Die einstige lykische Hauptstadt Xanthos, die kurzzeitig
auch unter dem Namen Arnna bekannt war, liegt etwa 48 km südwestlich von
Fethiye und 15 km nördlich von Kalkan, im fruchtbaren Esen-Tal, nahe der
Stadt Kinik. Man erreicht Xanthos über die Bundesstrasse D400. Gesicherten
Erkenntnissen nach, existierte die größte und mächtigste Stadt Lykiens
schon 800 v. Chr., wahrscheinlich sogar schon 400 Jahre früher, zur Zeit
des Trojanischen Krieges. Gegen diese Theorie spricht jedoch die Tatsache,
dass Homer in seinem Epos Ilias zwar Lykien und den Fluss Xanthos (heute
Esen Çayi), niemals aber die Stadt erwähnt. Über viele Jahrhunderte
vergessen, entdeckte der britische Wissenschaftler Charles Fellows 1838
die antike Stadt. Dieser brachte mit der Erlaubnis des Sultans von Konstantinopel,
die wertvollsten Stücke (darunter das berühmte Nereïdenmonument),
in 80 Kisten verpackt, nach London. Kriege, Überfälle, Brände, Erdbeben
hatten diese kostbaren Stücke heil überstanden, bis sie plündernden "Forschern"
zum Opfer fielen. Der Besucher muss sich heute mit Nachbauten aus Gips
zufrieden geben, die Originale sind im Britischen Museum in London zu
bewundern. Im Jahre 1950 begannen (seriöse) französische Archäologen mit
der systematischen Freilegung der Ruinen, zunächst unter der Leitung von
Dr. Pierre Demargne, später unter Prof. Dr. Henri Metzger. Seit 1988 zählt
Xanthos gemeinsam mit Letoon zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Als im Jahre 546 v. Chr. die Perser unter ihrem Anführer Harpagos Xanthos
belagerten, leisteten die tapferen und stolzen Einwohner der Stadt,
der Übermacht des Feindes zum Trotz, erbitterten Widerstand. Erst als
die Lage volkommen auswegslos wurde, gaben sie dem Tod einer Fremdherrschaft
den Vorzug: sie töteten ihre Frauen, Kinder und Sklaven und suchten
selbst im Kampf den Tod. Das gleiche Schicksal sollte Xanthos ein halbes
Jahrtausend später erneut widerfahren.
Die 80 Familien, die sich zu diesem Zeitpunkt außerhalb der Stadt aufhielten
und dieses Massaker überlebten bauten Xanthos wieder auf. Nach einem
Großbrand gegen Ende des 5. vorchristlichen Jahrhunderts, der weite
Teile der Metropole zerstörte, erlangte Xanthos schließlich erneut seine
Unabhängigkeit. Zu dieser Zeit entstanden Grabbauten, die weder dem
griechischen noch dem orientalischen Kulturkreis zugeordnet werden können.
Im Jahre 429 v. Chr. setzte sich Xanthos ohne großes Aufsehen zu erregen
erfolgreich gegen einen Angriff der Athener zur Wehr. Es war der Beginn
einer ersten, großartigen Blütezeit.
Als eine der wenigen Städte des Lykischen Bundes, setzte sich Xanthos
334 vor Christus anfangs auch gegen Alexander dem Großen zur wehr, dem
Feldherrn gelang es dennoch ohne nennenswerte Mühen die Stadt einzunehmen.
Nach dem Tod Alexanders kam zunächst im Jahre 309 v. Chr. sein General
Ptolemaios I. an die Macht, der bald das Zepter an die Ägypter abgeben
musste, diese reichten es schließlich dem syrischen König Antiochos
III. Wieder befand sich Xanthos im Aufschwung, trat 168 v. Chr. dem
wiedergegründeten Lykischen Bund bei und wurde schon bald dessen Zentrum
und Hauptstadt. Xanthos verwaltete auch das nahe gelegene Letoon, das
wichtigste Heiligtum der Lykier.
Als im Jahre 42 v. Chr. der Cäsarmörder Brutus auf der Suche nach Geld
und Söldnern für seine Schlacht gegen Marcus Antonius und Octavian nach
Xanthos kam, setzten sich deren Einwohner erneut erbittert zur Wehr.
Wie schon einmal in Ihrer Geschichte töteten sie ihre Frauen, Kinder
und Sklaven und begingen anschließend Selbstmord, in dem sie sich von
der Akropolis in den 100 m tiefer gelegenen Fluss stürzten. Dieses Ereignis
erschütterte Brutus derart, dass er ein Preisgeld für jeden geretteten
Krieger aussetzte. Auf diese Weise konnten 150 Einwohner ihr Leben behalten.
Glaubt man dem griechischen Biographen Plutarch, so brach Brutus Zeit
seines Lebens in Tränen aus, wurde er an diesen heldenhaften Vorfall
erinnert. Als man dem römischen Staatsmann und Feldherren Marcus Antonius
von dem Ereignissen berichtete, zeigte auch dieser sich erschüttert
und ließ mit großzügiger finanzieller Unterstützung die zerstörten Teile
der Stadt neu errichten. Viele Denkmäler, die man schon damals als Antiquitäten
betrachtete, wurden sorgsam umgelagert und zum Teil auch restauriert.
Es folgte die Pax Romana, eine Zeit, des Friedens und des Wohlstands
für die Stadt.
Wärend der byzantinischen Zeit entstanden mehrere Kirchen und ein Kloster,
Xanthos wurde zum Bischofssitz. Nach mehreren arabischen Überfällen
ab dem 7. Jahrhundert n. Chr., wurde die Stadt nach und nach verlassen.
Ab dem 10. Jahrhundert verödete Xanthos vollständig und geriet in Vergessenheit.