Nachrichten aus der Türkei

6. Juli 2009

Treffen orthdoxer Patriarchen in Istanbul

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Christoph @ 15:19
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Der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. empfing am Samstag das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill I. zu einem dreitägigen Besuch im Istanbuler Stadtteil Fener. Beide Patriarchen bekundeten gegenseitige Solidarität. Vor seinem Treffen mit Bartholomäus I. hielt Kyrill I. einen Gottesdienst. Die Begegnung kann als historischer Schritt der beiden Kirchen auf dem Weg einer gegenseitigen Annäherung gedeutet werden. Priester begrüßten den russischen Patriarchen mit Handküssen, Kinder schenkten ihm Blumen, als er in der Georgskathedrale eintraf.

Patriarch Kyrill I. (links) und Patriarch Bartholomus I. (rechts)Ich hoffe, mein Besuch führt zu einem Neuanfang in unserem Verhältnis. Missverständnisse können nur durch Gespräche geklärt werden. Es ist Zeit aufeinander zu zukommen.” erklärte Kyrill den scharenweise eingetroffenen Reportern kurz vor seiner Begegnung mit Bartholomäus. “Unser Glaube verbindet uns, er schafft keinen Platz für Mauern”.

Beide Patriarchen sehen sich lediglich als Mitglieder einer gemeinsamen Kirche. Bartholomäus, ethnischer Grieche jedoch türkischer Staatsbürger, deutet Kyrills Besuch als eine Botschaft der Einigkeit.”Dein Besuch beim griechischen Patriarchen und der Mutterkirche erfüllt uns mit tiefer Freude und Emotionen. Mit deiner Anwesenheit überbringst du uns die Botschaft von Frieden, Brüderlichkeit und Einigkeit mit der heiligen russischen Kirche.”

Die Beziehungen der beiden Kirchen waren in der Vergangenheit angespannt, da einige Kirchen der ehemaligen Sowjetunion sich von der russisch-orthodoxen Kirche abgewandt hatten und sich mehr und mehr Bartholomäus und seiner Kirche annäherten. Ein Sprecher Bartholomäus’ berichtete, die Kirchen Estlands und der Ukraine seien Hauptthemen der geplanten Gespräche. Die Ukraine fordert schon seit längerem das Recht auf eine eigene Kirche von Russland. Eine ukrainische Kirche wird jedoch von keiner orthodoxen Kirche anerkannt.

Nach einem gemeinsamen Gottesdienst traf sich Kyrill am Sonntag mit dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan und dem Staatspräsidenten Abdullah Gül zu Gesprächen.

Kyrill, mit bürgerlichem Namen Wladimir Michailowitsch Gundjajew, ist Oberhaupt von etwa 160 Mio Gläubigen. Er gilt als reformfreudig, insbesondere bemüht er sich auch um eine Annäherung an die katholische Kirche. Von 1989 an war er Vorsitzender der Abteilung für externe Kirchenbeziehungen, bevor er im Februar dieses Jahres die Nachfolge von Alexius II. antrat, der am 5. Dezember 2008 in Peredelkino bei Moskau verstorben war.

25. Juni 2009

Istanbul: Welterbe in Gefahr

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, — Christoph @ 18:08
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Hagia SophiaDerzeit tagt das UNECO-Komitee in Sevilla und berät über die Aufnahme weiterer Stätten in die Liste des Weltkulturerbes. Wie jedes Jahr, wird auch über die “rote Liste des Welterbes” diskutiert. In diese werden besonders gefährdete und erhaltenswerte Stätten aufgenommen. Die Zitadelle von Bam (Iran), die fast vollständig von einem Erdbeben zerstört wurde oder die Altstadt von Coro (Venezuela), die von einem schweren Sturm erheblich beschädigt wurde, sind nur zwei Beispiele. Während man hier noch überlegt, wie man die Denkmäler erhalten kann, überlegt man bei der Altstadt von Istanbul, die bereits 1985 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, ob man diese nicht gänzlich streicht. Grund ist eine schon fast mutwillige Zerstörung dieser einzigartigen Kulturstätte.

Das Komitee kritisiert in seinem Bericht, den Mangel an Interesse von Seiten der türkischen Regierung und der Stadtverwaltung Istanbuls. So wird beispielsweise beim Bau einer neuen U-Bahnlinie im Bereich des Goldenen Horns rücksichtslos “Platzt geschaffen”, obwohl Alternativen gegeben wären. Auch der Bau des neuen Four Season Hotels passt nicht zwingend in das Bild der Altstadt. Was jedoch nicht passt, wird passend gemacht. Wie die UNESCO-Delegierten darlegen, werden Einwände von den zuständigen Behörden schlichtwegs ignoriert.

Einem Bericht zur Folge, den das Komitee nach seinem Besuch in Istanbul im Mai erstellt hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Istanbul von der Liste des Weltkulturerbes gestrichen wird. Denkmalschützer Viki Çiprut wünscht sich von der UNECO eine “Schonfrist” von einem Jahr, Zeit genug für die türkischen Verantwortlichen ihre Vorgehensweise zu überdenken. Das Gremium bemängelt insbesondere den Artikel 5366 des türkischen Gesetzbuches, der zwar den Abriss türkischer Kulturgüter regelt, nicht aber deren Erhalt. Auch dieser Artikel sollte laut Bericht der UNESCO überarbeitet werden.

Insgesamt neun Stätten in der Türkei hat die UNESCO auf ihre Liste des Welterbes aufgenommen:

Das historische Istanbul (1985)
Der Göreme Nationalpark und die Felsendenkmale von Kappadokien (1985)
Die Moschee und das Krankenhaus von Divriği (1985)
Die Ruinen von Hattusa (1986)
Die Grabstätte auf dem Nemrut Dağ (1987)
Die Ruinen von Xanthos mit dem Heiligtum Letoon (1988)
Die Stadt Hierapolis – Pamukkale (1988)
Die Altstadt von Safranbolu (1994)
Die historischen Ausgrabungen in Troja (1998)

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