Perge - Apostel, Götter, Diebe und Ellipsen |
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Einführung und
geschichtlicher Überblick
Sehenswürdigkeiten in Perge
Satellitenbild von Perge
Fotoarchiv von Perge
Die Geschichte des antiken Perges
ist sehr eng an die des benachbarten Aspendos'
geknüpft. Auch Perge gehörte einst zu den mächtigsten Städten der Region
Pamphylien, auch Perge war durch einen Fluss, dem Kestros (heute Aksu
Çayı), mit dem Meer verbunden und nicht zuletzt steht in Perge, wie
auch in Aspendos, ein mächtiges Theater. Ja, selbst die gleichen Stadtväter
wollen die beiden Metropolen gehabt haben: die Seher Mopsos und Kalchas
sollen nach dem trojanischen Krieg die Siedlungen gegründet haben. Von
den Flüssen ist nicht mehr viel übrig, Versandungen ließen sie über
die Jahrhunderte zu Bächen schrumpfen. Schiffe, von Kriegsschiffen ganz
zu schweigen, ankern schon lange nicht mehr vor den Toren Perges oder
Aspendos'. Wie auch Aspendos, liegt Perge gute zehn Kilometer von der
Küste entfernt. Auch Perge ist über die Staatsstraße 400 von Antalya
aus (ca. 18 km) bequem zu erreichen und gut ausgeschildert.
Bereits um 2000 v.Chr. existierte auf dem Hügel der Akropolis
eine luwische Siedlung namens Paragawana (= hochgelegene Burg).
Aus Paragawana wurde im Laufe der Zeit Parga, unter den Persern
schließlich Perge. Über das Schicksal Perges in hethitischer Zeit liegen
nur wenige vage Erkenntnisse vor. Im 7. Jh.v.Chr. gelang Perge unter
lydische Herrschaft. Als dessen legendärer König Kroisos 547 v.Chr.
gegen die Perser zog, gelang es ihm, der Prophezeiung des Orakels von
Delphi entsprechend, "ein großes Reich zu zerstören", nämlich
sein eigenes. Perge wurde persisch und sollte es auch bis zum Eintreffen
des Mazedoniers Alexander dem Großen im Jahre 334 v.Chr. bleiben.
Als Alexander mit seinen Truppen anrückte, übergaben die
Einwohner Perges ihm die Stadt ohne Widerstand. Der Feldherr ließ sich
in Perge für einige Zeit nieder und plante von hier aus die Einnahme
der benachbarten Städte Aspendos und Side. Die Lage war nicht nur für
seine Zwecke ideal. Perge war über den Kestros mit dem Meer verbunden,
trotzdem für Feinde gut genug versteckt. Die Einheimischen Perges sollen
durch ihre Ortskenntnisse Alexander sogar bei seinem Vorgehen gegen
die verhassten Nachbarstädte behilflich gewesen sein. Nach dem Tod Alexanders
(323 v.Chr.) übernahm sein General Antigonos die Geschicke der Stadt.
Dieser konnte die Macht jedoch nicht lange behalten und musste die Stadt
im Jahre 312 v.Chr. den Seleukiden übergeben.
Unter den Seleukiden wurde Perge weiter ausgebaut. Perge
erhielt eine gewaltige nach der sog. "Zweischalentechnik"
erbaute Stadtmauer. Um 262 v.Chr erblickte Perges berühmtester Sohn
das Licht der Welt. Auf Apollonius, Schüler des Archimedes, sind zahlreiche
Theorien über Kegel und Ellipsen, sowie die Regeln des von Schülern
gefürchteten "Kreis des Apollonius" zurückzuführen. Im Jahre
188 v.Chr. stritten sich die syrischen Seleukiden mit Pergamon über
die Herrschaft Perges. Dank der Vermittlungen des herbeigerufenen römischen
Konsuls Manlius Vulso, konnte der Zwist unblutig beigelegt werden. Die
Seleukiden, die sich bei ihrem König Antiochos III. Rat geholt hatten,
übergaben Pergamon die Stadt. Antiochos III. hatte mit der Wiederherstellung
seines Reiches ohnehin alle Hände voll zu tun, da wollte er sich nicht
auch noch mit Pergamon und dessen steten Freund Rom anlegen. Zu dieser
Zeit entstand auch das wichtigste Heiligtum der Stadt, die "Pergische
Artemis", die Perge gleichsam berühmt, heilig und reich machte.
Den Archäologen ein Rätsel, konnte das Heiligtum, dessen Existenz zweifelsfrei
erwiesen ist, bis heute nicht gefunden werden.
Nach dem Tod Attalos III. von Pergamon im Jahre 133. v.Chr.
fiel Perge seinem Wunsch entsprechend an Rom. Es war der Beginn eines
großartigen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs. Wie auch Aspendos,
wurde Perge um 80 v.Chr. vom römischen Prokonsul Gaius Verres (115 v.Chr.
- 43 v.Chr.) geplündert. Glaubt man den (einseitigen) Ausführungen Ciceros,
der später auch die Anklage gegen Verres vertrat und diese in seinen
berühmten "Reden gegen Verres" festhielt, war es Aremidoros,
Arzt und Einwohner Perges, der Rom um Hilfe gegen Piraten bat. Mit der
Entsendung Verres' hatten die Römer jedoch den Bock zum Gärtner gemacht.
In Rom vor Gericht gestellt, konnte Verres sich durch eine Kronzeugenaussage
gegen seinen einstigen Vorgesetzten Senator Gnaeus Cornelius Dolabella
aus der Affäre ziehen.
Nach der Zeitwende entstand in Perge eine der ältesten
christlichen Gemeinden Kleinasiens. Dass es die ersten Christen waren,
die diverse Tempel der Stadt zerstört haben, mag zwar naheliegend sein,
ist jedoch historisch nicht gesichert. Auch die Apostel Paulus und Barnabas
haben vermutlich im Jahre 53 (nach Christus) Perge
besucht.
Von Paphos fuhr Paulus mit seinen Begleitern ab
und kam nach Perge in Pamphylien.
(Apg 13,13)
Nach anhaltenden Überfällen muslimischer Piraten zogen
die Bürger ab dem 7. Jh. von Perge ab und ließen sich innerhalb der
Stadtmauern Antalyas nieder, das zu dieser Zeit besser befestigt war.
Schon zur Zeit der Seldschuken war Perge gänzlich verlassen. Ein Jahrtausend
später entdeckte der französische Reisende Texier 1835 das Theater.
Perge wurde glücklicherweise nicht von europäischen Archäologen geplündert.
Die meisten Kunstwerke kann man daher entweder vor Ort oder im Museum
von Antalya (wo sie hingehören) bewundern. 1946 begann man unter der
Leitung von Arif Müfid Mansel mit den systematischen Ausgrabungen.