Aspendos - mächtige Hafenstadt Pamphyliens |
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Einführung
und geschichtlicher Überblick
Das Theater von Aspendos
Weitere Sehenswürdigkeiten
in Aspendos
Satellitenbild von
Aspendos
Fotoarchiv Aspendos
Der Titel mag etwas verwundern. Wer Aspendos schon
besucht hat, weiß, dass die antike Stadt keineswegs am Meer liegt, sondern
mindestens 10 km das weltberühmte Theater von der Küste trennen. Dass
das Flüsslein Eurymedon, das heute Köprü Çayı ("Brückenfluss")
genannt wird, einstmals so breit war, dass große Frachtschiffe es ohne
weiteres befahren konnten, dass bei der Schlacht um Aspendos im Jahre
469 v.Chr. mindestens 47 Kriegsschiffe vor den Toren der Stadt bequem
manövrieren konnten, erscheint uns heute nur schwer vorstellbar. Und dennoch
war es dieser Fluss, der Aspendos in seiner Blütezeit schier unermesslichen
Reichtum bescherte. Pferde, Salz, Seide, Teppiche und Wein, der in der
Antike einen ausgezeichneten Ruf genoss, sind nur einige Beispiele für
die Exportgüter, die Aspendos weit über die Grenzen Pamphyliens hinaus
verkaufte. Etwa 50 km östlich von Antalya gelegen, ist Aspendos bequem
über die Staatsstraße 400 zu erreichen und gut ausgeschildert (braune
Hinweisschilder).
Über die Frühgeschichte der Stadt liegen nur vage und ungesicherte
Quellen vor. Hethitischen Inschriften zufolge war die Region schon im
3. Jahrtausend vor Christus besiedelt, also noch vor den Hethitern,
als die Luwi, die möglicherweise schon ein Jahrtausend vorher Südwestanatolien
besiedelten, sich vereinzelt an der Küste niederließen. An der Stelle
des späteren Aspendos soll zu dieser Zeit bereits eine Stadtburg namens
Asitayawa gestanden haben. Die Region selber nannte sich seinerzeit
Ahhiyawa. Gegründet wurde Aspendos vermutlich "erst" um 1000
v.Chr. von Archäern, die sich nach dem trojanischen Krieg hier niederließen.
Glaubt man mehr oder weniger zuverlässigen Quellen, kommen als Stadtväter
die Seher Mopsos und Kalchas in Betracht. Bei Mopsos könnte es sich
um den aus hethitischen Inschriften bekannten Wahrsager Mukas handeln.
Ab dem 7. Jh.v.Chr. werden die Erkenntnisse über Aspendos gesicherter.
Zu dieser Zeit lebten die Lyder in der Region, die 545 v.Chr. von den
Persern besiegt und verdrängt wurden. Etwas später prägte Aspendos sogar
eigene Silbermünzen, was auf einen außergewöhnlichen Reichtum der Stadt
schließen lässt. Lediglich das nahegelegene Side konnte zu dieser Zeit
mit der wirtschaftlichen Entwicklung Aspendos' schritthalten. Als es
469 v.Chr. vor den Toren der Stadt zur See und zu Lande zur großen Schlacht
zwischen Persern und Griechen kam, waren die Perser bestens gerüstet:
der griechische General und Geschichtsschreiber Thukides berichtet von
47 Kriegsschiffen, Isokrates gar von 90. Unter ihrem Anführer Kimon
zogen die Griechen jedoch auch nicht auf Tretbooten in die Schlacht.
Gegen die 800 Galleren aus Athen konnten die Perser nicht viel ausrichten,
das Ende der persischen Herrschaft war (vorläufig) besiegelt. Aspendos
wurde Mitglied im Attisch-Delischen Seebund (bis 425 v.Chr.). Unverhofft
kam auch in der Antike schon gelegentlich, denn so ganz über alle Taurusberge
waren die Perser doch noch nicht. 411 v.Chr. konnten sie Aspendos zurückerobern.
Im Jahre 334. v.Chr. rückte Alexander mit seinen Truppen an. Nachdem
er mühelos Perge eingenommen hatte, das auch
kaum bis keinen Widerstand leistete, stand er nun vor den Toren Aspendos'.
Die Stadtältesten setzten auf Verhandlungen, und so gelang es ihnen,
sich dem gleichen Schicksal Perges durch ein Abkommen zu entziehen,
an Vermögen mangelte es Aspendos schließlich nicht. Alexander forderte
von der Stadt 50 Talente Gold und eine angemessene Zahl ihrer begehrten
Pferde als jährliches Tribut. Dies entsprach etwa den Zahlungen, die
Aspendos vorher auch an die Perser abtreten musste. Von einem Schnäppchen
zu sprechen wäre übertrieben, wenn man bedenkt, dass ein Talent 20 kg
Gold entsprach. Aber es sollte noch teurer kommen. Aus dem Auge, aus
dem Sinn, hielt sich Aspendos nicht an die Vereinbarung, schließlich
war der mazedonische Feldherr mit der Einnahme Sillyons beschäftigt.
Hier hatte man jedoch Alexander unterschätzt. Nicht umsonst ging er
als "der Große" und nicht als "der Geprellte" in
die Geschichtsbücher ein. Er kehrte nach Aspendos zurück, verdoppelte
die Schutzgebühr und nahm ein paar prominente Geiseln mit, um eine konstant
hohe Zahlungsmoral Aspendos' zu gewährleisten.
Nach Alexanders Tod (323 v.Chr.) wurde Aspendos kurzzeitig von einem
seiner Generäle verwaltet. Im Anschluss wurde das Zepter der Stadt förmlich
"durchgereicht". Ptolemäer, Seleukiden, Attaliden feierten
jeweils ein kurzes Stelldichein, bevor 190 v. Chr. Pergamon die Macht
übernahm. Als der letzte Herrscher Pergamons, Attalos III., im Jahre
133. v.Chr. starb, vererbte er sein Reich den Römern, welchen er Zeit
seines Lebens wohlgesinnt war. Die ersten Jahrzehnte römischer Herrschaft
waren gewöhnungsbedürftig. Um 80 v.Chr. plünderte der römische Prokonsul
Gaius Verres (115 v.Chr. - 43 v.Chr.) Aspendos und ließ eine ganze Schiffsladung
kostbarer Schätze abtransportieren. In Rom vor Gericht gestellt, konnte
er sich durch eine Kronzeugenaussage gegen den Senator Gnaeus Cornelius
Dolabella freikaufen. Erst mit dem Beginn der Kaiserzeit unter Augustus
(27 v. Chr.–14 n. Chr.) bekam Aspendos den Frieden zurück. Es war der
Beginn einer neuen glanzvollen Blütezeit. In byzantinischer Zeit verlor
Aspendos mehr und mehr an Bedeutung. Mit den ersten Araberüberfällen
gehörten die ruhmreichen Jahre dann auch der Vergangenheit an. Die Seldschuken
gründeten im 13. Jahrhundert in dem Gebiet ein kleines Fürstentum mit
Aspendos als Hauptsitz.
Wer heute die Ruinen besucht, wird restlos begeistert sein, sofern
er sich für antike Kulturgüter interessiert. Wer das Glück hat individuell
reisen zu können, sollte Aspendos in den frühen Morgensstunden besuchen
(Öffnungszeiten von Mai bis Oktober: täglich 7.30-19.00, November bis
April: 8:00-17:30), bevor der (nicht gerade kleine) Parkplatz mit Bussen
vollgestopft wird. Das gilt zumindest für das Theater, den übrigen Ruinen
wird nur kaum Achtung geschenkt, was sehr zu bedauern ist.