Nachrichten aus der Türkei

4. Juli 2009

Streit um tote Vögel am Bafasee

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags: — Christoph @ 21:08
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Eine regionale Umweltschutzgruppe macht die Abteilung für Forstwirtschaft für den Tod tausender Vögel am Bafasee verantwortlich. Feuerwehrübungen mit Löschflugzeugen hätten den Tod der Tiere verursacht. Die Förster streiten derartige Übungen über dem Terrain des Bafasees ab, während die Umweltschützer sich ihrerseits auf Zeugenaussagen Einheimischer berufen.

Der Bafasee liegt etwa 100 km nördlich von BodrumDer etwa 100 km nördlich von Bodrum gelegene Bafasee (türkisch: Bafa Gölü) ist die Heimat von über 100 Vogelarten. Auch über 250 verschiedene, teils endemische, Orchideenarten wachsen in der Region. Ein Teil des Sees liegt in der Provinz Aydın, der andere zählt zum Verwaltungsgebiet Muğlas. Die Nachrichtenagentur Doğan
will erfahren haben, dass vor zwei Wochen der Bafasee für umfangreiche Feuerwehrübungen genutzt wurde. Die Flugzeuge würden ihre mächtigen Depots im See auffüllen und anschließend tonnenweise Wasser über die Region schütten. Vogelnester würden so zerstört und vorwiegend Jungvögel getötet. Gegenüber der Nachrichten Anatolia wiesen die Verantwortlichen Förster derartige Anschuldigungen entschieden zurück.

Einheimische hatten die Vorfälle der Stiftung der Naturliebhaber zum Schutze von Ökosystemen (Eko Sistemi Koruma ve Doğa Sevenler Derneği, EKODOSD) gemeldet. Diese hat wiederum sogleich beim zuständigen Amt für Naturparks in Kuşadası Beschwerde eingelegt. In ihrem Appell riefen die Naturschützer die Behörden dazu auf, den Übungen umgehend Einhalt zu gebieten. Die Übungen wurden daraufhin in die Güllük Bucht, nahe der Hafenstadt Bodrum verlegt.

Nach ersten Besichtigungen der Region und auch der Insel Menet durch EKODOSD, beklagt diese den Tod duzender Vögel. Kein Nest sei unbeschädigt geblieben. “Während die größeren Vögel den Wassermassen entkommen konnten, waren die Jungvögel diesen schutzlos ausgeliefert”, berichtet Bahattin Sürücü, Vorsitzender der EKODOSD. “Unzählige junge Vögel wurden gegen Bäume geschleudert, viele Graureiher brachen sich beim Sturz aus ihren Nestern die Flügel.” Sürücü hob die Notwendigkeit der Feuerwehrübungen hervor. Sie seien unabdingbar im Kampf gegen Waldbrände und eine notwendige Maßnahme zum Schutze von Mensch und Umwelt. Dennoch sei der Bafasee mit seinem empfindlichen ökologischen System ein denkbar ungeeigneter Ort für derartige Manöver.

Die Verantwortlichen der Abteilung für Forstwirtschaft räumten zwar ein, gelegentlich dem See Wasser zu entnehmen, niemals jedoch hätten sie über dem See, deren Ufer oder der Insel Menet ihre Tanks entleert. Übungen seien derzeit ohnehin keine geplant. Die Berichte der Umweltschützer seien frei erfunden. Bei den Fotos der getöteten Vögel handele es sich um einige Jahre alte Archivbilder. Piloten berichteten, sie seien vom Bodrum-Milas-Flughafen lediglich zu Erkundungsflügen gestartet. Auch Flugleiter Ayhan Nevarsa wies die Vorwürfe zurück: “Derartige Vorwürfe stimmen uns traurig. Unsere Männer riskieren ihr Leben für Mensch und Umwelt. Sie mit derartigen Beschuldigungen zu konfrontieren, ist mehr als ungerecht.”

All-inclusive-Urlaub: Fluch oder Segen ?

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Christoph @ 11:43
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Viele Einheimische Fethiyes sind der Ansicht, All-inclusive-Urlaub ruiniere den Tourismus. Sie beklagen, dass Reisende, die einen Fixpreis für Flug, Hotel, Essen und Getränke bezahlen, nur sehr wenig bis garnichts für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt beitragen. Viele verließen ihre “Bunker”, wie die luxuriösen Anlagen bei der Bevölkerung gelegentlich zynisch genannt werden, erst garnicht und wenn, dann nur soweit, dass das nächste All-inclusive-Bier nicht in allzuweite Entfernung rückt.

FethiyeDie Konföderation der türkischen Handwerkskammern (Türkiye Esnaf ve Sanatkarları Konfederasyonu, TESK) unterstützt derzeit Bemühungen der Provinzhauptstadt Muğla, All-inclusive-Hotels aus der Region zu verbannen. Mehmet Soydemir, Vorsitzender der TESK in Fethiye, gab an, er werde mit Beschwerden “oder vielmehr Forderungen” förmlich überschwemmt. Er müsse jetzt handeln, bevor es zu spät sei. “Es ist leichter gesagt, als getan”, so Soydemir, “da wir nicht wissen, wo wir ansetzen sollen. Die Gewerbetreibenden Fethiyes leiden wirklich ernsthaft unter dieser Situation. Viele stehen kurz vor dem Bankrott, einige haben gar schon ihre Existenz verloren. Mit der steigenden Anzahl an All-inclusive-Touristen geht ein sinkender Umsatz für die örtlichen Geschäftsleute einher.”

Selbstverständlich sind auch hier mehrere Seiten zu betrachten. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise ist ein All-inclusive-Urlaub eine gute Gelegenheit für Touristen, die sich sonst gar keinen Urlaub leisten könnten. Eine Woche in der Sonne, alle Speisen und Getränke frei , Flug und Transfer inbegriffen, das alles für 350 Euro… Was will man mehr ? Wer individuell in Lykiens Perlen, wie beispielsweise Kaş, Kalkan, Kekova, Çıralı oder Adrasan Urlaub machen möchte, darf schon mal ein Vielfaches hinblättern und auf den Luxus der exklusiven Anlagen verzichten.

“Unter diesen niedrigen Preisen hat selbstredend auch jemand zu leiden”, so Soydemir. Oftmals bekämen die Hoteliers gerademal 7 Lira (etwa 3.30 Euro) pro Gast und Übernachtung. Damit sind häufig noch nicht einmal die Kosten gedeckt, von einem Verdienst ganz zu schweigen. Die staatlichen Subventionen haben in den letzten Jahren ebenfalls drastisch nachgelassen.

“Den Alptraum hatten wir vor zwei Wochen”, berichtet ein Hotelangestellter aus der Nähe von Fethiye. “Eine ganze ehemalige Schulklasse traf sich anlässlich ihres fünfjährigen Abschlussjubiläums in unserem Haus. Die Sauforgien begannen schon nach dem Frühstück.” Und sein Chef fügt hinzu: “Weit verbreitet ist der Irrtum, wir, als Betreiber von All-inclusive-Hotels, seien die großen Gewinner in der Geschichte. Wir ziehen lediglich ‘den Spatzen in Fethiye’ der ‘Taube in Kemer oder Alanya’ vor. Wenn das jedoch so weitergeht, werde ich bald meine Angestellten nicht mehr bezahlen können. Einen Bademeister musste ich schon entlassen. Drei Kinder hat er.Wenn er mir gelegentlich über den Weg läuft, beschimpft er mich aufs Heftigste. Ich habe Verständnis und erwidere meistens nichts”

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