Nachrichten aus der Türkei

15. Juli 2009

Prozess um Marco W. erneut vertagt

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , — Christoph @ 18:19
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Mit Spannung war der heutige Prozesstag erwartet worden. Nachdem sich der Termin um einige Stunden verzögert hatte, folgte alsbald schon der erste Beschluss. Demnach wurde der Prozess gegen Marco W. wiedereinmal vertagt, diesmal auf den 16. September. Marcos Verteidiger Ahmet Ersoy, der bereits im Vorfeld der Verhandlung für seinen Mandanten eien Freispruch beantragt hatte, äußerte, andere Verfahren die noch heute verhandelt wurden, hätten mehr Zeit beansprucht als vorhergesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am 5. Juli in ihrem Plädoyer eine Verurteilung Marcos wegen Vergewaltigung und sexuellem Missbrauchs beantragt. Der Angeklagte Marco war selbst zum heutigen Termin nicht erschienen, die Richter hatten von einer Vorladung abgesehen.

Prozess um Marco erneut vertagtMit dem Urteil, das sich der mittlerweile 19-jährige Marco Weiss aus Uelzen erhofft hatte, wäre er endgültig vom Vorwurf der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Der zur vermeintlichen Tatzeit 17-jährige Marco Weiss war am 11. April 2007 in der Türkei verhaftet worden, nachdem die Mutter einer 13-jährigen Britin Anzeige gegen ihn erhoben hatte. Das Mädchen gab an, Marco hätte sich sexuell an ihr vergangen. Zwar räumte Marco seinerzeit ein, mit dem Mädchen, das er seinen Angaben zufolge für bereits 15 Jahre alt hielt, Kontakt gehabt zu haben. Jegliche sexuelle Handlungen oder gar eine Vergewaltigung wies er jedoch von sich. Auch ärztliche Gutachten ließen keine Rückschlüsse auf eine Vergewaltigung zu.

Marcos Inhaftierung führte zu kontroversen Diskussionen in den deutschen Medien. Während die einen das Vorgehen der Türkei unter dem Hinweis darauf, dass bei den gestellten Vorwürfen auch in Deutschland die Untersuchungshaft in Betracht käme, begrüßten, übten andere scharfe Kritik an der türkischen Justiz. Vor allem die ungewöhnlich lange Haftzeit wurde von verschiedenen Stellen bemängelt. Unnötig verzögert wurde das Verfahren immer wieder durch das passive Verhalten der Anzeigeerstatter. Erst Ende November lag das längst überfällige Protokoll der britischen Polizei über den Tathergang aus Sicht der jungen Britin vor. Am 14. Dezember 2007 hoben die türkischen Richter schließlich den Haftbefehl gegen Marco auf. Nach 247 Tagen Haft konnte Marco endlich die Heimreise nach Deutschland antreten. 2008 veröffentlichte Marco Weiss seine Erlebnisse in Antalyas Haftanstalt in seinem Buch “Meine 247 Tage im türkischen Knast”.

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