Nachrichten aus der Türkei

30. Juni 2009

Kemer, (k)ein Ende im Streit um Skulptur

Abgelegt unter: Nachrichten — Tags:, , , — Christoph @ 10:03
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Seit 2007 erregt “Aşk Yağmuru” (Liebesregen), eine Skulptur des türkischen Künstlers Zafer Sarı, die Gemüter der Einwohner Kemers. Im April dieses Jahres ließ der neugewählte Bürgermeister der Partei der Nationalistischen Bewegung (Milliyetçi Hareket Partisi, MHP) Mustafa Gül die Skulptur entfernen. Diese stellte ein nacktes Paar beim Tanzen dar (andere wollten es beim Liebesakt erkennen). “Vor der Wahl wusste jeder, dass ich gegen die Skulptur war”, verteidigte Gül seine Maßnahme. “Während meiner Wahlkampagne war die Frage nach der Skulptur die erste, die ich von den Wählern gestellt bekam. Auch viele Touristen hatten sich über das fragwürdige Paar beschwert”, wusste Gül vorzutragen. Auf die Frage, was nun mit dem Kunstwerk geschähe: “Nichts, Zafer kann es zurückhaben, wenn er etwas damit anzufangen weiß”.

Liebesregen in KemerDer Künstler selbst war freilich wenig begeistert von Güls erster Aktion im Amt. Strafanzeige würde er stellen. Er fühle sich veräppelt von den Behörden. Güls Vorgänger Hasan Şeker (CHP) hatte schließlich vor nicht allzulanger Zeit das Kunstwerk in Auftrag gegeben. “Ich weiß nicht, was ich sagen soll, das erinnert an den Fall von Melih Gökçek.” Gökçek war im Jahre 1994 zum Bürgermeister Ankaras gewählt worden. Noch im selben Jahr ließ er eine Skulptur entfernen, die er als obszön betrachtete. Eine Maßnahme, die elf Jahre später rückgängig gemacht wurde.

Nach massiven Protesten der Medien, verschiedener Künstlerverbände und auch aus der Bevölkerung, rudert das Stadtoberhaupt allmählich zurück und schlägt ganz andere Töne an: “Wir hatten zu keinem Zeitpunkt das Kunstwerk kritisiert. Wir waren lediglich gegen seinen Standort.” Das tanzende Paar stand ursprünglich an der Kreuzung des Atatürk Boulevards und der Tuvakkıran Caddesi, zwischen einer Moschee und einer Schule. Ein geeigneterer Standort sei der Kuğulu Park, so Gül.

Güls Bestrebungen, die Skulptur in Kemer wieder aufzustellen überraschen nach seinem vormals unbeirrten Vorgehen gegen das Kunstwerk. “Nachdem wir das aufsehenerregende Werk entfernt hatten, wurde ich als ‘Kulturbanause’ und ‘Feind der Künste’ beschimpft. Mit einer feierlichen Wiedereinweihung gemeinsam mit unseren Freunden zeigen wir, dass wir zu Kunst und Künstlern stehen.”

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