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Filiz Ersan, Kopf der Vereinigung Freiwilliger für Umwelt und Tourismus in Marmaris hat die zuständigen Behörden aufgefordert, ausländische Touristen vor Randalen und „rüpelhaften“ Verhalten zu warnen. In einer schriftlichen Petition verlangte Ersan Maßnahmen gegen „randalierende und lärmende“ Touristen, die dach „stundenlangen Alkoholkonsum“ auf ihrem Weg zurück ins Hotel die Einheimische Bevölkerung belästige.
Ersan wünscht sich eine schriftliche Warnung an alle Hotels und Reiseagenturen in der Region. Diese sollten die Touristen zu rücksichtsvollen und leisem Verhalten ermahnen. Die Aktivistin ist der Meinung, „Die Türkei könnte durch zügellose Verhalten der Besucher an Image verlieren“. Ersan fügt hinzu: „wir bringen ihnen türkische Gastfreundschaft entgegen, sie aber wiederum zetteln unter Alkoholeinfluss immer wieder Schlägereien an. In den letzten zwei Wochen ist die Zahl der Raufereien mit ausländischer Beteiligung beachtlich gestiegen.“
Offizielle Zahlen können dies nur zum Teil bestätigen. Demzufolge wurden von polizeilichen Behörden im Hotelbezirk der Stadt, in dem sich vorwiegend Ausländer aufhalten in vergangener Zeit 23 Schlägereien gemeldet. Sechs mal waren Ausländer involviert. Insgesamt 213 mal hat die Polizei Ausländer vor Unruhen gewarnt. Wie oft bei diesen „Unruhen“ Ausländer verwickelt waren, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Erst vergangene Woche wurde Farhan Iqbal, ein 19-jähriger Brite aus Glasgow, von türkischen Jugendlichen mit 9 Messerstichen attackiert. Sein 21-jähriger Bruder Afnan erlitt bei dem Angriff eine Unterarmfraktur und mehrere offene Wunden, die zum Teil genäht werden mussten. Drei der Angreifer wurden in vorübergehende Gewahrsam genommen, ein 15-Jähriger wurde dem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete. Die Mutter der beiden Opfer ist fassungslos: „Keiner meiner beiden Söhne hat derartiges verdient. Sie sind gute, wohlerzogene Jugendliche. Sie trinken nicht, sie rauchen nicht. Das verbietet ihnen ihre Religion. Sie sind doch auch Muslime.“

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Unterstützt von der regierenden Partei AKP wurden von der Regulierungsbehörde für Tabak und Alkohol (Tütün ve Alkol Piyasası Düzenleme Kurumu, TAPDK) die Werbung für alkoholische Getränke weitgehend aus der Öffentlichkeit verbannt. Eine Maßregelung mit weitreichenden Folgen. Nicht nur Fernsehen, Kinos oder Plakateaufsteller müssen künftig auf diese Art von Werbung verzichten. Selbst die beliebten Kochsendungen, die mittlerweile nach europäischem Vorbild fester Bestandteil des täglichen Fernsehprogramms geworden sind, müssen künftig auf Alkohol zur Verfeinerung von Speisen verzichten. Aber auch Sponsoren sind von dem neuen Erlass betroffen. Efes, die größte Brauerei des Landes und Hauptsponsor diverser Fußball- und Basketballvereine dürfte in Zukunft ihren Namen nicht mehr auf die Trikots der Sportler zeigen. Ob sogar die Sonnenschirme der Brauereien aus dem öffentlichen Leben verschwinden müssen, wurde noch nicht klar dargestellt.
Die Alkoholbranche befürchtet nicht nur einen wirtschaftlichen Einschnitt, sondern gleichwohl auch einen kulturellen Imageverlust für die Türkei. Semih Maviş, Betriebsleiter der Efes-Brauerei bemängelt, die TAPDK würde anstatt “Probleme zu lösen, den Sektor beschneiden”Und er fügt hinzu: “Uns ist noch nicht klar geworden, warum in Zukunft Werbung verboten werden soll, die Fisch gemeinsam mit Rakı oder Käse gemeinsam mit Wein zeigt.
Desweiteren hat die TAPDK bestimmt, dass Alkohol nicht mit der “Kultur, Geschichte oder der Geographie” der Türkei in Zusammenhang gebracht werden dürfe. “Dies ist ein Eingriff in die Weltanschauung der einzelnen Bürger”, beklagt sich Maviş. Auch Ahmet Kutman, Chef des Weinproduzenten Doluca vertritt seine Ansicht: “Ein Bordeaux identifiziert sich mit der Region Bordeaux, ein Burgunder mit dem Burgund. 140 Mio. kg Weintrauben verarbeitet die Türkei Jahr für Jahr. Die Winzer verdienen ihren Lebensunterhalt durch den Wein, die TAPDK bedroht durch ihr Verhalten unzählige Arbeitsplätze. Knapp 80 Mio. Liter wurden alleine im letzten Jahr produziert. Somit gehören wir weltweit zu den “ganz Großen”.
Galip Yorgancıoğlu, Betriebsleiter der Mey İçki, ein türkischer Gigant im Alkoholsektor, bedauert, die TAPDK habe sich von einer Regulierungsbehörde in eine “Verbotsbehörde” entwickelt. “Die Entscheidungen der TAPDK werden dem türkichen Image in Europa schaden. Mit was sollen wir werben, wenn wir unsere kulturellen Werte und unsere geographischen Besonderheiten nicht in die Werbung miteinbeziehen dürfen ? Man stelle sich vor, ein holländischer Käse dürfe nicht mehr mit ‘Gouda’ werben. Regelmäßig denkt sich der Staat irgendwelche neuen Steuern aus, mit welchen die Alkoholproduktion verteuert und erschwert werden soll. Wie sollen wir da auf dem Weltmarkt noch konkurrieren ?” Andere Kritiker der Regierungspartei schlagen gar noch schärfere Worte an: “Das Verbot ist mit seinen weitreichenden Folgen nicht mehr, als ein weiterer Schritt der regierenden Partei auf ihrem Weg zu einem islamischen Gottesstaat nach iranischem Vorbild”.