Nachrichten aus der Türkei

8. Juli 2009

Supermänner mit Schönheitsfehler

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Sabrina @ 15:07
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Forscher der türkischen Gesellschaft für Andrologie haben die Ergebnisse einer Studie bekanntgegeben, die das Selbstbild mancher Türken ins Wanken bringen dürfte: rund zwei Drittel aller türkischen Männer litten dem zufolge an Erektionsstörungen. 14.5 Sexpartner wollen die Türken laut einer Umfrage des Kondomherstellers Durex im Schnitt schon gehabt haben. Bei Frauen dürfte die Quote deutlich niedriger liegen, ein statistisches Wunder.

SupermnnerDie Bekanntgabe der Studie, die offiziell als “Gesundheitscheck” lief, war sogleich Anlass für Spott, vorwiegend aus den eigenen Reihen. Die in der Türkei sehr beliebte Kolumnistin Melis Alphan stellte gleich das Sprüchlein “stark wie ein Türke” in Frage, “schlapp” sei zutreffender. Nicht alle nahmen das Resultat der zum Großteil aus Leverkusen vom Pharmakonzern Bayer finanzierten Studie so gelassen entgegen. Von einer “Ente” der Firma Pfizer (Viagra) war die Rede, andere sprachen von “heißer Luft”. Ein Regionalpolitiker wollte die Verantwortlichen der Studie gar wegen “Verunglimpfung des Türkentums” (dem “berühmten” Paragraphen 301) verklagen. Getretene Hunde bellen.

Untersucht haben die Ärzte unter der Leitung des renommierten Professor Ateş Kadioğlu (Universität Istanbul), insgesamt 66.670 Männer im Alter zwischen 15 und 82 Jahren. Unter dem Motto “wir sprechen von Mann zu Mann über Ihre Gesundheit” warben sie in 25 türkischen Provinzen, vorwiegend in Teehäusern, Kneipen oder Wettbüros. Manche der Probanden wären noch nie in ihrem Leben bei einem Arzt gewesen, berichtete Ümit Aktan, ein Sprecher des Studienprojekts. Blutdruck, Kreislauf, Diabetes waren u.a. Teil des Programms, stets wurde dabei auch die “Erektionsfähigkeit” der Freiwilligen mituntersucht. Professor Ateş Kadioğlu bezeichnete den Penis als “Barometer der männlichen Gesundheit”. Nach Sonnenschein sehe es nur in wenigen Fällen aus, so seine weiteren Ausführungen. Auf einer eigens für derartige Tests entwickelten Skala erreichten seine Probanden geradeeinmal einen Erektionshärtegrad von 17,28 Punkten. Ideal wären 22 bis 25 Punkte.

Zwei wichtige Gründe gaben die Wissenschaftler für die erschreckenden Zahlen an: zum einen die Körperliche Verfassung. Nur selten sei eine direkte Erkrankung der Geschlechtsorgane Ursache für Erektionsstörungen. “Die ganze Maschinerie muss in Ordnung sein”, so einer der Ärzte, “die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht”. Fast 90 % aller Probanden seien übergewichtig. Dann spiele selbstverständlich die Psyche noch eine maßgebende Rolle. Unverkennbar sei ein “West-Ost-Gefälle” zu beobachten. Viele seiner Landsleute hätten leider immernoch ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität, so der Sexualforscher Haydar Dümen. Das Thema werde in der Gesellschaft tabuisiert. Von “frigiden Frauen und verklemmten Männern” berichtet der Psychiater, “das kann ja nichts werden”.

Konya, die religiöse Hochburg des Landes schlecht hin, schnitt bei der Studie mit Abstand am schlechtesten ab. In einem Bericht der Basler Zeitung wurde Konya gar als “Erektiles Katastrophengebiet” bezeichnet. Anders in Izmir, der modernen Metropole an der Westküste der Türkei. Hier kam man(n) noch am glimpflichsten davon. “Das macht unsere Liebe zum Rakı”, weiß ein junger Mann breitgrinsend zu erzählen. Ein Fischer hat eine andere Erklärung: “Unsere Liebe zu gegrilltem Fisch, das ist doch klar, wie Klosbrühe.” “Alles Unsinn”, mischt sich ein Greis ins Gespräch ein, “es ist die Liebe zu unseren Frauen”.

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