Nachrichten aus der Türkei

27. Juni 2009

Aus alten Hamams werden stilvolle Cafés

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Christoph @ 13:28
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Das Dampfbad, das in der Türkei als Hamam bezeichnet wird, hat eine Jahrhunderte alte Tradition. Der Betrieb einiger dieser architektonischen Meisterwerke wurde jedoch aus mangelnder Wirtschaftlichkeit längst eingestellt. Vielen ehemaligen Badehäusern droht nun der Verfall, da Behörden sich nicht zuständig fühlen und Denkmalpflegern die Mittel fehlen. Geschäftstüchtige Gastronomen haben nun einige der geschichtsträchtigen Häuser zu Cafés oder/und Restaurants gemacht. Zwar beklagen viele Liebhaber, dass somit ein Stück Nostalgie verloren ginge, sie begrüßen aber auch gleichzeitig den Erhalt des wertvollen Kulturguts.

Das Cafe Şehzade in Gaziantep“Ich entsinne mich noch an meinen ersten Hamambesuch, als wäre er erst gestern gewesen”, erinnert sich der 82-jährige Ramazan während er bedächtig zwei Stück Zucker in sein Teeglas gleiten lässt. Mit glasigen Augen erzählt er weiter. “Mein Vater meinte, es wäre an der Zeit, mich das erste Mal mitzunehmen. Ich war aufgeregt und schämte mich ein wenig. Er hatte eine eigens für ihn reservierte Kabine, auf die er mächtig stolz war. Nachdem wir uns frische Handtücher um die Hüften gebunden hatten, betraten wir das Bad. Ich war grenzenlos beeindruckt.” Er war es nicht nur, er ist es immer noch. Mit der Begeisterung eines Jungen, der für seine erste große Liebe schwärmt, erzählt er weiter: “Da, wo Sie den Kellner sehen, saßen wir und schütteten uns kaltes Wasser über die Leiber. Unter dem großen Fenster hier vorne ließen wir uns massieren. Und von dort aus, wo jetzt diese abscheuliche Vitrine steht, konnte man den gesamten Hamam überblicken. Ich hielt mich an den gemischten Tagen oft stundenlang dort auf, um nach einer Braut für meinen ältesten Sohn Ferit Ausschau zu halten. Über 50 Jahre ist er nun mit seiner Gönül bereits verheiratet. Vier Enkel und elf Urenkel hat er uns geschenkt. Mit jedem Hamam, das schließt, stirbt ein Teil von mir.”

“Macht es Sie wütend, zu sehen, dass aus dem Hamam nun ein Café geworden ist ?” wollen wir wissen. “Nicht wütend”, erwidert uns der Greis. “Etwas traurig vielleicht. Aber es ist eben nun einmal der Lauf der Zeit. Ich bin froh, dass auf diese Art und Weise das Gebäude wenigstens erhalten geblieben ist. Ich komme jeden Tag hierher. Und manchmal treffe ich auch noch alte Freunde von ganz früher. Dann versinken wir in alten Erinnerungen. Mehr als tausend und eine Geschichten wissen wir uns zu erzählen. Und wenn ich nach Hause komme, schimpft meine Frau dann gewöhnlich. In dem Viertel meines Schwagers haben sie gleich zwei Hamams aus osmanischer Zeit einfach platt gemacht, diese Bauern. Und in einem dritten wollen nichteinmal die Ratten mehr wohnen.”

Wir fragen Ramazan, worauf er die Tatsache zurückführt, dass Hamams immer weniger besucht werden. “Das liegt doch auf der Hand, mein Sohn. Zu meiner Zeit teilten wir uns mit drei anderen Familien eine Toilette. Wir wuschen uns mit Wasser aus dem Brunnen, Duschen gab es nicht. Da war der Besuch eines Hamams etwas ganz besonderes. Ein gesellschaftliches Ereignis. Aus hygienischer Sicht hat das Hamam ausgedient. Und von der gesellschaftlichen Seite will die Jugend nichts wissen. Die jungen Leute wollen in die Discotheken oder sich in Bars amüsieren. Mich wundert, dass noch keines meiner Enkelkinder einen Gehörschaden hat. Das Leben ist schneller und hecktischer geworden. Für ein Hamam bleibt da wenig Zeit. Heute wird der Hamam immer weniger vom Volk besucht. Oft ist er leider nur noch eine Touristenattraktion. Und teuer ! 30 Lira wollten die das letzte mal von mir. Die gehören in ihrem eigenen Hamam ausgepeitscht. Diese Halsabschneider !”

Das älteste und größte (ehemalige) Hamam Istanbuls ist das Tahtakale Hamam. Nachdem es in den 80er Jahren als Lager und Kühlhaus benutzt wurde, kaufte im Jahre 1988 die Azmi Sebat Gruppe das Haus. Unter der strengen Aufsicht von Professor Doğan Kubat wurde das Gebäude fünf Jahre lang saniert und umgebaut. Über 700 LKW-Ladungen Schutt wurden entfernt. Neben verschiedenen kleinen Läden und Boutiquen beherbergt das Hamam nun auch ein Café. Vorwiegend Touristen genießen hier ihren türksichen Kaffee und den einzigartigen Flair.

Weitere Cafés in historisch bedeutenden Hamams finden wir u.a. in Gaziantep (Cafe Şehzade), in Amasra (Hamam Cafe) oder in Bursa (Bursa Ördekli Hamamı).

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