Viele Einheimische Fethiyes sind der Ansicht, All-inclusive-Urlaub ruiniere den Tourismus. Sie beklagen, dass Reisende, die einen Fixpreis für Flug, Hotel, Essen und Getränke bezahlen, nur sehr wenig bis garnichts für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt beitragen. Viele verließen ihre “Bunker”, wie die luxuriösen Anlagen bei der Bevölkerung gelegentlich zynisch genannt werden, erst garnicht und wenn, dann nur soweit, dass das nächste All-inclusive-Bier nicht in allzuweite Entfernung rückt.
Die Konföderation der türkischen Handwerkskammern (Türkiye Esnaf ve Sanatkarları Konfederasyonu, TESK) unterstützt derzeit Bemühungen der Provinzhauptstadt Muğla, All-inclusive-Hotels aus der Region zu verbannen. Mehmet Soydemir, Vorsitzender der TESK in Fethiye, gab an, er werde mit Beschwerden “oder vielmehr Forderungen” förmlich überschwemmt. Er müsse jetzt handeln, bevor es zu spät sei. “Es ist leichter gesagt, als getan”, so Soydemir, “da wir nicht wissen, wo wir ansetzen sollen. Die Gewerbetreibenden Fethiyes leiden wirklich ernsthaft unter dieser Situation. Viele stehen kurz vor dem Bankrott, einige haben gar schon ihre Existenz verloren. Mit der steigenden Anzahl an All-inclusive-Touristen geht ein sinkender Umsatz für die örtlichen Geschäftsleute einher.”
Selbstverständlich sind auch hier mehrere Seiten zu betrachten. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise ist ein All-inclusive-Urlaub eine gute Gelegenheit für Touristen, die sich sonst gar keinen Urlaub leisten könnten. Eine Woche in der Sonne, alle Speisen und Getränke frei , Flug und Transfer inbegriffen, das alles für 350 Euro… Was will man mehr ? Wer individuell in Lykiens Perlen, wie beispielsweise Kaş, Kalkan, Kekova, Çıralı oder Adrasan Urlaub machen möchte, darf schon mal ein Vielfaches hinblättern und auf den Luxus der exklusiven Anlagen verzichten.
“Unter diesen niedrigen Preisen hat selbstredend auch jemand zu leiden”, so Soydemir. Oftmals bekämen die Hoteliers gerademal 7 Lira (etwa 3.30 Euro) pro Gast und Übernachtung. Damit sind häufig noch nicht einmal die Kosten gedeckt, von einem Verdienst ganz zu schweigen. Die staatlichen Subventionen haben in den letzten Jahren ebenfalls drastisch nachgelassen.
“Den Alptraum hatten wir vor zwei Wochen”, berichtet ein Hotelangestellter aus der Nähe von Fethiye. “Eine ganze ehemalige Schulklasse traf sich anlässlich ihres fünfjährigen Abschlussjubiläums in unserem Haus. Die Sauforgien begannen schon nach dem Frühstück.” Und sein Chef fügt hinzu: “Weit verbreitet ist der Irrtum, wir, als Betreiber von All-inclusive-Hotels, seien die großen Gewinner in der Geschichte. Wir ziehen lediglich ‘den Spatzen in Fethiye’ der ‘Taube in Kemer oder Alanya’ vor. Wenn das jedoch so weitergeht, werde ich bald meine Angestellten nicht mehr bezahlen können. Einen Bademeister musste ich schon entlassen. Drei Kinder hat er.Wenn er mir gelegentlich über den Weg läuft, beschimpft er mich aufs Heftigste. Ich habe Verständnis und erwidere meistens nichts”


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