Das Theater von Aspendos (Pamphylien) |
|
Einführung und geschichtlicher
Überblick
Das Theater von Aspendos
Weitere Sehenswürdigkeiten
in Aspendos
Satellitenbild von
Aspendos
Fotoarchiv Aspendos
Das Theater dürfte ohne Zweifel das beeindruckendste
Bauwerk von Aspendos sein. Besuchern, welchen dazu die Möglichkeit gegeben
ist, wird angeraten in den frühen Morgenstunden die Anlage zu besuchen,
bevor ein Bus nach dem anderen Massen von Touristen ankarrt. In der Hochsaison
ist zu ungünstigen Zeiten die Besichtigung des Theaters alles andere als
ein Vergnügen. Das Theater von Aspendos ist durch das Bühnenhaus nach
aussen hin komplett abgeschlossen. Über einen der Eingänge finden wir
noch heute einen Hinweis auf die Stifter Curtius Crispinus und Curtius
Auspicatus. Die Brüder hatten das mächtige Bauwerk den Göttern und dem
römischen Kaiserhaus gewidmet.
Erbaut wurde das Theater von Aspendos im 2 Jh. n.Ch. von dem einheimischen
Architekten Zenon unter dem römischen Kaiser Mark Aurel (121-180 n.Chr.).
Einer Legende nach wollte der König von Aspendos seine liebreizende
Tochter Belkıs dem jungen Mann vermählen, der der Stadt von größtem
Nutzen war. Zunächst hatte sich der König für den Erbauer des Aquädukts
entschieden, bis er das Theater bestaunen konnte und seine Tochter dem
jungen Zenon zusprach. Einer anderen Variante der Legende zufolge konnte
sich der Vater der Braut nicht entscheiden und hackte sie mit einer
Axt in zwei Teile. Jeder der Architekten sollte eine Hälfte bekommen,
so musste (wenigstens) der Vater sich nicht weiter den Kopf zerbrechend.
Der gewaltige Zuschauerraum (Cavea) der dichtgedrängt bis zu 20.000
Besuchern Platz bietet, misst einen Durchmesser von 95 Metern. Die 41
Reihen werden durch einen Rundgang (Diazoma) in 21 obere und 20 untere
Reihen geteilt. Die obersten Ränge hatten die beste Akustik und waren
der wohlhabenden Schicht der Bevölkerung vorbehalten. In einige Sitzplätze
wurden Namen eingraviert, was darauf hindeutet, dass diese für wichtige
Persönlichkeiten bzw. "Stammgäste" vorreserviert waren. Über
der obersten Reihe ist noch eine Säulengalerie mit insgesamt 59 Säulenbögen
in einem bemerkenswerten Zustand erhalten. Hier boten einst Händler
den Besuchern ihre Waren an.
Ebenfalls außerordentlich gut erhalten ist das Bühnenhaus, das mit
seinen 30 Metern mit der Säulengalerie über der Cavea auf gleicher Höhe
abschließt. Die Künstler betraten die Bühne durch fünf Türen, von welchen
die äußeren beiden etwas tiefer liegen. Vermutlich wurden durch diese
beiden Eingänge zumindest zeitweise Tiere auf die Bühne geschaffen.
Aspendos war jedoch zu keinem Zeitpunkt Schauplatz blutiger Raubtierspektakel
oder Gladiatorenkämpfen. Das überwiegend aus Konglomerat gebaute Bühnenhaus
war in der Antike komplett mit Marmor überzogen. Heute ist davon nichts
mehr zu sehen. Auch die zahlreichen Götterstatuen und Standbilder überlebten
entweder den Zahn der Zeit (bzw. den "Zahn" der Araber, Seldschuken
und Osmanen) nicht oder sind im Museum von Antalya untergebracht. Als
überaus interessant und keineswegs gewöhnlich ist noch die Kombination
aus korinthischen (oben) und ionischen (unten) Säulen am Bühnengebäude
zu betrachten. Ebenfalls gut erhalten ist noch ein Relief am obersten
Teil, dass Bacchus, dem Gott des Weines und des Vergnügens geweiht wurde.
Ab dem 13. Jahrhundert nutzten die Seldschuken gefolgt von den Osmanen
das Theater noch als Karawanserei. Dadurch konnte seine Substanz bewahrt
werden. Als Atatürk Aspendos besuchte, war er derart begeistert von
dem Theater und seiner Akustik, dass er sogleich Gelder für dessen Renovierung
und Erhalt fließen ließ. Noch heute finden regelmäßig Festspiele und
weitere Aufführungen im Theater von Aspendos statt. Dank der einzigartigen
Akustik kann bei den Veranstaltungen auf die Verwendung von Mikrofonen
weitgehend verzichtet werden. Wie in der Antike, als die Schauspieler
nach den Vorführungen oft noch stundenlang mit den Besuchern diskutierten,
bleibt der Besuch einer Vorstellung noch heute ein einzigartiges Erlebnis.