El Djem, das ehemalige Thysdrus, liegt im Zentrum Tunesiens,
etwa 60 km südlich von Sousse, nahe der "Autobahn" nach
Sfax. Seit 1979 gehört El Djem zum Weltkulturerbe.
Das Amphitheater von El Djem ist mit einer Höhe von 36 m, einer
Länge von 148 m und einer Breite von 122 m nach dem Kolosseum in
Rom und dem römisches Amphitheater von Capua das drittgrößte
Theater der Welt. Anders als andere Amphitheater liegt es nicht von
den Mauern einer Großstadt umgeben, sondern ragt, schon aus der
Ferne sichtbar, aus dem ca. 7000 Seelendorf hervor. Das erstaunlich
gut erhaltene Amphitheater von El Djem bot auf seinen drei Kolonnadenrängen
Platz für über 40 000 Zuschauer.
Zunächst stand in El Djem noch ein kleineres Theater. Zu Beginn
des dritten Jahrhunderts florierte der Handel mit Rom so stark, dass
bald ein neues, grösseres Amphitheater von nöten war. Die
Region hatte sich inzwischen zum größten Olivenanbaugebiet
Nordafrikas entwickelt. Zu Beginn der 30er Jahre des zweiten Jahrhunderts
ließ der römische Proconsul Gordianus daher das mächtige
Monument erbauen. Zunächst fanden in der 65m langen Arena Wagen-,
Tier- und Leichtathletikkämpfe statt. Erst später wurde die
Arena Schauplatz für Kriegsspiele, die anfangs noch unblutig verliefen.
Mit dem Beginn der Christenverfolgung jedoch wurden Anhänger dieser
neuen "Sekte" gemeinsam mit Mördern und anderen Schwerverbrechern
in brennenden Gewändern durch die Arena gehetzt und fanden ihren
Tod, mal in den Mäulern von Raubtieren, mal durch das Schwert eines
Gladiatoren. Die für diese Zwecke eigens erbauten Raubtierkäfige
und Gefangenenzellen sind noch sehr gut erhalten, bzw. in den letzten
Jahren aufwändig restauriert worden.
Kaum zehn Jahre nach seiner Erbauung hatte das Amphitheater von El
Djem jedoch bereits seine Glanzzeiten hinter sich. Die immer höheren
Forderungen Roms zogen den Zorn der Bewohner nach sich. Der Unmut der
Bevölkerung erreichte mit dem Ausruf des römischen Proconsuls
Gordianus (gegen seinen Willen) zum Gegenkaiser seinen tragischen Höhepunkt.
Der römische Kaiser Maximinus Thrax reagierte über die Ernennung
des bereits 80 jährigen wenig humorvoll: El Djem wurde kurzerhand
"platt gemacht", nur das Amphitheater blieb verschont.
Die folgenden Jahrhunderte zogen, wegen seiner soliden Bauweise, nahezu
spurlos am Amphitheater von El Djem vorbei, bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts
die Westseite des Theaters einem Intermezzo um die Nachfolge Murad Beys
zum Opfer fiel. Einer der Anführer ließ in die Westseite
eine Bresche schießen, um Aufständische, die sich in den
Mauern des Gebäudes verschanzt hielten, zu vertreiben. In den folgenden
Jahren diente das Amphitheater den Einwohnern der kleinen Siedlung als
Steinbruch.
Schon gegen Ende der 70er Jahre begann man mit der aufwändigen
Restaurierung des Theaters. Mittlerweile finden innerhalb der historischen
Mauern regelmäßig Freilichtkonzerte statt, die zahlreiche
Musikgrößen aus aller Welt anziehen.
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