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Ani - die Stadt der 1000 Kirchen

präsentiert von xago - Das Welterbe

Begründung der Aufnahme (2016):

  • Zeugnis kulturellen Austauschs
  • Zeugnis einer Kultur
  • Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung

Einführung und geschichtlicher Überblick
Sehenswürdigkeiten in Ani
Satellitenbild von Ani

Ani (armenisch: Անի) - betrachtet man heute das weitläufige, beinahe öde Gelände, aus dem hier und da ein paar mehr oder weniger gut erhaltene Kirchen ragen, so fällt es dem Besucher schwer, sich zu verinnerlichen, dass hier einstmal 1000 Kirchen standen und bis zu 100 000 Menschen gelebt haben sollen. Der Glanz vergangener Tage ist längst verpufft, die ehemals armenische Hauptstadt liegt seit rund 700 Jahren in Trümmern. Die Lage war perfekt: im Westen wird das Plateau durch den Fluss Alaca Suyu begrenzt, der im Süden mit dem östlich gelegenen Arpa Cayı zusammenfließt. Letzterer bildet heute die (bewachte und verminte) Grenze zu Armenien. Somit musste die Stadt Ani nur im Norden gesichert werden.

Die Geschichte der Stadt reicht bis ins 9. vorchristliche Jahrhundert zurück, als die Uratäer hier eine erste Festung erbauten. Bereits rund zwei Jahrhunderte später entstanden um die Festung herum einige kleinere Siedlungen. Die Blütezeit Anis begann jedoch erst später, zu Beginn des 9. Jh.n.Chr., als der armenische Bagraditenkönig Aschot Msaker (809 bis 827) die Burg in Ani erweiterte. König Aschot III. (953 bis 977) machte Ani schließlich im Jahre 961 zur Hauptstadt des armenischen Reiches. 964 ließ der König eine erste Stadtmauer errichten. Nach dem Tod Aschots III. ordnete sein Nachfolger Smbad (977 bis 989) als erste Amtshandlung einen gründlichen Ausbau der Mauer an. Das Ergebnis war eine doppelte massive Mauer mit mehreren Bastionen, die sich in den darauffolgenden Jahrzehnten mehrfach bewähren sollte. Rasch entwickelte sich Ani zum geistigen Zentrum der Region und zur armenischen Hochburg der Kultur und Wissenschaft. Unter König Gagik (990 bis 1020) erlebte Ani nun ihren kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkt. Es war eine der wenigen friedlichen Zeiten für Armenien, dem Land, dem im Laufe der Jahrhunderte nur wenig erspart blieb.

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts war es dann aus mit der Ruhe für Ani. Immer wieder wurde Ani von Seldschuken belagert und angegriffen. Der Stadt gelang es jedoch die Angriffe mal mehr, mal weniger erfolgreich abzuwehren, bis schließlich der georgische König Georg I. (1014 bis 22) als „freudiger Dritter“ ins Spiel kam und Ani mühelos eroberte und plünderte. In den folgenden Jahren isolierte sich Ani vollständig von seiner Außenwelt. Nach der Ermordung des armenischen Königs Gagik II. samt seiner Söhne durch Byzantiner, war Ani so geschwächt, dass seine Krieger dem Angriff des Seldschuken Alp Arslan nicht mehr viel entgegensetzen konnten. Mit der seldschukischen Übernahme im Jahre 1064 war die kurze aber glorreiche armenische Ära der einst so prachtvollen Stadt endgültig vorüber. In den folgenden Jahrzehnte stritten sich Kurden und Georgier um die Herrschaft der Stadt. Die Kurden waren jedoch den Georgiern unterlegen, für eine kurze Zeit ging es mit Ani wieder bergauf. Zahlreiche sakrale Bauten ließen die georgischen Königen errichten, Ani erlebte eine neue vollkommen unerwartete Blütezeit. Die Freude währte jedoch nur kurz: 1236 machten die Mongolen Ani nahezu dem Erdboden gleich. Nur zaghaft erholte sich Ani vom mongolischen Sturm. Die Wunden waren kaum verheilt, als ein Erdbeben im Jahre 1319 der Stadt schließlich endgültig den Garaus machte.

600 Jahre sollten vergehen, bis dem Terrain wieder Achtung geschenkt wurde. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts finden Untersuchungen und Ausgrabungen in Ani statt. Mehrere Teams verschiedener Nationen haben das Gelände erforscht. Doch nur ein winziger Bruchteil der Bauten konnte bisher freigelegt werden. Immer wieder geraten Wissenschaftler bei ihrer Arbeit ins Staunen. Ins Staunen über eine Architektur, die bereits vor über 1000 Jahren auf Erdbeben eingestellt war. Über doppelte Wände, die mit Mörtel gefüllt wurden, über Techniken, die damals der der Europäer haushoch überlegen waren. Ins Staunen über Architekturen, die einige Kirchen den schwersten Erdbeben trotzen ließen. Ins Staunen über Baumeister, deren Genialität weit über die Grenzen Armeniens bekannt war, die einst selbst die eingestürzte Kuppel der Hagia Sophia in Istanbul wieder so instand setzten, dass ihre Substanz bis heute nicht mehr erneuert werden musste.

 

 
 

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