Ani - die Stadt der 1000 Kirchen |
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Einführung und geschichtlicher
Überblick
Sehenswürdigkeiten in Ani
Satellitenbild von Ani
Ani (armenisch Անի)
- betrachtet man heute das weitläufige, beinahe öde Gelände, aus dem
hier und da ein paar mehr oder weniger gut erhaltene Kirchen ragen,
so fällt es dem Besucher schwer, sich zu verinnerlichen, dass hier einstmal
1000 Kirchen standen und bis zu 100 000 Menschen gelebt haben sollen.
Der Glanz vergangener Tage ist längst verpufft, die ehemals armenische
Hauptstadt liegt seit rund 700 Jahren in Trümmern. Die Lage war perfekt:
im Westen wird das Plateau durch den Fluss Alaca Suyu begrenzt,
der im Süden mit dem östlich gelegenen Arpa Cayı zusammenfließt.
Letzterer bildet heute die (bewachte und verminte) Grenze zu Armenien.
Somit musste die Stadt Ani nur im Norden gesichert werden.
Die Geschichte der Stadt reicht bis ins 9. vorchristliche Jahrhundert
zurück, als die Uratäer hier eine erste Festung erbauten. Bereits rund
zwei Jahrhunderte später entstanden um die Festung herum einige kleinere
Siedlungen. Die Blütezeit Anis begann jedoch erst später, zu Beginn
des 9. Jh.n.Chr., als der armenische Bagraditenkönig Aschot Msaker (809
bis 827) die Burg in Ani erweiterte. König Aschot III. (953 bis 977)
machte Ani schließlich im Jahre 961 zur Hauptstadt des armenischen Reiches.
964 ließ der König eine erste Stadtmauer errichten. Nach dem Tod Aschots
III. ordnete sein Nachfolger Smbad (977 bis 989) als erste Amtshandlung
einen gründlichen Ausbau der Mauer an. Das Ergebnis war eine doppelte
massive Mauer mit mehreren Bastionen, die sich in den darauffolgenden
Jahrzehnten mehrfach bewähren sollte. Rasch entwickelte sich Ani zum
geistigen Zentrum der Region und zur armenischen Hochburg der Kultur
und Wissenschaft. Unter König Gagik (990 bis 1020) erlebte Ani nun ihren
kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkt. Es war eine der wenigen
friedlichen Zeiten für Armenien, dem Land, dem im Laufe der Jahrhunderte
nur wenig erspart blieb.
Zu Beginn des 11. Jahrhunderts war es dann aus mit der Ruhe für Ani.
Immer wieder wurde Ani von Seldschuken belagert und angegriffen. Der
Stadt gelang es jedoch die Angriffe mal mehr, mal weniger erfolgreich
abzuwehren, bis schließlich der georgische König Georg I. (1014 bis
22) als „freudiger Dritter“ ins Spiel kam und Ani mühelos eroberte und
plünderte. In den folgenden Jahren isolierte sich Ani vollständig von
seiner Außenwelt. Nach der Ermordung des armenischen Königs Gagik II.
samt seiner Söhne durch Byzantiner, war Ani so geschwächt, dass seine
Krieger dem Angriff des Seldschuken Alp Arslan nicht mehr viel entgegensetzen
konnten. Mit der seldschukischen Übernahme im Jahre 1064 war die kurze
aber glorreiche armenische Ära der einst so prachtvollen Stadt endgültig
vorüber. In den folgenden Jahrzehnte stritten sich Kurden und Georgier
um die Herrschaft der Stadt. Die Kurden waren jedoch den Georgiern unterlegen,
für eine kurze Zeit ging es mit Ani wieder bergauf. Zahlreiche sakrale
Bauten ließen die georgischen Königen errichten, Ani erlebte eine neue
vollkommen unerwartete Blütezeit. Die Freude währte jedoch nur kurz:
1236 machten die Mongolen Ani nahezu dem Erdboden gleich. Nur zaghaft
erholte sich Ani vom mongolischen Sturm. Die Wunden waren kaum verheilt,
als ein Erdbeben im Jahre 1319 der Stadt schließlich endgültig den Garaus
machte.
600 Jahre sollten vergehen, bis dem Terrain wieder Achtung geschenkt
wurde. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts finden Untersuchungen und Ausgrabungen
in Ani statt. Mehrere Teams verschiedener Nationen haben das Gelände
erforscht. Doch nur ein winziger Bruchteil der Bauten konnte bisher
freigelegt werden. Immer wieder geraten Wissenschaftler bei ihrer Arbeit
ins Staunen. Ins Staunen über eine Architektur, die bereits vor über
1000 Jahren auf Erdbeben eingestellt war. Über doppelte Wände, die mit
Mörtel gefüllt wurden, über Techniken, die damals der der Europäer haushoch
überlegen waren. Ins Staunen über Architekturen, die einige Kirchen
den schwersten Erdbeben trotzen ließen. Ins Staunen über Baumeister,
deren Genialität weit über die Grenzen Armeniens bekannt war, die einst
selbst die eingestürzte Kuppel der Hagia Sophia in Istanbul wieder so
instand setzten, dass ihre Substanz bis heute nicht mehr erneuert werden
musste.