Nachrichten aus der Türkei

30. Oktober 2009

Deutschtürken zu brav

Abgelegt unter: Nachrichten — Christoph @ 10:43
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Der türkische Botschafter in Berlin Ali Ahmet Acet bemängelt zuviel Integrationsbereitschaft bei seinen Landsleuten. Seiner Ansicht nach, seien die in Deutschland lebenden Türken zu brav, zu leise und zu angepasst. In einem Interview mit der türkischen Tageszeitung Sabah fordert er die Türken auf, sich gegen Deutschland zu wehren.

der türkische Botschafter in Berlin Ali Ahmet Acet“Wenn das Kind nicht weint, so wird es auch nicht gestillt”, so der türkische Botschafter. “Und unsere Türken hier weinen nicht genug.” Unmissverständlich fordert er von seinen Landsleuten mehr Geschlossenheit. Sie sollen häufiger demonstrieren und auch öfters vor Gericht ziehen. Er lobte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, in dem einem türkischen Schüler ein eigener Gebetsraum an seinem Gymnasium zugesprochen wurde. Auf die gleiche Weise sollte man Türkischunterricht an allen deutschen Schulen erstreiten.

Des Weiteren legte er allen in Deutschland lebenden Muslimen nahe, so schnell, wie möglich die deutsche Sprache zu erlernen. Im Vordergrund dieses Ansinnens stehen aber keineswegs bessere Integrationsmöglichkeiten: “nur, wer die Sprache hinreichend gut beherrscht, kann sich vor Gericht erfolgreich wehren”. Empört zeigte sich Acet über Türken, die besser deutsch als türkisch sprechen. “Diese Türken verleugnen vollständig ihre Herkunft und ihre Tradition.”

Auch bemängelte Acet, dass es nach den umstrittenen Äußerungen des Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin zu keinem Aufschrei unter den Muslimen gekommen ist. Dieser hatte im September öffentlich geäußert: “Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.” Gerade einmal neun Türken hätten vor der Bundesbank demonstriert, beklagte Acet. “Richtig empört über Sarrazins unakzeptablen Bemerkungen waren nur die Deutschen”.

29. Oktober 2009

Kolumnist soll vor Gericht

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags: — Sabrina @ 10:51
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Wieder einmal hat Serdar Turgut, der in der Türkei sehr bekannte Kolumnist der Tageszeitung Akşam, die Gemüter seiner Leser und vor allem seiner Leserinnen erregt. Frauenvereinigungen wollen Turgut nun vor Gericht sehen. In seiner Kolumne hatte er berichtet, er wolle die kurdische Sängerin Rojin entführen und zu seiner Sexsklavin machen. Die Fernsehmoderatorin, die nicht nur bei den Kurden sehr beliebt ist, hat bereits mindestens eine Klage gegen Serdar Turgut vor Gericht beantragt. In einem Interview mit der türkischen Tageszeitung Zaman erhebt sie schwere Vorwürfe gegen Turgut. Dieser würde seine Kolumne missbrauchen um sie wegen ihres Geschlechts und ihrer ethnischen Herkunft zu demütigen.

die kurdische Sängerin RojinIn einer Fernsehsendung entschuldigte sich Turgut öffentlich und bedauerte, dass sein Humor missverstanden worden sei. Nagehan Alçı, der ebenfalls für die Akşam schreibt, betonte auch, dass es sich bei Turguts Äußerungen selbstverständlich nur um “Witzeleien” handele. Er räumte jedoch ein, dass manche Bemerkungen seines Kollegen unangebracht seien.

Die türkische Frauenbewegung Med-iz erhebt massiven Protest gegen den Kolumnisten: “wir sind keineswegs humorlos und man kann durchaus auch Späße mit uns treiben. Im vorliegenden Fall sind aber die Grenzen des Humors weit überschritten worden.” Frauenrechtlerin Melek Özman, ebenfalls Mitglied der Med-iz, erklärte, Turguts Äußerungen seien derart dekadent, dass sie nicht einmal eine Reaktion verdienen. Dennoch wolle sie sich der Klage gegen Turgut anschließen, da seine Beleidigungen nicht nur die kurdische Künstlerin, sondern alle Frauen degradiere.

Dr. Kerem Altıparmak von der Universität Ankara ist ebenfalls der Auffassung, hier sei Turgut zu weit gegangen, da es sich längst nicht mehr um einen persönlichen Konflikt handle. Der Artikel könne sehr leicht als Angriff gegen eine bestimmte ethnische Gruppe (fehl ?)interpretiert werden. “Die Hauptfrage bleibt, ob der Artikel eine Entführung kurdischer Frauen rechtfertigt. In Turguts Darstellungen wird (gewollt oder nicht) allen kurdischen Frauen eine Verbindung zur verbotenen Arbeiterpartei PKK suggeriert. Betrachtet man dazu noch die aktuelle Situation in der Türkei, so sind derartige Ausführungen überaus brisant und unpassend.”

28. Oktober 2009

Erdoğan beklagt unfaires Verhalten des Westens

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Sabrina @ 12:25
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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wirft dem Westen ein unfaires Verhalten gegenüber dem Iran vor. In einem Interview mit der britischen Tageszeitung The Guardian nannte Erdoğan den Iran einen Freund und engen Verbündeten und beklagte ein unfaires Verhalten der Westmächte bezüglich des iranischen Atomprogramms. Der türkische Ministerpräsident bezeichnete vor britischen Journalisten die westlichen Bedenken als “Geschwätz”. Allein den Gedanken an ein militärisches Vorgehen gegen den Iran nannte Erdoğan “verrückt”.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan mit seinem iranischen AmtskollegenDen Ländern, die den Iran auffordern, ihr nukleares Programm offenzulegen, warf Erdoğan heuchlerisches Verhalten vor. “Die, die am lautesten schreien, verfügen alle selbst über nukleare Waffen. Sämtliche ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates haben die Atombombe. Dann gibt es noch Länder, die nicht einmal Mitglieder der Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) sind und dennoch über Atomwaffen verfügen. Auf der einen Seite spricht der Westen von einem weltweiten Frieden, auf der anderen Seite erwägt er weitere Sanktionen oder gar einen Militärschlag gegen den Iran. Und dies gegen eine Nation, die auf eine mehr als 10.000-jährige Kultur zurückblicken kann.”

In den letzten Jahren hat die Türkei ihr gutes und freundschaftliches Verhältnis zu ihrem östlichen Nachbarn Iran weiter ausbauen können. Auch über den umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad äußerte sich Erdoğan unlängst vor der internationalen Presse: “es besteht kein Zweifel an der Tatsache, dass wir Freunde sind. Wir haben immer ein angenehmes Verhältnis zueinander gepflegt und noch nie Probleme miteinander gehabt.”

Bei seinem gestrigen Staatsbesuch in Teheran begrüßte Erdoğan erneut die iranische Haltung gegenüber der UN. Der iranische Präsident Ahmadinejad wiederum lobte Erdoğans klare Position zu Israel als “heimliche Atommacht” und dankte ihm für seine klaren Worte bezüglich des iranischen Atomprogramms. “Wenn von der Welt geduldet wird, dass eine illegale Nation über Atomwaffen verfügt, kann man dem Iran eine friedliche Nutzung der Ressourcen nicht verbieten.”

24. Oktober 2009

Werbung beleidigt das Türkentum

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Christoph @ 10:38
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Eine großangelegte Werbeaktion der Firma Media Markt spaltet die Gemüter der Türken. Während die einen darüber lachen, fühlen andere sich durch die Plakate beleidigt und fordern ein komplettes Verbot der Aktion. Der Discounter hatte auf Zügen, Bussen und Werbeplakaten durch eine provokative Kampagne auf sich aufmerksam gemacht. Darstellungen von Menschen mit tierischen Köpfen begleitet von Texten, die den Verbraucher auffordern, nicht aus „Blödheit“ zu viel für ihre Produkte zu bezahlen, protzten dem Volk aus allen Ecken entgegen. Kühe, Ziegen und Schafe sollten auf die Dummheit der „Zuvielzahler“ hinweisen.

Media Markt provoziert durch seine WerbungDie Firma beteuert, mit ihrer Offensive lediglich die Aufmerksamkeit der Massen auf sich lenken zu wollen. Ein Ziel über das sie (zumindest in der Türkei) hinausgeschossen sind. In Eskişehir besprühten Gewerkschaftler die Werbung und erwirkten per einstweiliger Verfügung ein dreimonatiges Verbot. „Türken sind keine Tiere“, so der Gewerkschaftsvorsitzende Prof. Dr. Nedim Ünal, „diese Bilder beleidigen alle Türken. Auch, wenn es sich nur um Werbeplakate handelt, können wir diese Art von Verunglimpfung des Türkentums nicht dulden“.

„Darstellungen von Mischwesen aus Mensch und Tier haben eine uralte Tradition in der Geschichte der Literatur, Mythen und auch der Werbung.“ hält Anita Oğurlu, Professorin an der Gesellschaft für Visuelle Kommunikation der Bilgi Universität in Istanbul dagegen. Man denke nur an den Minotaurus aus der griechischen Mythologie, an den Gilgamesch-Epos oder in neuerer Zeit auch an die Abbildungen des amerikanischen Fotografen William Wegman. Ich meine, der Hauptgrund für die überzogene Reaktion der Kritiker, ist die Angst vor einem ‘Anderssein’ “.

Ferruh Uztuğ, Professor an der Anadolu Universität in Eskişehir sieht das Problem viel mehr in einer Angst vor einer Wettbewerbsverletzung. „Vergleichende Werbung ist in der Türkei strikt verboten. Auch, wenn im vorliegenden Fall kein direkter Vergleich vorliegt, könnten viele kleinere Konkurrenten einen solchen in die Aktion hineininterpretieren. Immerhin suggeriert Media Markt mit seiner Werbung, sehr viel günstigere Preise als alle anderen Märkte zu haben. Ein Geschäftsmann und Eigentümer eines Kaufhauses in Izmir hat bereits Klage gegen Media Markt erhoben.“

Die provokative Vorgehensweise des Konzerns hat schon fast Tradition. Im Jahre 2006 musste sich Media Markt offiziell bei den Polen entschuldigen, da sie in ihrer Werbung das Klischee Polen seien Diebe und Gauner aufgriffen. Auch in Portugal musste 2008 ein Spott zurückgenommen werden, der einen Pfadfinder (mit etwas Phantasie) als Idiot darstellen ließ. „Ich bin doch nicht blöd“ zieht in der Türkei nicht. Hier setzt man auf den Slogan „Die Nummer 1 in Europa“.

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