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Türkei - Pergamon und seine Kulturlandschaft

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Begründung der Aufnahme (2014):

  • Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft
  • Zeugnis kulturellen Austauschs
  • Zeugnis einer Kultur
  • Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung
  • Verknüpfung mit Ereignissen von universeller Bedeutung

Pergamon (Bergama)

Die knapp 60 000 Einwohner zählende Stadt Bergama liegt etwa 70 km südwestlich von Ayvalık und gute 130 km nördlich von Izmir. Gut beschildert erreicht man den Ort mit dem Auto über die Bundesstraße 550. Wer sich für den Bus entscheidet, muss für die Reise von Izmir etwa eine Stunde einkalkulieren, von Ayvalık etwa anderthalb Stunden. Der Busbahnhof (otogar) liegt etwa 7 km außerhalb der Stadt, die Anbindung mit dem Dolmuş ist jedoch schnell, günstig (zuletzt 2 türkische Lira) und unkompliziert. Über Bergama selbst gehen die Meinungen auseinander, der eine liebt den typisch türkischen Flair (z.B. den jeden Montag stattfindenden Markt), der andere hält die Stadt für langweilig. Die Meinung des Autors liegt irgendwo in der Mitte. Interessant macht Bergama vor allem aber die Nähe zu den weltberühmten Ausgrabungsstätten von Pergamon, die seit dem Jahre 2014 von der UNSCO zum Weltkulturerbe der Türkei gezählt werden.

Die eigentliche Geschichte Pergamons reicht bis ins 7. vorchristliche Jahrhundert zurück, auch wenn zahlreiche Funde belegen, dass die Region bereits in der Bronzezeit besiedelt war. Seinen Aufstieg und Reichtum verdankt Pergamon schließlich Lysimachos, einem ranghohen General Alexanders dem Großen und seinem Vertrauten Philetairos. Bevor Lysimachos gegen Seleukos in die Schlacht um die Herrschaft Kleinasiens zog, vertraute er seinem Getreuen die nicht unbescheidene Summe von 9000 Goldtalenten an. Ein weiser Zug, denn Lysimachos fiel im Jahre 281 v. Chr. im Kampf und Philetairos konnte mit dem ihm übergebenen Reichtum seine neue Dynastie begründen. Nach seinem Tod übernahm zunächst sein Neffe Eumenes I. (263-241 v. Chr.) das Zepter, später dann Eumenes' Adoptivsohn Attalos I. (241-197 v.Chr.). Dieser ernannte sich gleich nach seiner Machtübernahme selbst zum König und weitete die Herrschaft Pergamons konsequent aus, schloss zur Festigung seiner Macht auch Bündnisse und Pakte mit den Römern. Sein Sohn Eumenes II. (197-159 v.Chr.) führte schießlich Pergamon in seine größte Glanzzeit. Diese währte leider nicht sehr lange. Zwar konnte unter seinem Nachfolger Attalos II. (159-138 v.Chr.), einem Bruder von Eumenes, die solide Herrschaft fortgeführt werden, sein Sohn Attalos III. (138-133 v. Chr.) vermochte jedoch die Geschicke des Reichs nicht ganz so erfolgreich zu lenken. Selbst kinderlos, vermachte er nach seinem Tod Pergamon an die Römische Republik, an Stelle des Königreichs Pergamon entstand die römische Provinz Asia.

Heute liegen die Sehenswürdigkeiten des ehemaligen Pergamons, weit zerstreut, einige Schätze wurden außer Land geschaffen, andere konnten den Witterungsbedingungen über die Jahrhunderte nicht standhalten. Trotzdem bietet Pergamon dem historisch Interessierten eine große Menge an Sehenswürdigkeiten. Gepaart mit einer traumhaften Landschaft bieten die Ruinen des antiken Pergamons, eine absolut sehenswerte und unvergessliche Reise in die Zeit der großartigen Herrscher Pergamons.

Sehenswürdigkeiten (Auswahl):

Das Archäologische Museum (Arkeoloji Müzesi) befindet sich im Zentrum Bergamas. Es bietet eine reiche Auswahl an vorchristlichen Funden, vor allem Münzen und Töpferwaren. Eine Sammlung von Statuen aus dem 4. Jahrhundert vor Christus erinnert an die „Schule von Pergamon“. Unverkennbar die zu diesem Zeitpunkt allmählich vollzogene Wandlung der Götterstatuen, die mehr und mehr menschliche Züge annahmen. Neben der antiken Kunstsammlungen finden sich auch solche aus der osmanischen Zeit (1299 – 1922).

Das Asklepieion ist ein antikes Heiligtum mit angeschlossenem Sanatorium aus hellenistischer und römischer Zeit. Gegründet wurde es von dem Mäzen Archias, der selbst wiederum im Asklepeion von Epidaurus (Peloponnes) Heilung fand. Heute würde man das Sanatorium, das unter Galen (131-121 n. Chr.) seine Blütezeit erlebte, vielleicht am ehesten mit einem Kurort vergleichen, in dem die Patienten vor allem mit Massagen, Schlammbädern und Heilwasser versorgt wurden.

Die Rote Basilika wurde im zweiten Jahrhundert nach Christus erbaut und diente zunächst als Tempel für die ägyptischen Gottheiten Serapis, Isis und Harpokrates. Ein wenig notdürftige Reparaturen fallen ins Auge, vor allem Stützrohre und Wellbleche, die auf Grund des steten Geldmangels leider nötig waren. In der Offenbarung des Johannes wird die Basilika als einer als Sitz des Teufels erwähnt (Offenbarung 2, 12-17).

Weitere Sehenswürdigkeiten:

Akropolis
Bibliothek
Trajanstempel
Theater
Dionysos-Tempel

Weiterführende Literatur:

Altertümer von Pergamon (de Gruyter, Berlin)
Die Kulte und Heiligtümer der Götter in Pergamon (Erwin Ohlemutz, Würzburg 1940)
Pergamon. Geschichte und Bauten einer antiken Metropole (Wolfgang Randt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005)

   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
     
     
     
     
     
     
     
 
 
     
 
 
 

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