Nachrichten aus der Türkei

3. August 2009

Vogel zwingt Flieger zur Umkehr

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 11:08
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Eine Maschine der schweizerischen Chartergesellschaft Belair musste am Sonntag kurz nach dem Start zu ihrem Abflughafen Antalya zurückkehren. Grund war ein Vogel, der in eines der Triebwerke der Boeing 757-200 geflogen war. Der Flieger war am Mittag von Antalya aus gestartet und sollte gegen 15:00 (MEZ) seinen Heimatflughafen Zürich erreichen.

BelairDie Sprecherin der Fluggesellschaft Air Berlin Yasmin Born gab in einer ersten Stellungnahme bekannt, dass bei dem Vorfall alle 206 Passagiere und 7 Besatzungsmitglieder unverletzt blieben. Wie Born betonte, habe es sich nicht um eine Notlandung gehandelt. Das Flugzeug werde jedoch noch zur technischen Überprüfung in Antalya bleiben. Den Passagieren werde eine Ersatzmaschine bereitgestellt.

Die Belair kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits 1925 wurde die Gesellschaft von dem Schweizer Balz Zimmermann, damals noch unter dem Namen Basler Luftverkehrs AG, gegründet. Seit 2007 ist Air Berlin mit 49% an der Schweizer Fluggesellschaft beteiligt. Die sechs Flieger (drei Boeing und drei Airbus) wurden im Stile der Muttergesellschaft umlackiert.

In der Regel stellt ein Vogelschlag (in der Fachsprache als Foreign Object Damage bezeichnet) keine nennenswerte Gefahr für die Sicherheit der Passagiere dar, obgleich der Luftfahrt dadurch jährlich ein Schaden in Milliardenhöhe entsteht. Moderne Triebwerke müssen eine Resistenz gegen Vogelschläge aufweisen. Auch die Piloten werden für Notfallsituationen speziell geschult. Spektakuläres Aufsehen erregte im Januar ein Airbus, dessen beide Triebwerke nach einem Vogelschlag ausgefallen waren. Der Pilot konnte die Maschine auf dem Hudson River notwassern und sämtliche Passagiere und Besatzungsmitglieder retten.

15. Juli 2009

Franzose seit zwei Monaten in Untersuchungshaft

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 18:26
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Seit nun mehr als zwei Monaten teilt sich der Franzose Dominic Murugan in Antalya eine Gefängniszelle mit 15 weiteren Ausländern. Dem Vater von vier Kindern wird ein Verstoß gegen das “Gesetz zum Schutz von Kultur- und Naturgütern” vorgeworfen. Am 2. Mai dieses Jahres entdeckten Zollbeamte am Flughafen von Antalya einen behauenen Stein im Gepäck des Mechanikers aus Nordfrankreich. Angaben seienes Anwalts zufolge, will sein Mandant den Stein einige Tage zuvor bei einem Souvenirhändler für 20 Euro erstanden haben. Das türkische Strafgesetzbuch sieht in solchen Fällen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren vor. Das Urteil gegen den ursprünglich aus Mauretanien stammenden Murugan wird am 28. August erwartet.

Das Gefängnis von Antalya wird auch als Antalya Hilton verspottetLaut Anklageschrift handle es sich bei dem Stein um antikes Kulturgut. Dem widerspricht der Anwalt des Franzosen und fordert ein unabhängiges Gutachten. “Steine werden nicht gebacken, sie sind alle alt”, teilt man uns im Museum von Antalya mit. “Ob es sich nun tatsächlich um ein antikes, historisch wertvolles Stück handelt, ist für den Laien nur schwer zu erkennen. Selbst wir Archäologen haben hier manchmal unsere Schwierigkeiten. Oft hilft nur noch eine Untersuchung nach der Radiokarbonmethode.” Wer sich nicht sicher ist, solle sich vor dem Erwerb und vor allem vor der Ausfuhr in sein Heimatland bei den zuständigen Behörden erkundigen. In Ausnahmefällen kann sogar bei historisch bedeutsamen Gütern eine Ausfuhrgenehmigung erteilt werden. Das Kulturministerium verweist auf die zuständigen Behörden, im konkreten Falle wäre das Museum von Antalya die richtige Anlaufstelle gewesen.

In Europa wird gegen die Vorgehensweise der türkischen Justiz immer wieder Kritik laut. “Knast wegen einem Stein” sei überzogen, hört man es verlauten. Dem setzt das türkische Kulturministerium (seit 2007 unter Leitung von Ertuğrul Günay) entgegen, dass über Jahrzehnte, ja gar Jahrhunderte hinweg die Türkei förmlich geplündert wurde. Manch türkischer Archäologe ist darüber erstaunt, mit welcher Gelassenheit ausländische Museen die geraubten Kulturgüter zur Schau stellen. Nur sehr vereinzelt kehren die wertvollen Stücke in ihre Heimat zurück. Xanthos, Trysa, Pergamon sind nur einige Beispiele für antike Städte, die um ihre wertvollsten Schätze von Europäern beraubt wurden. Der Schatz von Elmalı gelang durch die Hände skrupelloser Schmuggler und über finstere Kanäle ins Ausland, vorwiegend in die USA. Dem werde man jetzt Einhalt gebieten, so das Ministerium für Kultur und Tourismus. Niemand könne behaupten, auf die strafrechtlichen Konsequenzen sei nicht ausreichend hingewiesen worden.

Es ist längst nicht das erste Mal, dass Europäer wegen einem Delikt gegen das “Gesetz zum Schutz von Kultur- und Naturgütern” hinter Gitter muss. Auch der Deutsche Stefan G. durfte im Jahre 2003 seinen geplanten Urlaub unfreiwillig verlängern. Zollbeamten hatten in seiner Tasche einen Faustgroßen Stein gefunden, den sein Sohn (damals neun Jahre alt) als Andenken mitnehmen wollte. Der damals 34-jährige hatte seinerzeit Glück im Unglück: Richter Fikri Durmaz hob den Haftbefehl gegen ihn nach vier Wochen wieder auf. Ob dem Franzosen Dominic Murugan das gleiche Glück beschert wird, bleibt abzuwarten.

Prozess um Marco W. erneut vertagt

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 18:19
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Mit Spannung war der heutige Prozesstag erwartet worden. Nachdem sich der Termin um einige Stunden verzögert hatte, folgte alsbald schon der erste Beschluss. Demnach wurde der Prozess gegen Marco W. wiedereinmal vertagt, diesmal auf den 16. September. Marcos Verteidiger Ahmet Ersoy, der bereits im Vorfeld der Verhandlung für seinen Mandanten eien Freispruch beantragt hatte, äußerte, andere Verfahren die noch heute verhandelt wurden, hätten mehr Zeit beansprucht als vorhergesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am 5. Juli in ihrem Plädoyer eine Verurteilung Marcos wegen Vergewaltigung und sexuellem Missbrauchs beantragt. Der Angeklagte Marco war selbst zum heutigen Termin nicht erschienen, die Richter hatten von einer Vorladung abgesehen.

Prozess um Marco erneut vertagtMit dem Urteil, das sich der mittlerweile 19-jährige Marco Weiss aus Uelzen erhofft hatte, wäre er endgültig vom Vorwurf der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Der zur vermeintlichen Tatzeit 17-jährige Marco Weiss war am 11. April 2007 in der Türkei verhaftet worden, nachdem die Mutter einer 13-jährigen Britin Anzeige gegen ihn erhoben hatte. Das Mädchen gab an, Marco hätte sich sexuell an ihr vergangen. Zwar räumte Marco seinerzeit ein, mit dem Mädchen, das er seinen Angaben zufolge für bereits 15 Jahre alt hielt, Kontakt gehabt zu haben. Jegliche sexuelle Handlungen oder gar eine Vergewaltigung wies er jedoch von sich. Auch ärztliche Gutachten ließen keine Rückschlüsse auf eine Vergewaltigung zu.

Marcos Inhaftierung führte zu kontroversen Diskussionen in den deutschen Medien. Während die einen das Vorgehen der Türkei unter dem Hinweis darauf, dass bei den gestellten Vorwürfen auch in Deutschland die Untersuchungshaft in Betracht käme, begrüßten, übten andere scharfe Kritik an der türkischen Justiz. Vor allem die ungewöhnlich lange Haftzeit wurde von verschiedenen Stellen bemängelt. Unnötig verzögert wurde das Verfahren immer wieder durch das passive Verhalten der Anzeigeerstatter. Erst Ende November lag das längst überfällige Protokoll der britischen Polizei über den Tathergang aus Sicht der jungen Britin vor. Am 14. Dezember 2007 hoben die türkischen Richter schließlich den Haftbefehl gegen Marco auf. Nach 247 Tagen Haft konnte Marco endlich die Heimreise nach Deutschland antreten. 2008 veröffentlichte Marco Weiss seine Erlebnisse in Antalyas Haftanstalt in seinem Buch “Meine 247 Tage im türkischen Knast”.

23. Juni 2009

Antalya: Antkart vor dem Aus

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 22:07
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Man ist an Ärgernisse schon gewöhnt in der Metropole, die Ägäis und türkische Riviera teilt: gerade erst wurde die Straßenbahnlinie, die im Eiltempo das Zentrum Antalyas mit dem 27 km nordwestlich gelegenen Busbahnhof verbinden sollte fertiggestellt. Der Bau der Trasse hatte die Bürger auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Die ohnehin schon hoffnungslos überlasteten Straßen waren über Monate hinweg eine einzige großartige Baustelle, was dem Verkehrsfluss nicht zwingend beflügelte. Pünktlich, wie versprochen wurde die Linie dann auch feierlich eingeweiht. Zwar haben jetzt viele der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt nur noch eine Fahrbahn (z.B. die Şarampol Caddesi), dafür haben die Bürger jetzt eine hochmoderne Stadtbahn. Einen kleinen Schönheitsfehler hat die Bahn jedoch: sie fährt nicht ! Schienen und Oberleitungen wiesen derartige Sicherheitsmängel auf, dass nicht einmal die türkischen Behörden (die nicht ganz so streng sind, wie der deutsche TÜV) grünes Licht für das Projekt gaben. Der Ausgang bleibt spannend, wir halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Die Antkarte vor dem Aus Während die Werbeplakate für die rund 110 Mio.-teure Stadtbahn allmählich vergilben oder mit anderen Plakaten für einen italienischen Zirkus oder Popkonzerte überklebt wurden, leuchten die für die Antkart noch in heller Farbe. Auch auf der Internetseite der Antkart, die mehr einer Lichtorgel als einer Informationsplattform ähnelt, ist von Unregelmäßigkeiten (noch ?) nichts zu lesen.

Nicht einmal ein Jahr währte die Freude an der kleinen Karte, die das Busfahren in Antalya vereinfachen sollte. Aber nicht nur Busse, Tramway (”neutürkisch” für Straßenbahn) oder Stadtbahn sollten die Karte akzeptieren. Geplant war auch, das Stück Plastik als eine Art Kreditkarte an Busbahnhöfen, Flughafen, Restaurants etc. zum Einsatz zu bringen. Die Idee war nicht schlecht: die Antkart wurde auf ein Lesegerät gelegt und das Fahrgeld wurde automatisch abgebucht. In Istanbul oder Sivas funktioniert das schon lange. Aufladen konnte man die Antkart an zahlreichen Kiosks, die von Weitem sichtbar auf diesen Service hinwiesen. Das Chaos war vorherzusehen: nach einer kurzen Schonzeit im Sommer vergangenen Jahres, wurde die Antkart von einem Tag auf den anderen Pflicht. Eine Beförderung ohne Antkart war (anfangs) nicht möglich. Am Busbahnhof herrschte die ersten Tage “Ausnahmezustand”. Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaften, die kaum englisch sprachen, versuchten Touristen, die kein Wort türkisch sprachen, die Sachlage zu erklären. Not macht jedoch erfinderisch: nach einigen Tagen kamen die Busfahrer auf die rettende Idee, sich selbst eine Antkart zuzulegen und Reisenden, die nur Bargeld hatten, das Fahrgeld von dieser abzubuchen. Meist zeigten sich die Fahrer ohnehin sehr entgegenkommend, waren es ja letztendlich sie, die kontrolliert werden sollten (was natürlich niemals jemand zugeben wird).

Wer jedoch gestern mit der Karte bezahlen wollte, bekam vom Fahrer ein mürrisches “geht nicht” zur Antwort. Wir haben Verständnis für das Murren: hunderten von Fahrgästen musste er einzeln erklären, was er selbst erst am Morgen erfahren hatte. Ein Blick auf die Monitore, die dem Reisenden während der Fahrt die Langeweile vertreiben sollten, genügt: hier hängen jetzt amtliche Blätter der Stadt Antalya mit dem Hinweis auf ein Insolvenzverfahren. Pech haben alle, die ihre Antkart erst neu aufgeladen haben: von wem, wo und ob sie ihr Geld erstattet bekommen, bleibt abzuwarten.

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