tod duzender Vögel. Kein Nest sei unbeschädigt geblieben. “Während die größeren Vögel den Wassermassen entkommen konnten, waren die Jungvögel diesen schutzlos ausgeliefert”, berichtet Bahattin Sürücü, Vorsitzender der EKODOSD. “Unzählige junge Vögel wurden gegen Bäume geschleudert, viele Graureiher brachen sich beim Sturz aus ihren Nestern die Flügel.” Sürücü hob die Notwendigkeit der Feuerwehrübungen hervor. Sie seien unabdingbar im Kampf gegen Waldbrände und eine notwendige Maßnahme zum Schutze von Mensch und Umwelt. Dennoch sei der Bafasee mit seinem empfindlichen ökologischen System ein denkbar ungeeigneter Ort für derartige Manöver.

Die Verantwortlichen der Abteilung für Forstwirtschaft räumten zwar ein, gelegentlich dem See Wasser zu entnehmen, niemals jedoch hätten sie über dem See, deren Ufer oder der Insel Menet ihre Tanks entleert. Übungen seien derzeit ohnehin keine geplant. Die Berichte der Umweltschützer seien frei erfunden. Bei den Fotos der getöteten Vögel handele es sich um einige Jahre alte Archivbilder. Piloten berichteten, sie seien vom Bodrum-Milas-Flughafen lediglich zu Erkundungsflügen gestartet. Auch Flugleiter Ayhan Nevarsa wies die Vorwürfe zurück: “Derartige Vorwürfe stimmen uns traurig. Unsere Männer riskieren ihr Leben für Mensch und Umwelt. Sie mit derartigen Beschuldigungen zu konfrontieren, ist mehr als ungerecht.”

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